Zum Hauptinhalt springen

Aus der Traum vom ewigen Sommer

Die Zeitumstellung wird so schnell nicht abgeschafft. Gut so.

Wie viel Uhr ist es? Die Debatte um die Zeitumstellung wird sehr emotional geführt. Foto: Reto Oeschger
Wie viel Uhr ist es? Die Debatte um die Zeitumstellung wird sehr emotional geführt. Foto: Reto Oeschger

Zum letzten Mal, so hoffen viele, werden in der Nacht auf morgen die Uhren auf Winterzeit zurückgedreht. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte zum Ende der Sommerferien die freudige Erwartung geschürt: Europa könnte schon im kommenden Frühling die ewige Sommerzeit einführen. Die Zeitumstellung würde abgeschafft. Die Schweiz müsste sich gleichschalten, um nicht zur Zeitinsel zu wer­den – was Chaos bei Flug- und Fahrplänen auslösen würde und teuer wäre, unvernünftig teuer.

Aber sicher hat es unterdessen auch Jean-Claude Juncker gemerkt: Sein Lustfährtchen in den Populismus kann nur im Crash enden. Er hatte seine Ankündigung mit Blick auf eine Umfrage gemacht, die überwältigenden europäischen Bürgerwillen für die Abschaffung vorgaukelte. Sie war aber alles andere als repräsentativ. Juncker liess sich nicht beirren. Im Herbst seiner Präsidentschaft wollte er die Union volksnah erscheinen lassen.

Im kalten Oktoberlicht betrachtet erweist sich der Plan als – Verzeihung – Schnapsidee.

Sicher: Die Zeitumstellung alle halben Jahre ist mühselig, bringt die erhofften Vorteile längst nicht mehr. Und ewige Sommerzeit: Wie süss tönt das. Vor allem in Deutschland, wo man Sommermärchen liebt und woher fast drei Viertel der Umfrageantworten stammen. Aber im kalten Oktoberlicht betrachtet erweist sich der Plan als – Verzeihung – Schnapsidee. Die europäischen Lebensgewohnheiten sind nicht auf den späten Tagesbeginn bei ewiger Sommerzeit eingerichtet, mindestens nicht im Norden. Darum wird präventiv schon gefordert, bei der Einführung ewiger Sommerzeit Schul- und Arbeitsbeginn im Winter auf eine spätere Uhrzeit zu verschieben. Zudem droht ein europäisches Zeitchaos, wenn die Länder frei entscheiden können.

In den Beratungen der EU-Gremienist Juncker auf viel Skepsis gestossen. Die Staaten wollen sich nicht drängen lassen. Bis im Frühling werden sich die Europäer ohnehin nicht einigen, auf den ewigen Sommer kaum je. Aus der Traum. Gut so.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch