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Bitteres Erwachen

Wenn Evo Morales von einem Putsch spricht, ist das nicht falsch. Die Voraussetzungen dafür hat aber er geschaffen.

La Paz versinkt im Chaos: In der bolivianischen Stadt geraten Unterstützer von Evo Morales und Polizeikräfte aneinander. (11.11.2019) Foto: Carlos Garcia Rawlins (Reuters)
La Paz versinkt im Chaos: In der bolivianischen Stadt geraten Unterstützer von Evo Morales und Polizeikräfte aneinander. (11.11.2019) Foto: Carlos Garcia Rawlins (Reuters)

Kurz nach dem Rücktritt von Evo Morales brach vollends das Chaos aus. Am Morgen war La Paz ein Scherbenhaufen – und tragischerweise könnte dies ein Vorgeschmack sein auf das, was Bolivien in den nächsten Wochen bevorsteht.

Auf der einen Seite ist das die Schuld von Evo Morales selbst. Fast 14 Jahre hat er sein Land regiert. Millionen sind in dieser Zeit aus der Armut aufgestiegen, die Wirtschaft wächst. Es gibt mehr weibliche Abgeordnete als in jedem anderen Land Lateinamerikas, und Bolivien ist qua Verfassung ein plurinationaler Staat.

Bei allen Verdiensten versanken Morales und seine Partei aber zunehmend auch in Selbstherrlichkeit. Der Präsident machte keine Anstalten, einen Nachfolger aufzubauen, stattdessen klammerte er sich an die Macht. Erst beugte Morales per Richterspruch die Verfassung, um weiter im Amt bleiben zu können. Dann liess er anscheinend die Abstimmungsergebnisse der letzten Präsidentenwahl fälschen, um sich nicht einer Stichwahl stellen zu müssen.

Wenn Morales nun von einem Putsch spricht, ist das nicht falsch. Die Voraussetzungen aber hat er selbst geschaffen. Es wäre an der Zeit, sich das einzugestehen, auch um seine Anhänger zu beruhigen und einen friedlichen Übergang zu gewährleisten.

Allerdings – und das ist das Problem – hat auch die Opposition anscheinend keinerlei Interesse an geordneten Verhältnissen. Schon in den Tagen vor dem Rücktritt hat sie jedes Angebot zum Dialog ausgeschlagen. Als Morales am Sonntag dann den Weg für Neuwahlen freimachte, war auch das nicht genug. Der Präsident sollte weg, sofort. Dass so am Ende ein Machtvakuum entstanden ist, störte nicht weiter. Im Gegenteil: Viele der Minister und Abgeordneten, die gemeinsam mit Morales zurückgetreten sind, taten das nicht aus politischer Überzeugung, sondern aus Angst um Leib und Leben. Wohnungen wurden angesteckt, Regierungsgegner plünderten allem Anschein nach sogar das Haus von Morales. Nach mehr als einer Dekade politischer Stabilität ist Bolivien ein tief gespaltenes Land.

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