Das Büro ist als Jagdrevier für Chefs endgültig tot

Der Chef von McDonald’s ist wegen einer Liebesbeziehung entlassen worden. Übertrieben? Nein. CEOs verdrängen zuweilen, dass sie auch für korrektes Benehmen bezahlt werden.

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Steve Easterbrook musste als CEO des Burgerriesen McDonald’s wegen einer Liebesbeziehung mit einer Angestellten zurücktreten. Besonders peinlich ist, dass der Manager auch im Verwaltungsrat der Organisation Catalyst gesessen hatte. Catalyst setzt sich für die Gleichstellung von Frauen am Arbeitsplatz ein. Inzwischen ist Easterbrooks Name von der Catalyst-Website komplett verschwunden.

Letztes Jahr quittierte der Chef des Chipherstellers Intel aus demselben Grund seinen Job. Dass es überhaupt noch zu dieser Art von Abgängen kommt, erstaunt. Nach jahrelangen Debatten über gute Unternehmensführung und #MeToo müsste so ziemlich jedem CEO eines grossen Unternehmens klar sein, dass das Büro als Jagdrevier tot ist. Es wäre auch falsch, die McDonald’s-Affäre als Auswuchs amerikanischer Rigidität abzustempeln und so zu tun, als sei in der Schweiz alles in Ordnung.

«Beziehungen von Chefs am Arbeitsplatz sind im Prinzip ein No-go, und wenn es doch funkt, muss einer von beiden sofort weg.»

Auch hierzulande kommt es ­immer wieder zu Lovestorys auf höchster Ebene. Sich zu verlieben, ist zwar menschlich. Doch CEOs oder andere hohe Kader verdrängen in ihrem gesunden Selbstbewusstsein zuweilen, dass sie nicht nur für eine erfolgreiche Geschäftsführung üppig entlöhnt werden, sondern auch für korrektes Verhalten. Das ist der Preis für den Aufstieg. Beziehungen von Chefs am Arbeitsplatz sind im Prinzip ein No-go, und wenn es doch funkt, muss einer von beiden sofort weg.

Doch obwohl alle grossen Firmen den Umgang damit geregelt haben, wird in der Praxis oft gewurstelt. Die Betroffenen versuchen, das Verhältnis unter dem Deckel zu halten, reden sich ein, Job und Privatleben trennen zu können und als Vorgesetzte weiterhin unabhängig zu sein. Alles Quatsch. Die Zweierkiste im Büro ist ein Hochrisiko. Wer es eingeht, gefährdet seine Karriere. Mitleid mit Fast-Food-König Easterbrook ist also fehl am Platz.



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Erstellt: 09.11.2019, 23:57 Uhr

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