Giusep Fry prüft Verkauf des Uetliberg-Hotels

Der Uetliberg-Hotelier verhandelt hinter den Kulissen über einen Deal. Die Stadt Zürich wäre interessiert. Gleichzeitig tritt Frys Sohn in seine Fussstapfen.

Das Hotel Uto Kulm ist zu einem Event-Lokal mit über 100 Angestellten geworden. Foto: Raisa Durandi

Das Hotel Uto Kulm ist zu einem Event-Lokal mit über 100 Angestellten geworden. Foto: Raisa Durandi

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Im Saal des Restaurants Uto Kulm empfängt an einem Freitagmorgen im Oktober ein neuer Gastgeber die Ausflügler. Der Mann ist noch keine 25 Jahre alt, aber ein Profi: hier einen Tisch zuweisen, dort ein Lächeln, aufmunternde Worte an einen Kellner, dann weiter. Zack, zack, zack!

Der junge Gastronom in Veston, Rollkragenpullover und Skinny Jeans nennt sich auf Linked­in «Vizedirektor» des Uto Kulm. Auf Instagram heisst er «Fryjunior». Sein voller Name: Fabian Fry, Sohn des langjährigen Uto-Kulm-Patrons Giusep Fry. Er hat das Metier im Park Hyatt Zürich gelernt und arbeitete bis vor kurzem in einem Dubai­-Ableger derselben Kette.

Fry Senior feierte diesen Frühling seinen 60. Geburtstag. Der Eintritt des Sohnes ins Geschäft zeigt: Auf dem Uetliberg sind Veränderungen im Gange, die weit über die Präsenz im Restaurant herausgehen. Giusep Fry prüft aktuell einen Verkauf seiner Hotel Uto Kulm AG, der die Gaststätte, das Grundstück und der Aussichtsturm auf der Spitze des Zürcher Hausbergs gehören. Das sagen drei voneinander unabhängige Quellen.

Uto-Kulm-Hotelier Giusep Fry. Foto: Urs Jaudas

Demnach begannen erste Sondierungen bereits vor Jahren. Im Sommer 2018 unterhielt sich Fry mit Immo-Spezialisten über Szenarien zum Verkauf. Und nun, ab Sommer 2019, intensivierten sich die Verhandlungen.

Auf Anfrage gibt sich Fry, der gerne vor die Medien tritt, wenn er etwas verkünden will, ausweichend. Sein Sprecher richtet aus: «Wie jeder Patron, der sich dem Pensionsalter nähert, macht sich auch Giusep Fry Gedanken über die Zukunft seines Unternehmens. Dass er dabei verschiedene Angebote prüft, liegt in der Natur der Sache.» Mit seinem Sohn liege eine Nachfolgelösung auf der Hand, und irgendwann werde Fry den Stab übergeben, sagt der Sprecher: «Das kann aber auch erst in 25 Jahren sein.»

Mögliche Käufer sind nicht bekannt. Es sind verschiedene Szenarien denkbar. Erstens: Fry stösst das Uto Kulm ganz ab. Zweitens: Fry verkauft, führt aber das operative Geschäft weiter. Drittens: Fry behält das Eigentum, übergibt aber das operative Geschäft einer externen Firma. Zusätzlich stellt sich die Frage, welche Rolle sein Sohn übernehmen wird.

Stadt zeigt sich interessiert

Die Verhandlungen haben in informierten Kreisen die Runde gemacht. Auch in der Zürcher Stadtverwaltung hat man nach TA-Informationen von den Absichten erfahren. Ein Verkauf hätte eine starke politische Dimension: Der Uetliberg gehört mit jährlich Zehntausenden Besuchern zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Schweiz. Eine direkte Kontrolle hat die Stadt über das 25 000 Quadratmeter grosse Grundstück nicht. Es gehört zur Gemeinde Stallikon. Raumplanerisch ist ein Grossteil davon in eine Landwirtschaftszone eingeteilt, darum redet bei Bewilligungen der Kanton mit.

Allerdings gehört ein kleines Stück Land – etwas mehr als 300 Quadratmeter – der Stadt Zürich. Sie hatte den Fleck 2002 Fry im Baurecht überlassen, damit dieser einen Glaspavillon errichten konnte. Bis 2069 hätte die Stadt dafür Vorkaufsrecht, wenn Fry sein Land verkaufen würde. Damals baute Fry die Anlage laut NZZ für 11 Millionen Franken aus und machte sie dazu, was sie heute ist: eine Eventlocation mit über 100 Angestellten.

«Die Stadt Zürich hätte heute Interesse an einem Kauf der Hotelanlage und der Liegenschaft.»Daniel Leupi, Stadtrat (Grüne)

Frys Gestaltungswille kollidierte immer wieder mit dem Gesetz. Über die Jahre häuften sich die Konflikte rund um ein Outdoor-Kino, verbaute Terrassen oder Helikopterflüge. Gerichte rügten Fry mehrfach. Das Kino konnte er nicht mehr durchführen, wie er wollte, den Kiosk brach er ab. Helikopterlandungen sind heute nicht mehr möglich.

Die Stadt Zürich hätte die ­Hotelanlage auf dem Hausberg selbst kaufen können. Zweimal hatte sie dazu die Chance. Das erste Mal 1976, doch die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger lehnten einen Erwerb ab. Das zweite Mal 1999, als die Schweizerische Bankgesellschaft das Hotel im Nachgang zur UBS-Fusion abstossen wollte. Die Stadt übte ihr Vorkaufsrecht aber nicht aus, weil sie finanziell schlecht dastand. Stattdessen kaufte Giusep Fry den Betrieb, dessen Führung er 1983 als 24-jähriger Jung-Gastronom übernommen hatte.

Heute signalisiert die Stadt Zürich durchaus Interesse am Uto Kulm. Der zuständige Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) will sich zu «allfälligen Verhandlungen» nicht äussern, sagt aber: «Falls ein Verkauf zur Debatte stehen würde, hätte die Stadt Zürich heute Interesse an einem Kauf der Hotelanlage und der Liegenschaft.»

Ein Millionengeschäft

Zum möglichen Verkaufspreis gibt es nur Indizien. Fry sprach vor einigen Jahren von einem Jahresumsatz von 16 bis 19 Millionen Franken. 2014 fragte ihn ein SRF-Journalist, für welche Summe er das Uto Kulm einst abgeben würde. Fry antwortete: «Für einen Betrag im hohen zweistelligen Millionenbereich.» Als Fry 2008 das Hotel in die neu gegründete Hotel Uto Kulm AG verschob, betrug die Bilanzsumme des Unternehmens rund 22 Millionen Franken. Der Wert des Hotelgebäudes wurde 2006 auf über 31 Millionen Franken geschätzt, jener des Aussichtsturms 2003 auf 6 Millionen Franken. Aber seither hat sich viel verändert, und Branchenkenner sind sich einig: Die Parzelle ganz oben auf dem Uetliberg ist ein Spezialfall, ein Liebhaberobjekt, für das Käufer bereit sein könnten, mehr als den Marktpreis zu zahlen.

Bei den Akteuren rund um den Uetliberg sorgen die Verkaufsgerüchte für Unruhe. Zuvorderst steht die Befürchtung, dass ein künftiger Eigentümer das labile Gleichgewicht stören könnte, das sich in den letzten Jahren zwischen den vielen Interessengruppen herausgebildet hat. Chris Linder, Gemeindepräsident von Uitikon, sagt: «Wir haben natürlich ein grosses Interesse daran, dass der Uetliberg auch in Zukunft ein beliebter Ausflugsort ist – und das Restaurant mit einem attraktiven Angebot bestehen bleibt.»

Fabian Fry könnte einst das Unternehmen seines Vaters übernehmen. Foto: Sharon Haridas (ITP Media Group)

Heute ist das Angebot zumindest so attraktiv, dass sich das Uto Kulm an einem Freitagmittag im Oktober trotz Nieselregen zu füllen beginnt. Familien sind gekommen, Rentnerpaare, eine Frauengruppe aus der Ostschweiz. Zwei Dutzend Studenten und Dozenten der ZHDK lösen am Eingang kurze Hektik aus – wo hinsitzen? Haben wir reserviert? Buffet oder à la carte?

Jungpatron Fabian Fry ist sogleich zur Stelle.

Erstellt: 04.11.2019, 07:04 Uhr

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