Die Macht der Antifa

Angriffe von Linksextremisten auf Andersdenkende erzielen eine erstaunliche Wirkung.

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Es tönt wie eine Schilderung aus vergangenen Zeiten. Vermummte Politaktivisten stürmen einen Vortrag eines libertären Ökonomen aus Chile, bedrohen die Zuhörer, werfen Eier und übergiessen die Anwesenden mit Flüssigkeiten. Genau dies ereignete sich diese Woche, mitten in Zürich.

Dabei handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. An der letzten 1.-Mai-Feier attackierten Linksextreme den «Weltwoche»-Redaktor Alex Baur und seine Familie. An Schweizer Universitäten gab es in den letzten Jahren zum Teil heftige Störaktionen gegen Referenten, die linken Studenten nicht genehm waren. Demonstrationen von Abtreibungsgegnern mussten von der Polizei vor gewaltbereiten Autonomen geschützt werden.

Beängstigend an diesen Vorfällen ist nicht, dass es in einer funktionierenden Demokratie Leute gibt, die mit faschistoiden Methoden auf Andersdenkende losgehen – und sich ironischerweise auch noch «Antifa» nennen. Mit ein paar Wirrköpfen sollte man zurechtkommen. Besorgniserregend ist viel mehr, dass sie damit Erfolg haben.

«Das Theaterhaus Gessnerallee strich ein Streitgespräch zwischen einem AfD-Mann und einer Vertreterin der Operation Libero nach Drohungen aus dem Programm.»

Nach dem Vorfall mit dem chilenischen Ökonomen sagte die Verantwortliche des Austragungsortes, sie hätte die Veranstaltung nicht bewilligt, wäre ihr die Brisanz bewusst gewesen. Mit anderen Worten: Sie wäre der Forderung der Antifa nachgekommen.

Dies ist mittlerweile die übliche Haltung. An der Universität Zürich wurde nach Protesten ein Auftritt des früheren US-Generals David Petraeus abgesagt. Das Theaterhaus Gessnerallee strich ein Streitgespräch zwischen einem AfD-Mann und einer Vertreterin der Operation Libero nach Drohungen aus dem Programm.

Man will nicht wissen, wie viele angedachte Veranstaltungen schon in der Planungsphase verworfen werden, weil die Organisatoren keine Lust haben auf Proteste, aufwendige Sicherheitsmassnahmen und endlose Debatten um Meinungsfreiheit.

Die Antifa lacht sich ins Fäustchen. Inzwischen hat die demokratiefeindliche Gruppierung einen beträchtlichen Einfluss darauf, wer an gewissen öffentlichen Institutionen reden darf und wer nicht.



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Erstellt: 10.11.2019, 00:04 Uhr

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