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Es geht gar nicht um Parkplätze

Im Streit um Parkplätze geht es dem Gewerbe um Kunden. Die kommen, wenn das Umfeld stimmt.

Heute sind die Parkplätze zwar verschwunden, der Münsterplatz lädt aber trotzdem nicht zum Verweilen ein. Das will die Stadt nun ändern. Foto: Keystone
Heute sind die Parkplätze zwar verschwunden, der Münsterplatz lädt aber trotzdem nicht zum Verweilen ein. Das will die Stadt nun ändern. Foto: Keystone

Wenn es um Parkplätze geht, brennen in der Stadt Zürich zuverlässig allen die Sicherungen durch. Auch der Stadtregierung. Sie hat es letzte Woche fertiggebracht, an einer Medienkonferenz beiläufig den sogenannten historischen Parkplatzkompromiss aufzukündigen (lesen Sie hier mehr darüber). Im Stil von: «Ach ja, fast hätten wirs vergessen ...» Deutlicher kann man der Autolobby kaum an ans Bein – Pardon: ans Rad – pinkeln.

Die Stadtregierung wusste genau, dass ihre politischen Gegner, darunter viele Gewerbler, einen Parkplatzabbau als existenzielle Bedrohung betrachten. Auch wenn man dies für überzogen hält, hätte man es zumindest so weit ernst nehmen können, dass man dem Thema eine eigene Medienkonferenz widmet, unter Einbezug der Gegen­seite. Stattdessen hat man dieser mit einer nonchalanten Ansage ihre politische Bedeutungslosigkeit vorgeführt. Das ist schade.

Wo ein Platz, der nicht mehr Parkplatz sein darf, für Flaneure aufgewertet wird, profitieren alle.

Dadurch ist von Anfang an unnötig Gift in der Debatte, was den nüchternen Blick auf eine einfache Tatsache erschwert: Ladenbesitzer sind nicht an Parkplätzen per se interessiert, diese sind für sie Mittel zum Zweck – und der Zweck heisst Umsatz. Wenn man sie überzeugen kann, dass dieser auch mit anderen Mitteln generiert werden kann, verringert sich ihr Widerstand. Die entscheidende Frage ist also: Wie nutzt man den Platz, der nicht mehr Parkplatz sein darf?

Wo er dem Bau schneller Velowege dient, ist fraglich, ob Läden an der Strecke profitieren. Wo er aber für Flaneure aufgewertet wird, profitieren alle. Das Beispiel Münsterhof ist lehrreich: Dort setzte die Stadt auf einen ästhetischen Purismus, der zwar gute Fotosujets abgibt, aber an heissen Tagen nicht zum Verweilen anregt. Das kritisieren selbst Ladenbesitzer, die nichts gegen Parkplatzabbau haben (lesen Sie hier, wie es den Münsterhof-Läden ohne Parkplätze geht). Immerhin reagiert die Stadt­regierung in diesem Fall – sie liess sich zwar Zeit, will jetzt aber Schatten spendende Bäume pflanzen.

Es könnte ein Signal sein, dass sich die Diskussion um Parkplätze entkrampfen lässt. Wenn man einander ernst nimmt und Kompromisse sucht.

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