Volkshaus lässt Auftritt von US-Komiker platzen

Der umstrittene Comedian Louis CK hätte in Zürich auftreten sollen. Doch das Volkshaus fürchtete sich vor negativen Reaktionen.

Louis CK vor seinem Auftritt in der TV-Show «Saturday Night Live». Foto: NBC Universal/Getty

Louis CK vor seinem Auftritt in der TV-Show «Saturday Night Live». Foto: NBC Universal/Getty

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Ende November tritt der ebenso bekannte wie umstrittene US-Comedian Louis CK in der Kongresshalle in Basel auf. Jetzt ist klar: Sein Auftritt war eigentlich im Zürcher Volkshaus geplant, dies schreibt «20 Minuten». Der Schweizer Veranstalter der Show, der in Zürich lebende Comedian Ahmet Bilge, sagt dem TA, dass die Macher des Volkshauses ihm einen Monat vor dem Event eine Absage erteilt hätten.

Dies bestätigt auch der Geschäftsleiter des Volkshauses, Franz Cahannes. Als Grund gibt er Gespräche im Führungsgremium an. «Wir haben uns über Louis CK informiert und entschieden, dass wir uns nicht im Spannungsverhältnis von sexuellen Übergriffen bewegen wollen», sagt er. Das sei gängige Praxis so. Cahannes hat mit einem Auftritt von Louis CK keine negativen Reaktionen provozieren wollen.

Louis CK hatte im Jahr 2017 zugegeben, dass er vor Frauen im Hotelzimmer masturbiert habe. Daraufhin fiel der bis dahin weitherum bewunderte Comedian bei einem Teil der Öffentlichkeit in Ungnade. Verstärkt durch die Diskussionen rund um die #MeToo-Bewegung. Seine Shows wurden folglich gestrichen, ein von ihm produzierter Spielfilm kurz vor der Veröffentlichung eingestampft. Er verschwand in der Versenkung.

Absagen wegen Protesten

Nun ist Louis CK wieder auf Tour. In Europa hat der Comedian bereits Auftritte etwa in Griechenland, Rumänien oder Italien ­absolviert. In Grossbritannien dagegen mussten einige seiner Auftritte aufgrund von Protesten abgesagt werden. Auch die Come­back-Shows in den USA wurden immer wieder von Störaktionen begleitet.

In der Schweiz wurde das Thema nach Bekanntgabe des Auftrittes vor drei Tagen vorerst in den sozialen Medien diskutiert. Der Komiker Gabriel Vetter verwies mit Verwunderung auf die Show. Die Autorin Sibylle Berg fragte auf Twitter: «Louis und die Frage – Wird er Ihn rausholen?» Auch unter Comedians ist der Auftritt umstritten, in den Chatgruppen entflammte eine Debatte.

Bilge war sich der Kontroverse um Louis CK bewusst. «Ich weiss, der Auftritt hat Sprengpotenzial, Louis CK ist noch nicht rehabilitiert», sagt er. «Was der Comedian gemacht hat, ist scharf zu verurteilen», fügt er an. Es seien aber auch viele Unwahrheiten über ihn verbreitet worden. Bilge zählt Louis CK zu seinen wichtigsten Vorbildern.

Kontroverse war absehbar

In der schriftlichen Anfrage ans Volkshaus wies Bilge auch ausdrücklich auf die Kontroverse rund um Louis CK hin. Bilge war deshalb überrascht, so kurz vor dem Auftritt und unmittelbar vor dem Vertragsabschluss eine mündliche Absage zu erhalten.

Absagen erhielt Bilge auch vonseiten der Veranstaltungs­lokale Hallenstadion, Maag-Halle und Komplex 457. «Die Zeit war zu knapp», sagt Bilge. Der Direktor des Hallenstadions, Felix Frei, sah in einem Auftritt von Louis CK kein inhaltliches Problem. Er gab ebenfalls die knappe Zeit als Grund an, warum er die Show nicht buchte. Ebenso, dass er vorher nie mit Bilge zusammengearbeitet hatte. Der Verantwortliche der Maag-Halle, Christoph Rüdt, dagegen sagt: «Wir wollten Louis CK nicht, weil wir seine Inhalte ablehnen.»

Der in Zürich lebende Bilge sagte gestern, dass sich Basel für ihn als Glücksfall erwiesen habe. Dies auch wegen der geografischen Lage unweit von Strassburg, Freiburg im Breisgau und Stuttgart, von woher er ebenfalls Zuschauer erwartet. Die Hälfte der 1500 Tickets für die Kongresshalle in Basel hat er 24 Stunden nach Bekanntgabe bereits verkauft.

Die Show vom November ist eine sogenannte «phone-free experience». Die Telefone der Zuschauer werden so verpackt, dass sie während des Auftritts nicht bedient werden können.

Erstellt: 07.11.2019, 21:56 Uhr

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