Die Begegnung auf dem Perron

Mark Knopfler in der Turnhalle von Wettingen. Und Alain Sutter im Zug nach Zürich. Damals.

Alain Sutter, derzeit Sportchef beim FC St. Gallen.

Alain Sutter, derzeit Sportchef beim FC St. Gallen. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wir treffen jemanden, zufällig oder beruflich, und es geht nicht um Blicke, die vielleicht zur grossen Liebe führen. Und erst viel später bekommt diese Begegnung wieder eine Bedeutung, weil die Person inzwischen einen bemerkenswerten Weg machte.

So ging es mir kürzlich bei einem Konzert im Zürcher Hallenstadion. 10 000 genossen einen Abend mit wunderbarer Musik, Mark Knopfler spielte, einer der weltbesten Gitarristen, bald 70 inzwischen.

Mark Knopfler! Das war doch damals, fast genau 40 Jahre ist es her, an einem Sonntagnachmittag im Mai, in der Turnhalle von Wettingen. Ein Freund hatte gesagt, es spiele eine coole Gruppe, nur wenigen war der Name bekannt: Dire Straits. Mark Knopfler hatte die Band gegründet, und das Lied, das sie berühmt machte, spielten sie auch in Wettingen, die Geschichte einer Dixieband, die irgendwo im Süden Londons in einem gähnend leeren Pub auftritt, zuletzt sagt der Sänger: «Gute Nacht und vielen Dank, wir sind die Sultans of Swing.»

Knopfler sang mit seiner samtenen Stimme, ein Stirnband in seinem zerzausten Haar. Eine erste Begegnung, und ich erinnere mich an eine andere erste Begegnung. Damals im Bahnhof Bern, vor bald 40 Jahren, wir begleiteten den ersten Fussballlehrling der Schweiz auf seinem Weg nach Zürich ins Training von GC. Alain Sutter kam uns um sechs Uhr morgens auf dem Perron entgegen, die Sporttasche geschultert, eine goldene Halskette, scheu war er, sprach nur knappe Sätze. Er war erst 17.

Alain Sutter auf dem Perron.

«Eine ganze Weile war es wunderbar. Aber dann wurde dieser wahr gewordene Traum zu gross: Ich hatte das Gefühl, die Kontrolle über das Geschehen verloren zu haben. Also beendete ich ihn.» Das sagte nicht Alain Sutter, der später seinen eigenen Weg ging, der bei Bayern München war und feststellte, das sei nicht seine Welt, dem immer eines wichtig war: auf sich selber hören.

Mark Knopfler sagte es, zu seinem Ende mit den Dire Straits, sie wurden eine der erfolgreichsten Bands überhaupt mit 120 Millionen verkauften Platten. Er ging seinen Weg. Sutter war später Hotelier, TV-Experte, Coach für Stressmanagement, schrieb Bücher darüber, arbeitete mit Kindern und ist heute Sportchef in St. Gallen.

Alain Sutter sagte damals im Zug nach Zürich, wenn es halt mit dem Fussball nicht klappe, könne er immer noch eine Lehre im Coiffeurladen seiner Mutter machen. Mark Knopfler war unter anderem Lagerarbeiter in einer Textil­fabrik. Bis «Sultans of Swing» alles veränderte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.05.2019, 17:26 Uhr

Artikel zum Thema

Lieber Arjen Robben

Kolumne 9 Jahre bei Bayern, davon 3 Jahre verletzt. Und jetzt, bitte, noch einmal: diesen Robben-Moment. Mehr...

Oscarpreisträger im Hardturm

Kolumne Ein Blick zurück auf die einst gloriose Zeit des alten Stadions. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Fanliebe: Kurz vor dem sechsten Spiel des NBA Finals zwischen den Toronto Raptors und den Golden State Warriors herrscht im Fansektor grosse Anspannung. (Toronto, 13. Juni 2019)
(Bild: Chris Helgren ) Mehr...