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Endstation Sehnsucht

Die Grünliberalen werden zum Zufluchtsort der Hoffnung. Das Gefühl zählt mehr als das Parteiprogramm. Das ist nicht nachhaltig.

Folgt Chantal Galladé zu den Grünliberalen: Daniel Frei. (Foto: Keystone)
Folgt Chantal Galladé zu den Grünliberalen: Daniel Frei. (Foto: Keystone)

Erneut endet ein Richtungsstreit innerhalb der SP mit einem Parteiwechsel: Daniel Frei folgt Chantal Galladé zu den Grünliberalen. Der langjährige Zürcher SP-Präsident hat genug von den Attacken des linken Parteiflügels. Bei der GLP fühlt sich der Nationalrat besser aufgehoben.

Den Grünliberalen gelingt damit ein weiterer Coup. Ein Erfolg, der sich nicht einfach mit der Trendfarbe Grün erklären lässt. Mehr als mit einem stringenten Programm punktet die Partei momentan nämlich mit dem simplen Versprechen nach mehr:mehr Klimaschutz, mehr Europa.

Was das im Detail bedeutet, lässt die GLP im Ungefähren. Über Wider­sprüche politisiert die Partei gekonnt hinweg. Oder wie geht Nachhaltigkeit mit unbegrenztem Wachstum? Wie passt die Staatsverantwortung in ökologischen Fragen zum Anti-­Etatismus in der Finanzpolitik?

Über Widersprüche politisiert die GLP gekonnt hinweg. Oder wie geht Nachhaltigkeit mit unbegrenztem Wachstum?

Je höher die Komplexität, desto wichtiger wird ein eingängiges Narrativ. Die GLP versteht es derzeit wie keine zweite Partei, ihre Politik wie eineMarketingdisziplin zu betreiben. Was zählt, ist der Aufbruch, dieses hoffnungsvolle Gefühl einer aufgeschlossenen Progressivität. Davon liessen sich auch die Sozial­liberalen Frei und Galladé mitreissen.

Natürlich profitiert die GLP auch von der Glaubwürdigkeitskrise der traditionellen Parteien. Die Klimaoffensive der FDP kommt zu spät. Die Sozial­demokraten sind in der Europapolitik kein verlässlicher Partner mehr.

Um nachhaltig erfolgreich zu sein, braucht es aber mehr als das Prinzip Hoffnung.

Die Grünliberalen bieten sich da einer gut ausgebildeten, umweltbewussten und urbanen Wählerschicht als hippe Alternative an. Mit ihren vielen ­frischen Gesichtern und ihrer hohen Social-Media-Kompetenz kommen sie auch bei Jüngeren gut an.

Um nachhaltig erfolgreich zu sein, braucht es aber mehr als das Prinzip Hoffnung. Die Grünliberalen müssen für sich klären, wie (sozial-)liberal sie sich wirklich positionieren wollen. Sonst bleiben sie die Partei des ­aktuellen Zeitgeists. Und morgen fühlt sich die GLP wie ein Versprechen von gestern an.

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