Er soll im Kampf gegen Doping ernst machen

Der Pole Witold Banka wird neuer Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur. Als Erstes muss er sich um Russland kümmern.

War die letzten vier Jahre Sportminister in Polen: Witold Banka. Foto: NurPhoto via Getty Images

War die letzten vier Jahre Sportminister in Polen: Witold Banka. Foto: NurPhoto via Getty Images

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Als Aktiver dauerte Witold Bankas Auftritt auf der grossen internationalen Bühne des Sports nur kurz. Bei der Leichtathletik-WM 2007 in Osaka war das, als der Pole am Vorlauf der 4-mal-400-Meter-Staffel teilnahm. Als das polnische Quartett im Finale überraschend Bronze gewann, durfte er schon nicht mehr mitmachen. Doch nun betritt Banka die grosse Bühne des skandalgeprägten Weltsports von einer anderen Seite. Der 35-Jährige ist gerade zum neuen Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) gewählt worden.

Die Wada ist formal betrachtet die oberste Kontrollbehörde im Kampf gegen Doping, diesen treuen Begleiter des Spitzensports. Aber sie tat sich dabei in den vergangenen Jahren nicht wirklich als überzeugende Institution hervor. Stattdessen befindet sie sich, wie der gesamte Weltsport, in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Das hat insbesondere mit ihrem Verhalten im russischen Staatsdopingskandal zu tun. Erst ignorierte die Wada ­jahrelang Hinweise auf die Betrügereien. Als sich das System dank Medienenthüllungen in den Jahren 2015 und 2016 entblätterte, gab sie sich nur kurz scharf – und schwenkte dann auf die mildere Linie des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ein.

Aber der schlechte Ruf der Wada ist nicht nur auf die Russland-Causa zurückzuführen. Seitdem die Agentur 1999 angesichts diverser Dopingskandale gegründet wurde, diente sie dem organisierten Sport als ein Feigenblatt. Aber tatsächlich hat der oft gar kein rechtes Interesse daran, den schönen Schein zu stören, mit dem er das Publikum verzücken und seine Milliarden verdienen will. Die Wada ist keine unabhängige Institution. Bis heute ist der Einfluss der Verbände immens und sind die zur Verfügung gestellten Gelder gering.

Als es darum ging, sich für die Wada-Präsidentschaft zu positionieren, fiel er nicht gerade als Lautsprecher in Dopingfragen auf.

Und tatsächliche Doping-Bekämpfer stellen eine beklemmende Differenz fest: Von den vielen Kontrollen des Sports sind nur circa 1,5 Prozent positiv, wobei diese Fälle oft unbekannte Sportler betreffen. Aber aus anonymen Umfragen unter Athleten ergeben sich Doperquoten von bis zu 40 Prozent.

Jetzt ist die Frage, wie sich der designierte Frontmann Banka in dieser Gemengelage gibt. In den letzten vier Jahren war er Sportminister in Polen. Er gehört zur nationalpopulistischen PiS-Partei; insgesamt wirkte er eher unauffällig in der von Affären durchsetzten Regierung.

Als es darum ging, sich für die Wada-Präsidentschaft zu positionieren, fiel er nicht gerade als Lautsprecher in Dopingfragen auf. Doch rund um seine Wahl liess Banka durchaus aufhorchen: mit der Ankündigung strenger Sanktionen, Forderungen nach einer Aufstockung des 40-Millionen-Dollar-Etats oder dem Plan, mit Geheimdiensten zusammenzuarbeiten.

Die erste bedeutsame Entscheidung steht schon bald an: Denn jüngst zeigte sich, dass in Russland nicht nur früher ein staatlich orchestriertes Dopingsystem lief. Sondern auch, dass es in diesem Kontext bis zuletzt zu Täuschungen kam. Anfang des Jahres übergab Russland der Wada Daten des Moskauer Kontrolllabors, das einst zum Betrugssystem gehörte. Doch diese waren manipuliert, wie selbst russische Vertreter einräumten. Nun fordern Kritiker eine harte Strafe.

Erstellt: 08.11.2019, 22:48 Uhr

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