Kloten-Legende: «Mit der roten Linie hat es mehr Spass gemacht»

Hoher Besuch aus Schweden in Kloten: Conny Evensson und Anders Eldebrink wecken Erinnerungen an meisterliche Zeiten.

Gesichter eines erfolgreichen Kloten: Anders Eldebrink (links) und Conny Evensson.

Gesichter eines erfolgreichen Kloten: Anders Eldebrink (links) und Conny Evensson. Bild: C. Thoma / Freshfocus

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Der Flug LX 1251 von Stockholm nach Zürich-Kloten hatte prominente Passagiere. Conny Evensson, der Schweden zu zwei WM-Titeln führte, sass neben Anders Eldebrink, der als Spieler einmal Weltmeister wurde und als Assistenztrainer Olympiagold gewann. Diese Erfolge, gekoppelt mit den nationalen Meriten, waren Grund genug, dass beide in die schwedische Hockey Hall of Fame aufgenommen wurden. Evensson und Eldebrink aber haben auch im Schweizer Eishockey und speziell in Kloten bleibende Eindrücke hinterlassen.

Das sehen und hören die zwei auch, als sie am Samstag als Spezialgäste vor dem Match Klotens gegen Olten aufs Eis kommen. Eldebrink lässt Evensson den Vortritt. Und der freut sich: «Offenbar haben mich doch einige Leute hier noch nicht vergessen.» Es ist die Untertreibung des Abends. Über 5200 Zuschauer erheben sich zu einer Standing Ovation, als sich Evensson zum Anspielkreis begibt, um symbolisch den Puck einzuwerfen. Der Mann, der 1992 nach Kloten kam, zwei Titel holte und die Basis für vier Meisterfeiern in Folge legte, wird immer noch enorm geschätzt. Denn Erfolge waren nur der eine Teil. Seine offene Art, mit der er auch die Leute neben dem Eis begeistern konnte, hat unauslöschliche Spuren hinterlassen.

Ein Bild aus früheren Zeiten: Evensson als Kloten-Trainer. Quelle: Keystone

Evensson ist inzwischen 74 Jahre alt, er hat im Winter 2004/05 zum letzten Mal ein Team gecoacht, nachher war er als Berater in Göteborg tätig, später übernahm er bei seinem Stammverein Färjestads BK in Karlstad einen Platz im Vorstand. Heute arbeitet er nur noch im Hintergrund. In Sunne, nördlich von Karlstad, besass er jahrelang ein Haus, «das zu gross für mich war». Über den Fluss Fryken hatte er Blick auf das Anwesen eines Fussballtrainers mit ähnlichen Meriten: Sven-Göran Eriksson. «Svennis» war auf seiner Tournee durch verschiedene Länder und Ligen von 2001 bis 2006 Nationalcoach Englands.

Es sei ein anderes Spiel geworden

Evensson wohnt nun wieder in Karlstad. Im Mittelpunkt stehen die Kinder und Enkelkinder. Die Löfbergs-Lila-Arena von Färjestad liegt nicht allzu weit entfernt, aber zu Live-Eishockey geht er nur noch selten. Ein bisschen verschämt gibt er zu: «Mit der Abschaffung des Offsides an der roten Linie ist das Spiel ein anderes geworden. Es geht nur noch darum, die Scheibe ins gegnerische Drittel hineinzuschiessen. Mit der roten Linie hat es mehr Spass gemacht.» Die taktischen Herausforderungen waren um einiges grösser.

Im Flugzeug nach Zürich fachsimpeln und lachen Evensson und Eldebrink nicht nur über vergangene Zeiten, sondern sie regeln auch das Alltägliche: «Anders, du musst für mich am Sonntag beim Klotener Skate­athon laufen. Ein Knie bereitet mir Probleme, ich habe zwei Jahre nicht mehr Golf gespielt.»

Eldebrink in Topform

Eldebrink, der als Spieler in Kloten bei drei Titeln verteidigte und von 2005 bis 2012 das Team coachte, übernimmt. Er ist in bester Form. Seit der Trennung im gegenseitigen Einvernehmen von Rögle im Herbst 2017 arbeitet der 58-Jährige nicht mehr im Eishockey. Dass ihn im Sommer mehrere Schweizer Medien als Coach von La Chaux-de-Fonds handelten, erstaunt ihn: «Ich habe nie mit jemandem gesprochen.»

Coachte neben Kloten unter anderem auch Rapperswil-Jona: Anders Eldebrink. Bild: Keystone

«Elda» hat sich auf dem Gebiet der Gemeinde Flen, rund 120 km südwestlich von Stockholm, ein Grundstück mit 100 Hektaren Wald zugelegt. Dort fühlt er sich in seinem Element. Das Handy zeigt am späten Abend in einer Stadionloge in Kloten an, was die Wildtierkamera in seinem Wald aufnimmt: Ein Wildschwein ist unterwegs. Der frühere «Marathon-Man» auf dem Eis ist aber nicht nur Jäger, sondern auch kräftig zupackender Handwerker: Sehr viel an seinem Haus hat er selber gebaut, bei einem Freund hilft er als Zimmermann aus.

Auf Anfragen seines Stammvereins Södertälje reagiert er mit Zurückhaltung. Der Traditionsclub spielt wie Kloten nur noch in der zweithöchsten Liga. Bruder Kenth Eldebrink, ehemaliger Speerwerfer und Olympia-Bronzemedaillengewinner von 1984, ist im Vorstand. Der ehemalige Eishockeyaner Eldebrink kann sich vorstellen, dort ein bisschen zu helfen. Mehr aber nicht.

Erstellt: 05.11.2019, 15:33 Uhr

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