Harmlos und ausgekontert

Für den seit fünf Spielen sieglosen FC Zürich rückt die Barrage bedrohlich näher. Beim 0:3 in Lugano fehlte es an allem.

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Am Schluss folgte der schwierigste Gang. Die FCZ-Spieler marschierten geschlossen in die Kurve, wo ihre treuen Fans warteten. Diese hatten ihre Lieblinge fast 90 Minuten angefeuert, in den Schlussminuten den stimmlichen Support aber eingestellt. Dafür gab es jetzt Diskussionsbedarf, verständlich nach einem 0:3 in einer Partie, die Ludovic Magnin als «erstes Entscheidungsspiel» taxiert hatte.

Einer derjenigen, die anschliessend vor den Medien stoppten, war Captain Kevin ­Rüegg. «Es ist wichtig, uns jetzt mit den Fans auszutauschen», sagte der 20-Jährige, der trotz seiner Jugend auf dem Weg ist, das Gesicht des FCZ zu werden. Und weiter: «Ja, wir sind in einer Negativspirale.»

Magnin hatte einem kurz vor Spielende fast leid tun können. Etwas mehr als zehn Minuten waren noch zu spielen, 0:1 lag sein Team da im Rückstand. Einen Spieler konnte er noch einwechseln, und er entschied sich aus Mangel an Alternativen für Aziz Binous. Ein 18-Jähriger, geboren in Lugano, und mit Anlagen. Aber auch erst mit der Erfahrung von 26 Minuten in der Super League. Magnins Konterpart Fabio Celestini hatte kurz zuvor zum letzten Mal gewechselt, Petar Brlek kam für Alexander Gerndt.

Erster Heimsieg seit Oktober

Wenig später war die Partie entschieden, Brlek vollendete einen der vielen Konter zum 2:0, traf zum ersten Mal im Dress der «Bianconeri». Und es war der Anfang eines zehnminütigen Schaulaufens, das Carlinhos Junior, nach einem weiteren Konter, mit dem 3:0 krönte – Luganos erster Heimsieg seit dem 28. Oktober 2018, aber das Team ist seit acht Partien ungeschlagen. Celestini strahlte und sagte: «Acht Spiele ohne Niederlage, das schaffen sonst höchstens YB und Basel.» Präsident Angelo Renzetti hätte sich kein schöneres Geschenk zum 65. Geburtstag wünschen können.

Auf drei Positionen hatte Ludovic Magnin seinen FCZ gegenüber dem 0:1 gegen YB umgestellt. Khelifi und Odey sollten neuen Schwung bringen, überraschender kam der Wechsel auf der Goalieposition. Veteran Andris Vanins erhielt den Vorzug vor Yanick Brecher, es war sein zweiter Meisterschaftseinsatz der Saison und der erste von Anfang an seit Februar 2018.

Und der bald 39-Jährige zeigte, dass er keine lange Anlaufzeit braucht. In den ersten zehn Minuten machte er zwei gute Lugano-Aktionen zunichte, und auch danach war er sicherer Rückhalt. Den Rückstand verhinderte er mit einem Reflex bei einem Abschluss von Carlinhos aus kürzester Distanz (34.). Gegen das 1:0 fünf Minuten vor der Pause konnte dann auch der Lette nichts machen, schöner hätte er kaum herausgespielt werden können. Vecsei spielte aus der eigenen Hälfte heraus einen weiten Pass, Gerndt legte per Kopf ab, und Carlinhos Junior vollendete souverän. Und was kam vom FCZ offensiv? Wenig bis gar nichts, es gab keine echte Torchance. Oder wie es Magnin sagte: «Wie so oft haben die letzten 30 Meter vor dem Tor gefehlt.» Früh ausgeschieden mit Verdacht auf eine Knieverletzung war zudem Hekuran Kryeziu.

Nimmt man die gestrige Leistung zum Massstab, scheint es schwer vorstellbar, dass der FCZ den Cup-Halbfinal gegen Basel gewinnen kann. Gerade für Magnin könnte diese Partie nach nur einem Punkt aus den letzten fünf Partien aber zu einem Schicksalsspiel werden, bei einer weiteren Niederlage scheint ein Wechsel für den Kampf gegen die Relegationsspiele nicht unmöglich.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 19.04.2019, 23:28 Uhr

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