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«Flotter Dreier» ist für das Gericht keine Vergewaltigung

Zwei Lehrlinge, die eine 17-Jährige vergewaltigt haben sollen, werden nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» freigesprochen.

Für das Gericht waren die in der Anklage beschriebenen Vor­würfe plausibel, es könnte so gewesen sein, wie der Vorsitzende sagte: Bezirksgericht Dietikon. Foto: Walter Bieri (Keystone)
Für das Gericht waren die in der Anklage beschriebenen Vor­würfe plausibel, es könnte so gewesen sein, wie der Vorsitzende sagte: Bezirksgericht Dietikon. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Nicht die Gesinnung sei zur ­Diskussion gestanden, sondern nur die Frage, ob der Sachverhalt zweifelsfrei erstellt werden konn­te, sagte der Richter nach dem Freispruch vor dem Bezirksgericht Dietikon. Der Prozess war am 12.November unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt worden, gestern wurde das Urteil verkündet.

Das Verhalten der damals 18 und 19 Jahre alten Schweizer sei kein Ruhmesblatt gewesen, sagte der Richter. Er hoffe, dass das Verfahren den beiden eine Lehre gewesen sei. Und sie sollten sich nicht zu früh freuen, denn ob der Staatsanwalt das Verfahren ans Obergericht weiterziehe, sei noch offen.

Die jungen Männer waren ­angeklagt, im Oktober 2016 in einem Partyraum im Keller eines Mehrfamilienhauses im Limmattal ein 17-jähriges Mädchen sexuell genötigt und vergewaltigt zu haben. Die beiden Lehrlinge, einer war der damalige Freund des Mädchens, sollen den Geschlechtsverkehr zu dritt gegen den Willen der jungen Frau vollzogen haben. Von einem «flotten Dreier» war am Prozess die Rede.

Keine erzwungene Situation

Für das Gericht waren die in der Anklage beschriebenen Vor­würfe plausibel, es könnte so gewesen sein, wie der Vorsitzende sagte. Bei der Visionierung des Handyfilms, welchen einer der beiden Beschuldigten beim Sex gemacht hatte, sei deutlich geworden, dass die junge Frau die Situation nicht gut fand, aber es sei keine erzwungene Situation ersichtlich gewesen.

Deshalb erfolgte ein Freispruch nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» (Lateinisch für: im Zweifel für den Angeklagten). Die Frau habe auf dem Film zwar einen frustrierten, aber ­keinen verängstigten Eindruck hinterlassen. «Es muss im Raum etwas geschehen sein, das der Frau massiv zugesetzt hat.» Für das Gericht sei die junge Frau keine Lügnerin, betonte der Richter.

Sie habe den Sex nicht genossen und fühlte sich danach schlecht, «aber sie hat halt mitgemacht».

Der Vorsitzende skizzierte einen möglichen Hergang in ­jener Nacht vor drei Jahren. So habe die 17-Jährige anfänglich Nein zum Dreier gesagt – nicht zuletzt, weil sie Angst gehabt habe, dass etwas an die Öffentlichkeit gelangen und ihr Ruf darunter leiden könnte. Auf die Zusicherung ihres damaligen Freundes hin, sie könne auf Diskretion zählen, habe sie sich umstimmen lassen. Sie habe den Sex nicht genossen und sich danach schlecht gefühlt, «aber sie hat halt mitgemacht».

Dass dann die Zusicherung der Diskretion nicht eingehalten wurde und einer der beiden Beschuldigten kurz darauf einem Kollegen vom «Dreier» per SMS erzählte, sei einfach nur «unterirdisch» gewesen, sagte der Richter.

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