«Jositsch ist so stark, dass er Noser mitzieht»

Michael Hermann erklärt, warum das linke Bündnis beim Rennen um die Zürcher Ständeratssitze nicht spielt.

Die grosse Umarmung von SP und FDP macht Jositsch (links) und Noser zu Favoriten: Die Ständeräte im Gespräch vertieft in Bern. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Die grosse Umarmung von SP und FDP macht Jositsch (links) und Noser zu Favoriten: Die Ständeräte im Gespräch vertieft in Bern. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

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Hat Sie etwas überrascht am Umfrageergebnis?
Ja. Dass es im zweiten Wahlgang nicht enger wird zwischen den einzelnen Kandidierenden.

Zürcher SP-Wähler schreiben eher Ruedi Noser als Marionna Schlatter auf ihren Wahlzettel – warum?
Die Linke glaubt nicht an einen vollen Wahlsieg und sieht das Duo Jositsch/Noser als sicheren Wert, um Roger Köppel zu verhindern. Noser profitiert zudem von der Umarmungsstrategie von Daniel Jositsch. Das macht ihn für SP-Anhänger wählbar.

Spielt auch eine Rolle, dass Noser sich betont grün gibt?
Ich denke schon. Diese Taktik scheint aufzugehen.

Ist statt einer rechten oder einer linken Allianz nun «Nositsch» das neue Erfolgsticket?
Das kann man so sagen. Die frühere «Koalition der Vernunft» ist auferstanden.

Warum sind nur 62 Prozent der Grünen für Schlatter?
Sie gehen nicht davon aus, dass sie eine Chance hat, und schauen schon im ersten Wahlgang auf die Wahlchancen der Kandidierenden. Das rot-grüne Ticket funktioniert ohnehin nicht.

Eingemittet mit grünem Anstrich – ist das die Erfolgsformel 2019?
Ja, wenn man ein Bisheriger ist. Tiana Angelina Moser ist auch grün und in der Mitte positioniert und ironischerweise die politische Schnittmenge von Jositsch und Noser. Aber sie gehört nicht zum Establishment. Wiederum darf man nicht vergessen, dass Jositsch und Noser zu den profiliertesten Politikern im Land gehören und beide gute Wahlkämpfer sind.

«Köppel holt fast nur die SVP-Stimmen ab, diese dafür vollständig.»: Der Politologe und Kolumnist Michael Hermann. Foto: Reto Oeschger

Warum wählen so viele Freisinnige Daniel Jositsch?
Das ist das Phänomen Jositsch. Überspitzt gesagt: Er ist so stark, dass er Noser mit sich in den Ständerat ziehen kann.

Was ist mit Roger Köppel?
Er holt fast nur die SVP-Stimmen ab, diese dafür vollständig. Die Positionskämpfe innerhalb der SVP treten nicht zutage. Köppel passt intern vielleicht einigen nicht, aber er wird als Kämpfer für die richtige Sache angesehen. Und das wird honoriert.

Haben Sie einen Tipp an Tiana Moser, damit sie im zweiten Wahlgang eine Chance hat?
Sie muss die SP-Stimmen holen, die an Noser gehen. Anders geht es nicht. Damit eine Pro-Moser-Dynamik entsteht, müsste sie im ersten Wahlgang aber besser abschneiden als in der Umfrage.

Erstellt: 20.09.2019, 08:43 Uhr

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