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Das Gegenteil von Komplementärmedizin

Die Schulmedizin hat bei den Antibiotika dazugelernt. Das ist das Verdienst wissenschaftlicher Studien.

Es müssen nicht immer Antibiotika sein. Das heisst aber längstens nicht, dass homöopathische Mittel etwas nützen. Foto: Urs Jaudas
Es müssen nicht immer Antibiotika sein. Das heisst aber längstens nicht, dass homöopathische Mittel etwas nützen. Foto: Urs Jaudas

Hatten Komplementärmediziner immer schon recht? Jahrelang behandelten sie ihre Patienten nur sparsam mit Antibiotika. Auch wenn diese an Infektionen litten, bei denen ihre schulmedizinischen Kolleginnen und Kollegen eine Therapie mit den potenten Medikamenten als unumgänglich ansahen. Nicht selten wurden sie deswegen kritisiert.

Nun hat sich das Blatt gewendet. Neue Leitlinien empfehlen, bei Erkrankungen wie Angina, Bronchitis, Blasen- und Mittelohrentzündung auf Antibiotika zu verzichten, solange der Verlauf unauffällig ist. Plötzlich erhalten Kinder- und Hausärzte mit Zusatzausbildung in Homöopathie oder chinesischer Medizin gute Noten für ihre zurückhaltende Verschreibungspraxis.

Das mag für viele Komplementär­mediziner eine Genugtuung sein. Doch eigentlich ist diese Entwicklung in erster Linie ein Erfolg der evidenzbasierten Medizin, die hochwertige Studien als Basis von Therapien fordert. Die neuen Empfehlungen basieren auf umfangreichen Daten, die früher gefehlt haben und die zeigen, dass der Nutzen der Antibiotika bei den betreffenden Krankheiten oft zu wenig gross ist, um mögliche Schäden und Risiken zu überwiegen. Studien helfen, die Behandlung der Patienten zu verbessern. Diese Art des Erkenntnisgewinns ist eigentlich das genaue Gegenteil vom Selbstverständnis der Komplementär­medizin. Sie stützt sich erklärter­massen auf Erfahrung und verschliesst sich dabei häufig wissenschaftlichen Argumenten.

Und so ist es eigentlich eine lustige Pointe, dass jetzt ausgerechnet Homöopathen und Anthroposophen die neuen Vorgaben besser erfüllen als viele Schulmediziner. Denn nach den gleichen wissenschaftlichen Mass­stäben, die sie im Fall der Antibiotika erfüllen, betreiben sie überwiegend Placebomedizin.

Nun bleibt zu hoffen, dass der Erfolg der Komplementärmediziner ein Ansporn ist für diejenigen Haus- und Kinderärzte, denen der Teilabschied von den Antibiotika derzeit noch schwerfällt.

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