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Ist «Thriller» jetzt ein unmoralisches Lied?

Michael Jackson steht unter dem Verdacht des Kindsmissbrauchs.

Die Trennung von Künstler und Werk gilt als europäische Spezialität. Dass Bücher, Filme, Bilder eine eigene Aussage behalten, ganz gleich, welcher Vergehen der Künstler sich schuldig gemacht hat, ist aus amerikanischer Perspektive nicht selbstverständlich. Insofern war es nur logisch, dass etwa Harvey Weinstein und Kevin Spacey nach glaubwürdigen Missbrauchsvorwürfen – nicht nach Gerichtsurteilen! – der professionelle Tod traf.

Wenn die britische BBC fortan keine Songs des verstorbenen Popkönigs Michael Jackson mehr spielen will, folgt sie dieser Logik. In einer amerikanischen Fernsehdokumentation berichten zwei inzwischen erwachsene Männer, sie seien als Kinder von Jackson bedrängt, betäubt und missbraucht worden.

Die Empörung überrascht ein wenig, da zwar nicht diese, aber ähnliche Vorwürfe gegen Jackson schon lange im Raum stehen. Für seine Familie und seine Fans war das damals und ist es heute unvorstellbar: Jackson, der fragile, ätherische Peter Pan – ein Täter?

Alle anderen stehen nun – erneut und, weil es Kindesmissbrauch ist, noch drastischer als in der #MeToo-Debatte – vor der Frage, ob sie Werk und Künstler trennen wollen. «Thriller» wird deshalb kein unmoralisches Lied. Aber schafft man es wirklich, dabei nicht an missbrauchte Siebenjährige zu denken?

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