Neue Velo-Wirren in Zürich: Haifischzähne auf dem Trottoir

An einer Kreuzung der Langstrasse führt ein Veloweg neuerdings direkt auf die Kante einer Verkehrsinsel zu. Die offizielle Erklärung, was das soll, ist überraschend.

Haifischzähne, dann eine Verkehrsinsel: Wo geht der Veloweg im Vordergrund wohl weiter? Foto: Urs Jaudas

Haifischzähne, dann eine Verkehrsinsel: Wo geht der Veloweg im Vordergrund wohl weiter? Foto: Urs Jaudas

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Die Langstrasse ist seit Jahren einer der grössten Knackpunkte im Velonetz der Stadt Zürich. Nur schon an der Bahnunterführung beissen sich die Planer seit Jahren die Zähne aus. Nun scheint diese wichtige Achse um ein Velodebakel reicher. Und zwar an einem Ort, an dem der Platz das kleinste Problem ist: an der umgebauten Kreuzung Lager-/Langstrasse. «Ungenügend» ist das Fazit einer Evaluation, die Pro Velo vor ein paar Tagen der Stadt eingereicht hat.

Tatsächlich präsentiert sich die Velo-Verkehrsführung dort teilweise als, nun ja, etwas wirr. Da gibt es von der Neufrankengasse her zum Beispiel eine eigens für Velofahrer montierte Ampel – wer mit seinem Velo dort wartet, wo es gemäss den Bodenmarkierungen vorgesehen ist, der sieht die Ampel allerdings nicht. Noch nicht, sagt die Stadt, das werde angepasst.

Hauptauslöser für die Kritik ist der neue Veloübergang über die Lagerstrasse. Es gibt dort eigens aufs Trottoir gepinselte gelbe Haifischzähnchen und ein Kein-Vortritt-Schild in Velohöhe.

Bloss: Wer mit dem Velo über die Strasse zu gelangen versucht, wo es die Signalisation scheinbar anzeigt, der wird spätestens in der Mitte der Fahrbahn jäh von einer Verkehrsinsel gestoppt. 15 Zentimeter Randstein, nicht zum Befahren gebaut. Vorher führt der Übergang aber noch quer durch den Warteraum, der für jene Velos an­gelegt wurde, die von der Lagerstrasse kommend nach links in die Langstrasse abbiegen wollen.

«Schlicht unbrauchbar»

«Schlicht unbrauchbar» sei diese Verkehrsführung, findet Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo im Kanton Zürich. Das zeigt sich bei einem Augenschein vor Ort: Velofahrerinnen und Velofahrer sind gezwungen, den Fussgängerstreifen zu benutzen, anders kommen sie nicht sicher und schnell genug über die Strasse.

SP-Gemeinderat Marco Denoth teilt Durners Kritik. Die gesamte Kreuzung sei «bis ins Detail unlogisch». Was ihn besonders ärgert: Er habe das Tiefbauamt schon vor einem Jahr anhand der Pläne darauf aufmerksam gemacht, dass der Veloübergang wegen der Verkehrsinsel und des Linksabbiegers nicht brauchbar sei. Erfolglos. Mehr noch: Auf der anderen Seite der Langstrassen-Unterführung plane die Stadt eine ähnliche Verkehrsführung. Tiefbauvorsteher Richard Wolff (AL) fehle offensichtlich der politische Wille für gute Veloverbindungen.

Fussgängerstreifen? Ja.

Die Stadt verteidigt die Verkehrsführung. Und wartet mit einer überraschenden Information auf. Tatsächlich ist es korrekt und auch so vorgesehen, dass Velofahrende den Fussgängerstreifen über die Lagerstrasse benutzen. «Das Befahren des Fussgängerstreifens ist nicht verboten», schreibt die Dienstabteilung Verkehr dem «Tages-Anzeiger».

Ja, das alles sei für Velofahrer nicht optimal, aber unter den gegebenen Umständen die beste Lösung. Ein separater Veloübergang sei nämlich leider nicht machbar. Grund: An der fraglichen Ampel haben die Autos, die von der Langstrasse her nach rechts in die Lagerstrasse abbiegen, gleichzeitig Grün wie die Fussgänger. Eine solche Verkehrsregelung ist erlaubt, solange sie nur Autos und Fussgänger betrifft – nicht aber in Kombination mit einer Velospur. Mit separaten Grünphasen würde aber der Rückstau auf der Langstrasse zu gross.

Bleibt die Frage, wozu die Haifischzähne gut sind. Sie sind laut der Stadt nur für jene Velofahrer gedacht, die vom Trottoir aus den Warteraum erreichen wollen. Das werde demnächst noch mit einem Pfeil verdeutlicht. Klar ist hingegen heute schon: Konflikte mit Fussgängern sind vorprogrammiert.

Erstellt: 14.06.2019, 08:43 Uhr

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