Die Juristin mit der Punkfrisur

Vom Bundestagsneuling zur Vizechefin der CDU: Ein fulminanter Aufstieg für Silvia Breher.

Das macht ihr so schnell keiner nach. Silvia Breher ist Vizechefin der CDU. Foto: Keystone

Das macht ihr so schnell keiner nach. Silvia Breher ist Vizechefin der CDU. Foto: Keystone

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«Hallo, hier bin ich – die Neue, die Unbekannte!» Strahlend, mit lauter Stimme und überhaupt ganz hopplahopp stellte sich Silvia Breher am Parteitag der CDU als stellvertretende Vorsitzende zur Wahl. Sie hätte auch sagen können: «Die mit den Haaren.»

Die 46-Jährige fällt auf unter den vielen älteren Herren. Ihre platin­blonden Haare trägt sie an der Seite kurz und nach oben toupiert. Auch modisch neigt sie zur Extravaganz: In Leipzig trug sie glänzende, hohe Stiefeletten, eine enge Hose mit roter Naht, weisses Hemd, schwarzen Blazer, dunkelroten Lippenstift.

Noch viel ungewöhnlicher als ihr Aufzug war freilich ihr Weg in die Politik. Breher sitzt erst seit zwei Jahren im Bundestag. Ihren Platz hat sie sich gegen drei Männer erkämpft, und zwar auf spektakuläre Weise, nämlich in einer Urwahl unter den 2000Christdemokraten ihres niedersächsischen Wahlkreises. Trotz starker Konkurrenz siegte sie mit 70 Prozent der Stimmen. «Das war megacool.» In den Bundestag wurde sie danach direkt gewählt, mit 58 Prozent – dem besten Ergebnis in ganz Deutschland.

Noch erstaunlicher ist, dass Silvia Breher davor nicht wirklich politisch aktiv war: Sie hatte kein Amt in der Partei, auch keines in der Gemeinde. Sie gehörte nie der Jungen Union an, unterzog sich nie der «Ochsentour», die für christdemokratische Politiker typisch ist.

Die mit den Haaren. 

Auch ihre Herkunft ist ungewöhnlich: Sie wuchs auf einem kleinen Bauernhof im tiefkatholischen Oldenburger Münsterland auf. Als junge Frau studierte sie, wurde Juristin, schliesslich Geschäftsführerin eines lokalen Bauernverbands. Dort stellte sie sich als so kompetent und zupackend heraus, dass ihre Förderer sie am Ende zur Politik quasi trugen.

Ein solcher Katapultstart ist in Deutschland paradoxerweise nur in einer Partei wie der CDU möglich, die trotz starker Frauen an der Spitze im Kern eine typische Herren- und Honoratiorenpartei geblieben ist. Als jetzt unter den fünf stellvertretenden Vorsitzenden ein Ersatz für Ursula von der Leyen gesucht wurde, die ab 1. Dezember die EU-Kommission in Brüssel leitet, waren der deutschlandweit nahezu unbekannten Breher die Umstände maximal günstig: Der Kandidat sollte wieder aus Niedersachsen stammen, zudem, darauf beharrte Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, unbedingt eine Frau sein. Am Schluss fiel die Vorauswahl der Parteispitze auf Breher. Sie profitierte damit nicht zuletzt von einer informellen Frauenquote, die sie als verpflichtende bisher stets abgelehnt hatte.

In Leipzig wurde Breher mit 82 Prozent der Stimmen glanzvoll gewählt. Das Ergebnis war offenkundig ein Vorschuss auf eine Leistung, die erst noch folgen muss. Kramp-Karrenbauer erwartet von ihr, dass sie der CDU ein Familienprogramm fürs 21. Jahrhundert schreibt.

Die Novizin im höchsten Parteizirkel weiss, worum es geht: Ihre drei Kinder sind alle noch im Primarschulalter, als Mutter hat sie stets durchgearbeitet. Das letzte Familienprogramm der CDU hat übrigens Angela Merkel geschrieben, damals als Generalsekretärin. Das war 1999.

Erstellt: 24.11.2019, 22:08 Uhr

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