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Mit Los und «Lüge» zum Erfolg

Wie sich die Reihenfolge der «Tages-Anzeiger»-Porträts auf die Wahlresultate bei den Regierungsratswahlen auswirkt und wie die Freisinnigen um ihr Wassergesetz fürchten.

Kantonsratspräsidentin Yvonne Bürgin lost mit Ratsweibel Peter Sturzenegger die Reihenfolge der TA-Wahlporträts aus. Foto: Samuel Schalch
Kantonsratspräsidentin Yvonne Bürgin lost mit Ratsweibel Peter Sturzenegger die Reihenfolge der TA-Wahlporträts aus. Foto: Samuel Schalch

Um dem Verdacht der Vorteilsnahme für einen Kandidaten oder eine Kandidatin bei den Regierungsratswahlen vorzubeugen, hat der «Tages-Anzeiger» gestern ausgelost, in welcher Reihenfolge die Wahlporträts erscheinen sollen. Als Glücksfee amtete Yvonne Bürgin (CVP), die Präsidentin des Kantonsrates. Sekundiert wurde sie von Ratsweibel Peter Sturzenegger und einigen Zuschauern – unter ihnen FDP-Kandidat Thomas Vogel. Als Bürgin den Zettel mit seinem Namen als siebten aus der Urne zog, meinte er erleichtert: «Ou, das hat gerade noch knapp gereicht.» Doch da hat Vogel etwas falsch verstanden: Es wurde nicht die Platzierung bei den Wahlen ausgelost.

Dennoch stellt sich die Frage, wie sich das Erscheinungsdatum der TA-Wahlporträts aufs Wahlresultat auswirkt. Darum hier ein kleiner Vergleich mit den letzten Wahlen von 2015. Damals machte FDP-Regierungsrat Thomas Heiniger das beste Resultat, im TA war sein Porträt als sechstes erschienen. Das könnte ein gutes Omen für Mario Fehr (SP) sein, denn gestern hat ihm Bürgin die Nummer sechs zugelost. Ebenfalls zufrieden kann Bildungsdirektorin Silvia Steiner sein, die als Allerletzte gezogen wurde. Schon 2015 hatte sie die letzte Nummer erhalten und war auf Rang 5 trotzdem komfortabel gewählt worden. Keine Sorgen um ihre Wiederwahl müssen sich auch Ernst Stocker (SVP) und Jacqueline Fehr (SP) machen. Ihre Porträts erscheinen als erstes respektive als drittes, exakt gleich wie vor vier Jahren. Etwas problematischer könnte es für Natalie Rickli (SVP) werden. Ihr wurde die Acht zugelost. Vor vier Jahren startete der bisherige grüne Regierungsrat Martin Graf mit dieser Nummer – und wurde abgewählt.

«Die Medien nehmen ihre Funktion als Wachhund gegenüber den Mächtigen nicht mehr ernst.»

Hans-Jakob BoeschPräsident FDP Kanton Zürich

Um Lüge und Wahrheit ging es in der Fraktionserklärung der Freisinnigen. Parteipräsident Hans-Jakob Boesch warf den Linken vor, im gegenwärtigen Abstimmungskampf zum Wassergesetz «Lügen am Laufmeter» zu produzieren. Besonders ärgerlich ist für Boesch die angebliche Lüge, mit dem Gesetz werde das Trinkwasser privatisiert. Das Gegenteil sei richtig. Verärgert ist Boesch auch, dass die «Lügen» überall unreflektiert abgedruckt würden: «Die Medien nehmen ihre Funktion als Wachhund gegenüber den Mächtigen nicht mehr ernst», erklärte er. Aus diesem Grund macht der TA hier kurz den Wachhund. Im Entwurf zum neuen Wassergesetz von Regierungsrat Markus Kägi (SVP) steht in Paragraf 99: «Die Ausgliederung auf juristische Personen des Privatrechts ist nur zulässig, wenn die Gemeinde oder mehrere Gemeinden zusammen über 100 Prozent des Kapitals und der Stimmrechte verfügen.» Nach der Überarbeitung durch FDP (und SVP) im Kantonsrat steht in der definitiven Fassung, juristische Personen des Privatrechts könnten bis zu 49 Prozent des Kapitals und ein Drittel des Stimmrechts halten. Das ist eindeutig näher an der Privatisierung. Lügt also Boesch? Kann man auch nicht sagen, denn bei einem Nein an der Urne gilt weiterhin das alte Wasserwirtschaftsgesetz, und das sieht für private Wasserversorgungsunternehmen keine Einschränkungen vor. Immerhin müssen sie aber hoheitlich handeln und nicht nach ihren privaten Interessen. Zusammengefasst heisst das: FDP-Präsident Boesch ist auch nicht näher an der Wahrheit als seine Gegner.

Und wie wird es am 10. Februar an der Urne herauskommen? Ruedi Lais, Wortführer der Linken, hofft auf einen Nein-Stimmen-Anteil von mindestens 70 Prozent. Und FDP-Fraktionschef Thomas Vogel befürchtet, dass Lais recht bekommen könnte, wenn es mit der «Lügerei» weitergeht wie bisher.

Mit Sympathiebekundungen überhäuft

Restlos glücklich ist derzeit SVP-Kantonsrat Pierre Dalcher , der 2018 als Schlieremer Stadtrat völlig überraschend abgewählt wurde und so von einem Tag auf den anderen seine Existenzgrundlage verlor. Seit dem 1. November hat der 57-Jährige beim Brillen-Grosshändler Fielmann als Verkäufer wieder einen Job. Und seit er seine Geschichte im TA erzählt hat, wird er überhäuft mit Sympathiebekundungen. Wildfremde gratulieren im Zug und sogar an der Haustür. Am Arbeitsplatz wird ihm nie langweilig, und er ist erstaunt darüber, wie viel Politprominenz bei Fielmann ein und aus geht. Erst letzte Woche hat er einem Gemeindepräsidenten, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, eine Brille verkauft. Kürzlich hat Dalcher Staranwalt Valentin Landmann im Laden begrüsst. Auch Regierungsrätin Carmen Walker Späh hat er schon gesehen, ebenso GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser mit ihrem neuen Partner, SP-Nationalrat Matthias Aebischer.

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