Gutes Geld mit schönen Dingen

In Zeiten von Negativzinsen und drohenden Finanzkrisen setzen Anleger vermehrt auf materielle Werte. Über das Geschäft mit Luxusgütern.

Schon mit einem Beitrag von 8500 Pfund kann man sich Besitzer eines Rennpferdes nennen, auch wenn man sich das Tier mit anderen teilen muss. <nobr>Foto: Getty Images</nobr>

Schon mit einem Beitrag von 8500 Pfund kann man sich Besitzer eines Rennpferdes nennen, auch wenn man sich das Tier mit anderen teilen muss. Foto: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Zwanzigstel eines Königreichs für ein Pferd

2003 erwarb der Kölner Bankier Georg Baron von Ullmann bei einer Auktion den aufstrebenden Hengst Manduro. Preis: 130'000 Euro. Vier Jahre später verkaufte er dasselbe Rennpferd weiter an Scheich Mohammed al-Maktoum aus Dubai – für einen zweistelligen Millionenbetrag. Das ist zwar ein Extrembeispiel für eine geglückte Investition in ein Rennpferd, aber keine absolute Ausnahme. Mit Rennpferden lässt sich tatsächlich richtig viel Geld verdienen. Das hat auch damit zu tun, dass die Tiere nicht einfach eine Liebhaberei von Multimillionären sind, sondern sie unter Umständen auch Millionen an Siegesprämien hereinholen. Allerdings ist das Geschäft mit den lebenden Objekten riskant. Nur einen Monat nachdem der Scheich Manduro gekauft hatte, verletzte sich der Hengst bei einem Rennen – und konnte nie wieder zu einem Wettkampf antreten.

Wer nicht über wirklich viel Spielgeld verfügt, sollte das Risiko daher minimieren. Eine gute Möglichkeit dafür ist, sich einer Besitzergemeinschaft anzuschliessen: Man übernimmt einen Teil der Anschaffungs- und Unterhaltskosten eines Pferdes, hat dann aber auch Anspruch auf Gewinnausschüttungen. Einen solchen Deal bietet zum Beispiel die noble Vereinigung Highclere Thoroughbred Racing (HTR) in der englischen Grafschaft Berkshire an. Sie bezeichnet sich selber als führendes europäisches Eigentümerkonsortium für Vollblüter. Schon mit einem Beitrag von 8500 Pfund kann man einsteigen – und darf sich dann tatsächlich Besitzer eines Rennpferdes nennen, auch wenn man sich das Tier mit vielleicht zwanzig anderen teilen muss. Aber auch in der Schweiz gibt es Besitzergemeinschaften, etwa den Club der Rennpferde-Besitzer (crb-rennpferde.ch).


Es muss nicht immer Ferrari sein

Garagen-Gold – so bezeichnet man Autos, die als langfristige Finanzinvestition taugen. Mittlerweile gilt der Markt für solche Fahrzeuge zwar als überhitzt, der Höhepunkt wurde gemäss verschiedenen Indizes 2016 erreicht. Aber es werden noch immer spektakuläre Rekorde verzeichnet: Ein Ferrari 250 GTO, der dem Microsoft-Pionierprogrammierer Greg Whitten gehört hatte, erzielte im letzten Jahr an einer Auktion 48,4 Millionen Dollar. Der Preis dieses Fahrzeugs hatte sich in weniger als einem Jahrzehnt verfünffacht.

Hohe Renditen versprechen aber nicht nur Luxuskarossen oder rare Oldtimer, die sich Normalsterbliche nicht leisten können. Die deutsche Zeitschrift «Autobild» erstellte aufgrund von Anzeigen für Gebrauchtwagen einen Vergleich für die Preise von 2008 und 2018. Der BMW 316 etwa erlebte eine sagenhafte Wertsteigerung von 644 Prozent, sein Preis kletterte von durchschnittlich 900 auf 6700 Euro. Eindrücklich sind auch die Entwicklungen beim Opel Kadett, VW Käfer oder bei lang unterschätzten Modellen von Mercedes und Audi. Als recht sichere Investition gilt aber vor allem der Porsche – verschiedene Ausführungen des 911er belegen auf der Vergleichsliste von «Autobild» Spitzenplätze.

Allen Fahrzeugen, die einen hohen Wertzuwachs erzielt haben, ist eines gemein: Sie befinden sich in einem guten Zustand – und ihnen haftet eine gewisse Kultigkeit an. Meist geht es um Kindheitsträume oder -erinnerungen. Man ersteht das Fahrzeug, das man schon immer mal haben wollte (Porsche) – oder den Wagen, den einst der Grossvater fuhr (Opel). Wer mit einem alten Fahrzeug Geld verdienen will, sollte sich also überlegen, für welches Auto er selber tiefer in die Tasche greifen würde. Dann ist die Chance vorhanden, dass es sich um ein Liebhabermodell handelt, für das auch andere einen Aufschlag zahlen.


Goldmünzen mit Sicherheitsnetz

Gold gehörte zu den ersten Metallen, die der Mensch bearbeitet hat. Und es ist wohl jenes Metall, das im Verlauf der Weltgeschichte am meisten Begehren – und am meisten Gier auslöste. Noch heute gilt Gold als sichere Wertanlage, und gerade bestätigt sich wieder einmal die alte Gewissheit, dass der Goldwert in politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten steigt. Allerdings haben die Gesetze gegen Geldwäscherei den Handel mit Goldbarren verkompliziert. Viele Banken weigern sich heute etwa, Kilobarren entgegenzunehmen.

Wer in Gold anlegen und dabei liquid bleiben will, investiert daher besser in Goldmünzen. Diese werden im Unterschied zu Barren von staatlichen Stellen ausgegeben. Das erhöht ihre Glaubwürdigkeit – und ist auch eine Versicherung gegen unten. Die 250-Franken-Goldmünze, welche die Nationalbank 1991 herausgab und die gegenwärtig um die 400 Franken kostet, kann stets gegen ihren Verkehrswert eingetauscht werden. Unter 250 Franken fällt der Preis dieser Münze also nie. Fachleute raten aber, Goldmünzen zu kaufen, die im eigenen Land bekannt sind. Bei uns empfiehlt sich also die Anschaffung von Goldvreneli, dessen Preis übrigens seit Ende 2015 von weniger als 200 auf fast 300 Franken angestiegen ist. Es gibt aber auch international beliebte Münzen, die man rund um den Globus handeln kann.


Nur eine superteure Briefmarke ist eine gute Briefmarke

Es gab Zeiten, da galten Briefmarken als «Aktien des kleines Mannes». Als Sammelobjekte waren die Postwertzeichen ein Milliardengeschäft – denn fast jeder wollte ein Briefmarkenalbum füllen, und man konnte ziemlich sicher sein, eine Rarität zu einem höheren Preis weiterverkaufen zu können. Dass der Markt eingebrochen ist, lässt sich mit einem Teufelskreis erklären: Das Briefmarkensammeln kam aus einer Vielfalt von Gründen fast vollständig aus der Mode – und dadurch gelangten Millionen von Sammlungen auf den Markt. Eine implodierende Nachfrage stand plötzlich einem explodierenden Angebot gegenüber.

Bei Briefmarken zeigt sich daher eine Entwicklung, die heute zahlreiche Sammelbereiche betrifft, auf besonders drastische Weise. Begehrt sind nur noch absolute Spitzenobjekte. Dass sich mit Top-Exklusivitäten trotz Sammlersterben noch immer Kasse machen lässt, beweist aber der Rekordpreis für eine Briefmarke, der lang nach dem Boom erzielt wurde: 2014 versteigerte Sotheby’s eine «British Guiana 1 Cent magenta» für knapp zehn Millionen US-Dollar. Allerdings: Der Verkäufer hatte diese Marke 34 Jahre zuvor für eine Million erstanden, alle Kommission weggerechnet, erzielte er noch eine Jahresrendite von rund sieben Prozent. So berauschend, wie der Rekord zunächst klingt, ist er also nicht. Fachleute empfehlen bei Briefmarken dennoch die Anlagestrategie, sich auf teure Einzelstücke – oder begehrte Sammelgebiete – zu konzentrieren.


Wer mit der Zeit geht, investiert in Uhren von gestern

Ein smarter Businessmann, an dessen Handgelenk ein sündhaft teurer Chronometer glänzt, sitzt mit seinem properen Söhnchen auf dem Sofa. Über dem hübsch arrangierten Bild steht, die Uhren der hier beworbenen Marke würden einem nie ganz gehören – man bewahre sie nur für die nächste Generation auf. Die Behauptung, die diese berühmte Kampagne aufstellt, gilt mittlerweile für die gesamte Uhrenbranche: Immer mehr Leute übernehmen Uhren mit Vorgeschichte. Man spricht in diesem Zusammenhang vom Vintage-Trend, und selbst die Platzhirsche unter den Herstellern von Luxusuhren sind mittlerweile darauf aufgesprungen. Sie kaufen alte Uhren ihrer Marke zurück, frischen sie auf und bieten sie der nächsten Generation wieder an.

Hinter dem Trend steht der verbreitete Wunsch nach Authentizität, nach alten Werten, an denen man sich sicher festhalten kann: Das war noch eine Qualität! Natürlich gilt wie überall bei Sammelobjekten: Herausragende Spitzenware wird immer begehrter. Wer in eine gute erhaltene Patek Philippe oder Rolex Daytona investiert, diese ins Schliessfach legt und ein paar Jahre wartet, hat sicher nichts falsch gemacht. Doch man muss gar nicht so tief in die Tasche greifen, um im Uhrengeschäft mitmischeln zu können. Wichtig ist, dass der Zeitmesser mechanisch ist, nach richtig viel Technik aussieht und eine hohe Qualität aufweist. Wer sich für diese Art der Investition interessiert, sollte sich einmal den Katalog des Auktionshauses Antiquorum anschauen (Antiquorum.swiss) – dieser vermittelt einen guten Eindruck vom vielfältigen Markt.


Diamanten brauchen kaum Platz

Diamanten sind bekanntlich unvergänglich und brauchen erst noch kaum Platz. Daher bieten sie sich ideal für ein langfristiges Investment an. In den letzten Jahren stieg der Wert von Diamanten zwar nur leicht, aber doch stetig. Bei kleineren Steinen zogen die Preise stärker an, grössere Steine versprechen indessen höhere Gewinne, wenn man denn den Schnauf hat, auf den richtigen Käufer zu warten. Langfristig gehen Experten, etwa jene von McKinsey, von einer positiven Preisentwicklung aus. Der Optimismus basiert auf der nach wie vor steigenden Nachfrage nach Schmucksteinen, aber auch auf der Tatsache, dass sich das Angebot verknappt – seit etwa 15 Jahren sind keine nennenswerten neuen Diamantenreserven mehr entdeckt worden.

Weil Diamanten manchmal unter dubiosen Umständen auf den Markt gelangen, sollte man beim Kauf aber immer darauf achten, dass es sich um hochwertige Ware handelt, die mit einem Zertifikat wie GIA, IGI oder HRD versehen ist. Am sichersten ist, die Steine in einem traditionellen Juweliergeschäft zu kaufen. Man kann sie aber auch übers Internet erstehen; es gibt durchaus seriöse Plattformen, zum Beispiel Yorxs.de. Wer sein Geld nicht direkt in die Steine selber anlegen möchte, kann mit Aktien von Minengesellschaften oder Diamantenhändlern Geld verdienen. Dann braucht man nicht einmal ein Bankschliessfach.


Investieren in edle Tropfen ist nur etwas für Kenner

Die Nachfrage nach sehr teuren Weinen steigt unentwegt – vor allem, weil die edelsten der edlen Tropfen immer stärker zu Statussymbolen reicher Asiaten werden. Wie extrem die Entwicklung ist, zeigt der Rekordpreis für Wein, der letztes Jahr bei einer Auktion von Sotheby’s erzielt wurde: Ein Käufer war bereit, für eine Flasche Romanée-Conti Jahrgang 1945 fast 600'000 Franken aufzuwerfen. Wein taugt eben hervorragend als Beleg dafür, dass man im Geld schwimmt. Wie jede Delikatesse ist er eine formidable Möglichkeit der Wertvernichtung. Einmal ausgetrunken, fällt der Wert einer Flasche auf null.

Dem rasanten Wertzerfall ging zuweilen aber auch eine eindrückliche Wertsteigerung voraus. Bei manchen Weinen verdreifacht sich der Wert innerhalb weniger Jahre. Aber Achtung: Nur absolute Spitzengewächse versprechen erfreuliche Renditen. Nur rund hundert Weine, sagen Experten, eignen sich zur Spekulation. Dazu zählen etwa die besten Tropfen aus dem Bordeaux, einige Grand Crus aus dem Burgund oder das italienische Spitzenerzeugnis Ornellaia.

Doch letztlich ist selbst die Investition in einen Lafite Rothschild oder Château Pétrus nicht risikofrei. Denn erstens weiss man nicht, welchen Ruf ein Jahrgang in Zukunft geniessen wird – und zweitens muss ein Wein jahrelang fachmännisch gelagert werden, damit er hochwertig bleibt. Auch wenn der Kauf beim Händler und der Wiederverkauf zum Beispiel übers Internet nicht kompliziert ist, gilt: Wer nicht viel von Wein versteht, sollte mit ihm eher das tun, wofür er eigentlich gedacht ist: ihn geniessen. Prost!


Mehr Artikel aus «Geld & Digital»



Dieser Text stammt aus der Beilage «Geld & Digital» der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 15.11.2019, 11:24 Uhr

Artikel zum Thema

So wird man Millionär

Editorial Hätte ich mein Geld damals nur richtig nachhaltig angelegt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Zum Anbeissen: Dieser Eisfischer in Peking versucht sein Glück mit mehreren Angeln. (7. Dezember 2019)
(Bild: Ma Wenxiao (VCG/Getty Images)) Mehr...