Geld verdienen auf Kosten der Kleinsten

Spitäler nutzen die private Versicherung von Kindern, um ihre Rechnung aufzubessern. Das muss aufhören.

Jedes dritte Kind in Spitalbehandlung leidet an einer seltenen Krankheit. Foto: Colourbox

Jedes dritte Kind in Spitalbehandlung leidet an einer seltenen Krankheit. Foto: Colourbox

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kinderspitäler sind derzeit ein Verlustgeschäft. Das Universitäts-Kinderspital Zürich bestätigt, dass es stationär nur mit privat und halbprivat versicherten kleinen Patientinnen und Patienten kostendeckend arbeiten könne. Auf privat versicherte Mädchen und Knaben waren die Kinderspitäler lange gar nicht vorbereitet.

Der finanzielle Druck macht die Spitäler nun aber erfinderisch. Sie wandeln Mehrbettzimmer in Einzelzimmerum, obwohl der Heilungsprozess laut Fachleuten grundsätzlich besser verläuft, wenn Kinder sich untereinander austauschen können.

Auch liegen einzelne Fälle vor, in denen Spitäler und Ärzte private Leistungen nicht korrekt verrechnet haben. Einen Missbrauch nachzuweisen, ist schwierig, da Ärzte Ermessensspielraum haben und den Krankenversicherern bei der Prüfung der Rechnungen nur begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Fallpauschalen bilden die realen Kosten nicht ab

Solche Fehler sind allerdings nicht tolerierbar. Um dem einen Riegel zu schieben, braucht es auch aufmerk­same Eltern, welche die Krankenversicherer und die Spitäler auf Unstimmigkeiten oder Missverständnisse in der Abrechnung hinweisen.

Ein weiterer Fehlanreiz ist die Beteiligung von Ärzten an den privaten Behandlungskosten. Jede zusätzliche Nacht, die ein Patient im Spital ist, bringt mehr Geld. Dieses Modell ist heute an vielen Krankenhäusern üblich. Das Universitäts-Kinderspital Zürich zeigt aber, dass es auch anders geht: Dort hat die Privatbehandlung von kleinen Patientinnen und Patienten keinen Einfluss auf das Gehalt.

Die Kinderspitäler haben tatsächlich ein finanzielles Problem, das sie nicht alleine beheben können. Es braucht bessere Tarife, da jedes dritte Kind in Spitalbehandlung an einer seltenen Krankheit leidet. Die Behandlung ist oft aufwendiger als bei Erwachsenen, was sich in den Fallpauschalen nicht widerspiegelt. Dieses Problem muss mit Augenmass korrigiert werden. Zudem sollten die Versicherer genauer hinschauen, damit die Behandlung privat versicherter Kinder nicht dazu missbraucht wird, um die Rechnung zu optimieren.

Erstellt: 15.09.2019, 22:48 Uhr

Artikel zum Thema

Das Geschäft mit den kleinen Patienten

Recht & Konsum Viele Eltern schliessen für ihre Kinder private Krankenversicherungen ab. Laut Experten ist der Nutzen einer solchen Versicherung gering. Mehr...

Kranke Kinder werden immer teurer

Kinderspitäler klagen über Defizite und pochen auf eine bessere Vergütung ihrer Leistungen. Die Krankenkassen wehren sich vehement. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Bergungsarbeiten nach Taifun-Katastrophe: Der heftige Wirbelsturm «Hagibis» hinterliess über weite Teile Japans eine Spur der Verwüstung. Die Zahl der Todesopfer ist gemäss eines japanischen Fernsehsenders auf 66 gestiegen. (15. Oktober 2019)
(Bild: Jae C. Hong/AP) Mehr...