Nur das Tenü ist grün in der Schweizer Armee

Die Armee stösst viel CO2 aus. Dafür sind nicht nur Jets verantwortlich, sondern auch die Ölheizungen des VBS.

Grösste Sünder: In Kasernen wird tonnenweise Öl verbrannt. Foto: Keystone

Grösste Sünder: In Kasernen wird tonnenweise Öl verbrannt. Foto: Keystone

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Der grüne Tsunami bewegt sich nun auch auf die Bundesverwaltung zu. Die Grünen fordern neuerdings von ihr eine Reduktion des CO2-Ausstosses bis 2030 auf netto null. «Wir sind klar der Meinung, dass die Gesamtbundesverwaltung eine Vorbildfunktion wahrnehmen muss», sagt Nationalrat Bastien Girod, der sich diese Woche erstmals nach dem Wahlsieg mit der parteiinternen Umweltgruppe traf. Damit wollen die Grünen weiter gehen als der Bundesrat, der kürzlich ein Klima­paket für die Verwaltung beschlossen hat.

Die Netto-null-Forderung und das Klimapaket bringen vor allem das Verteidigungsdepartement VBS unter Druck. Dieses verursachte im letzten Jahr allein 205'000 Tonnen CO2. Jetzt zeigt sich, dass nicht nur die Flugzeuge und Fahrzeuge der Armee dem Klima schaden – sondern auch die Heizungen. 2018 belief sich der CO2-Ausstoss bei den VBS-Immobilien auf knapp 40'000 Tonnen. Das ist gleich viel wie in der gesamten zivilen Bundesverwaltung.

Dank einem CO2-Programm konnte das VBS den Ausstoss in den letzten Jahren zwar reduzieren – ein Drittel der Wärme wird mittlerweile mit Biomasse, Biogas oder Fernwärme erzeugt –, doch zu je einem Drittel kommen immer noch Öl und Gas zum Einsatz. Von 456 Feuerungsanlagen werden 287 mit Öl betrieben. Sie verbrauchten im vergangenen Jahr über 5,5 Millionen Liter Heizöl, wie das VBS auf Anfrage bekannt gibt. Damit könnte man 3000 durchschnittliche Einfamilienhäuser beheizen. Im VBS gibt es zudem Heizzentralen, die im Jahr Hunderttausende Liter Öl benötigen: Sie befinden sich in Kasernen oder auf Waffenplätzen. Spitzenreiter ist ein Areal in Sursee LU, wo sich unter anderem eine Wäscherei befindet. Dort wurden im letzten Jahr rund 470'000 Liter Heizöl verbrannt. Gebäudekomplexe in Romont FR, Bremgarten AG und Kloten ZH benötigten je über 200'000 Liter.

«Im VBS ist die Anzahl Heizungen mit nicht erneuerbaren Energien noch zu gering, da gibt es einiges zu tun in den kommenden Jahren», sagt GLP-Chef Jürg Grossen. Das VBS ist sich dessen bewusst. Schliesslich hat der Bundesrat im Klimapaket das Ziel formuliert, in der Schweiz die Gebäude der gesamten Bundesverwaltung energetisch zu sanieren. Vorerst will sich das VBS «auf die Gebäude respektive Standorte mit den grössten Verbräuchen fokussieren», heisst es in einer Stellungnahme. Die Details sollen im kommenden Jahr bekannt werden.

In der zivilen Bundesverwaltung sieht die Bilanz besser aus. Das Bundeshaus zum Beispiel und weitere Verwaltungsgebäude in der Berner Innenstadt sind an ein Fernwärmenetz angeschlossen. Die Energie stammt aus einer Anlage, in der Kehricht verbrannt wird. Das ist zwar nicht CO2-neutral, aber immer noch besser, als mit Öl zu heizen.

Neubauten und Sanierungen ohne Ölheizungen

Ganz ohne Öl geht es aber auch in der zivilen Bundesverwaltung nicht. Ausschliesslich oder vorwiegend mit Öl werden derzeitig neun Komplexe mit rund 2000 Arbeitsplätzen beheizt, wie das Bundesamt für Bauten und Logistik mitteilt. In den kommenden Jahren dürfte der Ölverbrauch jedoch drastisch sinken. So geht 2020 die grösste CO2-Schleuder in der zivilen Bundesverwaltung ausser Betrieb: Im Institut für Virologie und Immunologie im bernischen Mittelhäusern werden Anlagen betrieben, die Dampf produzieren. Bis jetzt wurde dafür Heizöl verwendet, nun stellt man auf eine lokale Elektrodampferzeugung um.

Zudem verlässt der Bund bald mehrere mit Öl beheizte Mietobjekte, geplant sind zudem grössere Sanierungen. Das sogenannte Pentagon-Areal in Bern, das 2018 über 120 Tonnen Heizöl verbrauchte, wird ab 2023 erneuert. Bei Neubauten und Sanierungen verzichtet der Bund generell auf Ölheizungen. Das gilt auch für das VBS.



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Erstellt: 09.11.2019, 22:51 Uhr

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