Er schleuderte Äste – dann brannten die Pferde durch

Ein Mann sieht sich als Opfer von zwei Zürcher Reiterinnen. Doch es war genau umgekehrt.

Versuchte Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz: Ein 45-jähriger Mann wurde vom Bezirksgericht Zürich verurteilt.

Versuchte Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz: Ein 45-jähriger Mann wurde vom Bezirksgericht Zürich verurteilt. Bild: Urs Jaudas

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es begann ganz harmlos. Eine 30-jährige Reitlehrerin und ihre 45-jährige Reitschülerin waren mit ihren Pferden auf der Rebegg­stras­se in Zürich waldwärts unterwegs, als sie den dort spazierenden 45-jährigen Mann und dessen achtjährigen Sohn hintereinander reitend im Schritttempo überholten.

Damit ist der harmlose Teil der Geschichte bereits beendet. Denn der Sohn näherte sich unerwartet von hinten den Pferden. Die Reitschülerin wies ihn laut Anklageschrift «freundlich, aber bestimmt» darauf hin, den Pferden nicht zu nahe zu kommen.

Pferde brannten durch

Offensichtlich empfand dies der Vater, ein Sozialarbeiter, als Zurechtweisung. Was dann folgte, bezeichnete der Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich als «absolut nicht mehr nachvollziehbar»: Der Mann verfolgte mit seinem Sohn die beiden Reiterinnen während etwa zehn Minuten über eine Distanz von ungefähr 650 Metern.

Wiederholt schleuderte er Äste in Richtung der Reiterinnen und Pferde – ohne zunächst zu treffen. Auch als die Reitlehrerin zweimal den Notruf der Polizei avisierte und mit dem Handy Fotos des Mannes machte, liess er von seinem Tun nicht ab.

Nach einem letzten Astwurf brannten die Pferde durch, galoppierten unkontrolliert auf der Kolbenhofereggstrasse den dortigen Hügel hinunter und konnten erst bei der Feuerstelle bei der Verzweigung mit dem Reb­egg­weg abgebremst werden.

Vor Gericht kehrte der arbeitslose Akademiker den Spiess um. Die beiden Frauen seien an allem schuld. Er habe mit seinem Sohn an den Pferden vorbeigehen wollen, doch die Frauen hätten ihnen mit ihren Pferden den Weg versperrt. «Sie haben so getan, als hörten und sähen sie uns nicht.» Da habe er zu Zweigen gegriffen, die dünner als sein kleiner Finger waren, und habe diese in Richtung der Pferde geworfen, damit diese reagierten und den Weg freimachten.

Die #MeToo-Bewegung

Immerhin räumte er noch ein, dass er schon «herumgefuchtelt und blöde getan» habe. Aber das hätten vor allem auch die Frauen getan. Und er kannte offenbar auch den Grund dafür: «Es war die Zeit der #MeToo-Bewegung. Sie hatten wohl den Eindruck, ich sei eine Art Harvey Weinstein, dem zeigen wirs.» Sie hätten ihm den Stinkefinger gezeigt und über ihn gelacht.

Mit der Geschichte vom Racheakt der Frauen, die sich einen Spass daraus machten, ihn vorzuführen und herablassend zu behandeln, drang der Mann beim Einzelrichter aber nicht durch. Der Richter verurteilte den Mann wegen Störung des öffentlichen Verkehrs, versuchter Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 90 Franken und einer unbedingten Busse von 1000 Franken. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Erstellt: 26.04.2019, 09:14 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...