Ausrufezeichen und Absturz

Tom Lüthi wird nach dem achten Podestplatz 2019 WM-Dritter. Seine Aussichten sind verlockend. Dominique Aegerter dagegen steht nach seinem Abstieg vor dem Neustart.

Freude trotz Frust in der Schlussrunde: Tom Lüthi in Valencia.

Freude trotz Frust in der Schlussrunde: Tom Lüthi in Valencia. Bild: Alberto Saiz (AP)

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Tom Lüthi beendet die Moto-2-Saison in Valencia mit dem achten Podestplatz des Jahres. Und doch fühlt sich der 2. Platz hinter Brad Binder nach einer starken Vorstellung auf den ersten Blick wie eine Niederlage für ihn an, weil der bis kurz vor Schluss in Führung liegende Lüthi im WM-Ranking damit hinter dem Südafrikaner Binder auf Rang 3 bleibt.

Dennoch darf der Emmentaler mit seiner Saison sehr zufrieden sein, er setzte ein kräftiges Ausrufezeichen. Der dritte Rang im WM-Gesamtklassement beschert ihm zudem einen saftigen Bonus. «Wir dürfen stolz auf unsere Entwicklungin den letzten Monaten sein»,sagt Lüthi. Im ersten Jahr beim Dynavolt-Intact-Team sei es ein ausgezeichnetes Ergebnis, die Weltmeisterschaft gleich auf dem Podium zu beenden.

Gemessen an der Punkteausbeute blickt Tom Lüthi in der 18. Saison sogar auf das beste Jahr seiner Laufbahn zurück. 250 Punkte erreichte er nicht beim WM-Titel 2005 in der damaligen 125er-Kategorie (242) – und auch nicht 2016 und 2017, als er mit 234 und 243 Zählern in der Moto2 jeweils WM-Zweiter wurde. Allerdings bestritt Lüthi in diesen drei Saisons zwei oder drei Rennen weniger als 2019.

Der 33-Jährige jedenfalls meldete sich nach dem äusserst frustrierenden MotoGP-Abenteuer mit null Punkten letztes Jahr eindrucksvoll zurück. Die Basis zu seiner erfreulichen Saison legte er dabei mit einem tollen Start. Weil er im Sommer aber wochenlang die richtige Abstimmung mit seiner Maschine nicht fand, vermochte er Weltmeister Álex Márquez am Ende nicht mehr richtig zu gefährden. Gestern in Valencia stürzte Márquez. Der Spanier triumphierte viel deutlicher, als es die knappen Abstände von 3 beziehungsweise 12 Punkten auf Binder und Lüthi vorgeben.

Während Márquez und Binder 2019 jeweils fünf Siege feierten, vermochte der solide Punktesammler Lüthi einzig im Frühling in Austin zu gewinnen. Mit vier Podestplätzen in Serie bewies er am Saisonende jedoch seine Klasse. «Wir haben unsere gröberen Probleme spät, aber nicht zu spät lösen können», sagt Lüthi. «Und das ist ein wertvolles Zeichen für die Zukunft.»

Noch immer also hält Motorradsenior Tom Lüthi mit den jungen, zuweilen wildenMoto2-Fahrern mit. Nächste Saison darf er sich jedenfalls zu den Topfavoriten zählen, zumal Binder und Márquez 2020 beide in die Königsklasse MotoGP aufsteigen. Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit wird Álex Márquez bei Repsol-Honda zusammen mit Serienweltmeister und Bruder Marc Márquez ein spektakuläres Fahrerpaar bilden. Dagegen könnte der Franzose Johann Zarco, Moto2-Weltmeister 2015 und 2016, nächstes Jahr in die zweithöchste Kategorie zurückkehren und ein ernsthafter Konkurrent Lüthis werden.

Für Dominique Aegerter, den zweiten Berner Moto2-Fahrer, endete eine total missglückte Saison in Valencia mit Rang 12 derweil halbwegs versöhnlich. Aegerter fuhr 2019 als Neunter in Assen nur einmal in die Top 10. Das ist eine ungenügende Bilanz für den talentierten Racer, die auch damit zusammenhängt, dass der legendäre Rennstall MV Agusta bei der Rückkehr in die Motorrad-WM nach 42 Jahren einen kläg­lichen Eindruck hinterliess.

Aegerters Engagement bei MV Agusta war die Konsequenz aus einer ganzen Reihe von Fehlentscheidungen in den letzten Jahren, die seinen Abstieg beschleunigten. So hätte er vor einem Jahr bei NTS unterschreiben können, aber er hoffte auf eine bessere Lösung, bis nur noch MV Agusta übrig blieb.

Nun muss der 29-Jährige, 2013 und 2014 noch jeweils WM-Fünfter, die Moto2 als Hinterherfahrer verlassen und in der unbedeutenden MotoE weiterkämpfen. Sein Manager Oliver Imfeld verhandelte monatelang um eine Fortsetzung von Aegerters Karriere bei MV Agusta, die Sponsorensuche aber war nach den zuletzt schwachen Resultaten schwierig. MV Agusta habe von ihm derart viele finanzielleZugeständnisse verlangt, sagt Aegerter, dass die nächste Saison erneut zu einemriesigen Verlustgeschäftfür ihn geworden wäre.

Nach 10 Jahren, 164 Rennen und 7 Podestplätzen in der Moto2 steht Aegerter vor dem bitteren Neustart im Niemandsland der Elektro-Klasse. Aufgeben jedoch will er nicht, sondern sich mit überzeugenden Leistungen und dem Titelgewinn wieder für die Moto2 empfehlen. Dort ist er im Dynavolt-Intact-Team 2020 auch als Stellvertreter seines einstigen Rivalen Tom Lüthi gemeldet. Diese Rolle ist bitter für Aegerter – und steht symbolisch für dessen heftigen Absturz in den letzten Jahren.


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Erstellt: 18.11.2019, 09:14 Uhr

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