Die Debütanten sind gut für eine Medaille

Das Team Bern Zähringer um Skip Yannick Schwaller vertritt die Schweiz erstmals an einem Grossanlass der Elite.

Skip Yannick Schwaller möchte mit seinem jungen Team an der EM mehr als nur Erfahrungen sammeln. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Skip Yannick Schwaller möchte mit seinem jungen Team an der EM mehr als nur Erfahrungen sammeln. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

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Vier Spiele – null Siege. Wer die Hauptprobe betrachtet, könnte auf den Gedanken kommen: Vier jungen Männern zittern vor ihrem ersten grossen Auftritt die Knie. Mitnichten! «Auch wenn es die Resultate nicht zeigen, wir sind gut drauf», hält Yannick Schwaller, Skip des Teams Bern Zähringer, fest. Um anzufügen, dass die Equipe am hochklassigen Grand Slam im kanadischen Pictou County zu viele Chancen ausgelassen und den einen oder anderen Fehler zu viel gemacht habe. «In solchen Turnieren genügt eine durchschnittliche Leistung nicht. Das Niveau ist hoch, höher als an einer EM.»

Und genau an diesen Titelkämpfen vertreten Schwaller, Marcel Käufeler, Romano Meier und Michael Brunner die Schweiz ab Samstag. Es ist ihre erste Teilnahme an einem Grossanlass auf Elite-Stufe. Wobei bereits die Qualifikation dafür als Überraschung bezeichnet werden kann. Bern Zähringer setzte sich gegen Genf durch, die mit Abstand erfolgreichste Schweizer Equipe der letzten Jahre. Die Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner von 2018 verpassten bei sieben Teilnahmen an Welt- und Europameisterschaften seit 2014 nur ein einziges Mal eine Medaille.

Neuer Qualifikationsmodus

In die Karten spielte dem jungen Berner Team – keiner der Athleten ist älter als 25 – der seit letztem Jahr gültige Qualifikationsmodus. Dabei zählen pro Team die besten drei Ergebnisse an den Turnieren der World Curling Tour – zuvor wurde das EM-Ticket in einem Ausscheidungsturnier vergeben. Dank des guten Saisonstarts und drei Turniersiegen auf der Tour setzte sich Bern gegenüber Genf mit dem minimalen Vorsprung von 133,2 zu 131,4 Punkten durch.

«Andere hat das vielleicht überrascht», sagt Schwaller, «mich nicht.» Wegen der starken Konkurrenz aus Genf seien sie sich bewusst gewesen, dass es einen guten Auftakt in die Saison brauche. Gesagt, getan. Am Masters in Baden etwa besiegte der Aussenseiter im Halbfinal Genf und im Final die Schweden um den dreifachen Weltmeister-Skip Niklas Edin. Und das Berner Team stiess in die Top 10 der Weltrangliste vor. Als «Meilenstein» bezeichnet Schwaller diesen Schritt. «Dafür haben wir viel investiert. Curling ist für uns zu 100 Prozent Spitzensport.» Der Hochbauzeichner beispielsweise arbeitet nur rund drei Monate im Jahr in seinem angestammten Beruf, ansonsten steht der Sport ganz oben auf seiner Prioritätenliste.

Schwaller und Meier gewannen 2014 bereits den Junioren-Weltmeistertitel. Seit drei Jahren spielen die beiden nun mit Käufeler und Brunner zusammen. Ein Solothurner, zwei Aargauer und ein Appenzeller bilden also das Team Bern Zähringer – aus praktischen Gründen. Schwaller wechselte im Juniorenalter bereits nach Bern, Meier und Brunner wohnen in der Hauptstadt.

Olympiagold als Fernziel

Und die vier Männer haben Grosses vor, ihr Fernziel lautet: Olympiagold 2022. Nicht nur die Olympia-Teilnahme – wie das die meisten Teams kommunizieren würden. «Sich für einen Grossanlass zu qualifizieren, mag an sich ein gutes Ziel sein. Aber können wir dann im Turnier noch über uns hinauswachsen? Vielleicht ist die Luft schon draussen», sagt Schwaller.

Vorerst will das Team im schwedischen Helsingborg wertvolle Erfahrungen sammeln. Was es – getreu der mutigen Kommunikation – gleichwohl nicht dazu veranlasst, tiefzustapeln.

Als Nummer 3 des Turniers wollen die Schweizer eine Medaille; ein Erfolg würde ihnen auch wichtige Punkte für die Olympiaqualifikation einbringen. Sollte Schwaller reüssieren, würde er eine Familientradition fortführen. Vater Christof und Onkel Andreas gehörten zu den erfolgreichsten Curlern des Landes; sie gewannen 2002 Olympia-Bronze und mehrmals EM- und WM-Edelmetall.

Und dann ist da noch seine Freundin Briar Hürlimann, deren Vater 1998 an den Olympischen Spielen triumphierte. «Die Vergleiche nerven mich manchmal», sagt Schwaller. «Lieber ist mir, wenn anstatt des Familienerbes die Teamleistung im Vordergrund steht.» Ab Samstag kann er dafür sorgen.

Erstellt: 13.11.2019, 11:10 Uhr

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