Ein hochdekorierter Soldat belastet Donald Trump schwer

Alexander Vindman hat das Gespräch zwischen Trump und dem ukrainischen Präsidenten Selenski mitgehört. Heute wird er befragt.

«Ich bin ein Patriot»: Alexander Vindman auf dem Weg zu seiner ersten Befragung im Capitol vor drei Wochen. Foto: Bloomberg, Getty Images

«Ich bin ein Patriot»: Alexander Vindman auf dem Weg zu seiner ersten Befragung im Capitol vor drei Wochen. Foto: Bloomberg, Getty Images

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Nach allen gängigen Massstäben ist Alexander Semyon Vindman ein amerikanischer Held. Er wurde 1975 in der Ukraine geboren, die damals noch eine Sowjet­republik war. Als er vier Jahre alt war, wanderte seine Eltern mit ihm und seinen Geschwistern in die USA aus. Vindman trat in die Armee ein und war 2004 im Irak im Einsatz, wo er verwundet wurde. Er hat für Amerika sein Leben riskiert. Am Dienstag wird Alexander Vindman allerdings in einem Saal im Capitol sitzen und gegen seinen Präsidenten und Oberbefehlshaber aussagen, gegen Donald Trump.

Vindman ist einer der Zeugen, von denen sich die Demokraten bei ihrem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump besonders viel versprechen. Er gehört zum Mitarbeiterstab des Weissen Hauses, ist Osteuropa-Experte im Nationalen Sicherheitsrat und hat einige der Vorgänge, die im Kongress ausgebreitet werden, miterlebt. So war Vindman bei dem Telefonat am 25. Juli zugeschaltet, in dem Trump den ukrainische Präsidenten Wolodimir Selenski bat, seine Justiz gegen den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Joe Biden sowie dessen Sohn ermitteln zu lassen.

«Ich war nicht der Ansicht, dass es angemessen ist, eine ausländische Regierung aufzufordern, gegen einen US-Staatsbürger zu ermitteln.»Alexander Vindman, Oberleutnant

Allerdings weiss man inzwischen, dass das weniger eine Bitte des US-Präsidenten war als eine Forderung. Trump hatte die Auszahlung einer Tranche US-Militärhilfe von fast 400 Millionen Dollar an Kiew sowie einen Besuch Selenskis im Weissen Haus an die Bedingung geknüpft, dass dieser sich in einem CNN-Interview öffentlich zu den Ermittlungen gegen Biden verpflichtet.

Vindman, so stellte er es bei einer ersten Befragung dar, war deshalb sehr alarmiert. «Ich war nicht der Ansicht, dass es angemessen ist, eine ausländische Regierung aufzufordern, gegen einen US-Staatsbürger zu ermitteln», sagte er. «Ich machte mir Sorgen, was das für die Unterstützung der Ukraine durch die US-Regierung bedeutet.» Vindman befürchtete, die Demokraten im Kongress könnten sich gegen Kiew wenden, wenn die Justiz dort ein Jahr vor der Wahl auf Biden losgeht. Das wiederum wäre ein Problem für die künftige Bewilligung von Hilfsgeldern gewesen. «Das alles würde die nationale Sicherheit der USA untergraben», sagte Vindman.

Auch die Diplomaten zogen das Fazit, dass Trump Kiew nicht nur ein politisch ungehöriges, vielleicht gar illegales Gegengeschäft vorgeschlagen hatte; sondern dass der Präsident der USA die Sicherheitsinteressen seines Landes verraten habe, um sich einen Wahlvorteil zu verschaffen. Wie Trump zu glauben, die Ukraine schulde den USA etwas, sei eine verquere Sichtweise, sagte der Diplomat Bill Taylor vorige Woche. Seiner Meinung nach ist es eher andersherum: Washington braucht die Ukraine als Bollwerk gegen Russland.

«Es ist meine heilige Pflicht, unser Land voranzubringen und zu verteidigen, ohne Rücksicht auf Parteien und Parteipolitik.»Alexander Vindman, Oberstleutnant

Die Frage, wer in den USA mit welchem Blick und mit welchem Ergebnis auf die Ukraine schaut, ist allerdings wohl genau der Grundkonflikt, um den sich das Impeachment dreht.

Menschen wie Taylor und Vindman sind auf ihre politische Neutralität stolz. Sie sehen sich als Diener der Vereinigten Staaten, deren Ideale und Interessen, nicht als Diener dieses oder jenes Präsidenten. «Ich bin ein Patriot, und es ist meine heilige Pflicht und Ehre, unser Land voranzubringen und zu verteidigen, ohne Rücksicht auf Parteien und Parteipolitik», sagte Vindman bei der ersten Befragung.

Das hat praktische Folgen: Dass Amerika Kiew gegenüber Moskau unterstützt und diese Unterstützung nicht in die Mühlen der US-Innenpolitik geraten darf, ist für jemanden wie Vindman selbstverständlich.

Für Trump gilt das nicht. Aussenpolitik ist für ihn eine Geschäftstransaktion. Leute wie Vindman gehören in Trumps Augen zum «tiefen Staat» – jener angeblichen Clique renitenter, linker Bürokraten, die sich dem gewählten Präsidenten widersetzen und seine Politik sabotieren.

Dass der frühere Immobilienhändler Donald Trump auch als Präsident Politik in erster Linie zum eigenen Vorteil macht – und im Zweifelsfall gegen die Interessen seines Landes, wundert eigentlich keinen, der ihn etwas kennt. Amerikas Aussenpolitik sei wie der Porzellanladen, in dem leider momentan der Elefant Trump herumtrampele, sagte kürzlich ein Kommentator. Für Menschen wie Oberstleutnant Vindman, die es als «heilige Pflicht und Ehre» ansehen, den Porzellanladen zu beschützen, ist das kein schöner Zustand.

Wann geht es weiter mit den Anhörungen? Wer hat bereits ausgesagt? Die Übersicht zum Impeachment.

Erstellt: 19.11.2019, 06:21 Uhr

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