Der grösste Star war die junge Chanel Marie Knie

Der Circus Knie hat in Rapperswil-Jona seine Tournee zum 100-Jahre-Jubiläum durch die Schweiz gestartet.

Zirkus Knie feiert 100-jähriges Bestehen: An der Premiere der Jubiläumstournee in Rapperswil unterhielten Viktor Giacobbo und Mike Müller das Publikum. Video: SDA

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Willkommen im Circus Knie, der liebsten Wohnstube der Schweizerinnen und Schweizer! An der gestrigen Premiere zur neuen Tournee in Rapperswil-Jona hat der Zirkus das Thema des Abends bereits mit dem ersten Szenebild gesetzt – die 100-jährige Geschichte des Schweizer National-Circus erinnern und hochleben lassen. In der Manege stand ein kleines Zelt, in dem Chanel Marie Knie ihren Grossvater fragte: «Wer hat den Zirkus gegründet? Und wie macht man Zirkus, Nonno?» Und Nonno Fredy Knie antwortete: «Es war dein Ururgrossvater. Man muss nur seinem Herzen folgen und die Augen öffnen.»

Und die Augen weit geöffnet haben sie, die Frauen und Männer im Publikum, die mit der Familie Knie und den Artistinnen und Artisten das Jubiläum begingen. Der Blick in die Manege war ja auch ungehindert: Gestern Abend wurde das neue mastenlose Chapiteau eingeweiht, das sich die Familie Knie via Crowd-funding zum Geburtstag schenken liess. Knapp 500 Zirkusfreunde haben die benötigte Viertelmillion Franken gespendet.

Bilder: Knie-Premiere in Rapperswil

Wer gedacht hatte, dass sich der Circus Knie anlässlich des Jubiläums etwas Besonderes einfallen liesse, wurde einerseits bestätigt: Viktor Giacobbo und Mike Müller traten nach langer Abstinenz endlich wieder als Comedyduo auf. Andererseits wurde enttäuscht, wer glaubte, dass sich damit auch Überraschendes in der Manege ereignen würde. Tat es nicht.

Die Auftritte der beiden in Gestalt ihrer bekanntesten Figuren Hanspeter Burri, Fredi Hinz, Mutter mit Sohn Armin Grütter und Roger Schawinski waren allzu bekannt und erwartbar. «Hält das Zelt überhaupt, wenn es keine Masten mehr tragen?», werweisste Hanspeter Burri. Fredi Hinz wollte sich am liebsten beim Zirkus anstellen lassen und sagte auf die Frage, was er denn gut könne, er sei einfach «extrem Burn-out-gefährdet». Witze machten sie gegen die Welschen, gegen Alte und gegen Frauen – wo ist der Mut? Gerne hätte man auch einen gegen sich selber, den Deutschschweizer gehört.

Viel Pathos und Siegesgestik

In diesem Sinn passten Giacobbo und Müller gut in die Manege. Ihr Programm beinhaltete die eigene Hitparade, und nach diesem Prinzip funktioniert auch der Circus Knie: verlässlich das bieten, was die Zuschauerinnen und Zuschauer kennen. Beeindruckende artistische Leistung etwa von Fratelli Errani, Viktor Klee und dem Duo Golden Dream – keine Frage! –, angereichert mit viel Pathos und Siegesgestik nach jedem gelungenen Trick, jeder gelungenen Nummer.

Die grösste Überraschung bot die achtjährige Chanel Marie Knie mit ihrer Nummer. Sechs Ponys folgten dem Knie-Sprössling in die Manege, und auf jedem sass eine Mädchenpuppe in ein Märchenkostüm gekleidet. Sechs Puppen, alle mit langem dunklem Haar, die es auf den Rücken der Ponys derart durchschüttelte, dass es bizarr und lustig zugleich anzuschauen war.

Versteht man die Manege als Ort, an dem Menschliches zur übernatürlichen Kraft heranwächst und die Tiere vermenschlicht werden, war Chanels Nummer eine ironische Brechung mit dieser Tradition: Da wurden reitende Prinzessinnen bloss dargestellt und das Leblose, Mechanische ästhetisiert.

Erstellt: 21.03.2019, 23:37 Uhr

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