Zum Hauptinhalt springen

Streit um 175-Millionen-Überbauung

Die geplante Wohnsiedlung Leutschenbach stösst auf Widerstand: SVP und FDP wollen, dass die Stadt Zürich nicht selber baut.

In Leutschenbach, direkt neben dem SRF-Fernsehstudio, ist eine der grössten städtischen Wohnsiedlungen geplant. Visualisierung: PD
In Leutschenbach, direkt neben dem SRF-Fernsehstudio, ist eine der grössten städtischen Wohnsiedlungen geplant. Visualisierung: PD

369 gemeinnützige Wohnungen, Räume für Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe sowie vier Kindergärten: In Leutschenbach, direkt neben den SRF-Fernseh­studios, richtet die Stadt mit der grossen Kelle an. Geplant ist eine der grössten städtischen Wohnsiedlungen für insgesamt rund 1200 Personen.

Sie soll «den Zielen des gemeinnützigen Wohnungsbaus auf Basis der Kostenmiete, der sozialen Durchmischung und der Sicherung von Familienwohnungen im Sinne des wohn­politischen Grundsatzartikels Rechnung tragen», schreibt der Stadtrat in seiner Weisung zum Projekt. Kostenpunkt: stolze 175 Millionen Franken.

Gegen weitere Verschuldung

Morgen Mittwoch entscheidet der Gemeinderat über den Kredit für die Wohnsiedlung Leutschenbach. Doch SVP und FDP wollen das Geschäft an den Stadtrat zurückweisen. Statt selber zu bauen, soll die Stadt das Baurecht für die neue Siedlung öffentlich ausschreiben und mit den erwünschten Kriterien vergeben, heisst es in dem von der SVP eingebrachten Rückweisungsantrag.

Die geplante Überbauung dürfe nicht mit einer neuen Verschuldung der Stadt realisiert werden, sagt SVP-Gemeinderat Martin Götzl. Stattdessen sollen private Investoren – etwa Pensionskassen – zum Zug kommen. Diese verfügten über randvolle Kassen und könnten dieses Geld derzeit kaum gewinnbringend anlegen. Mit dem Erwerb des Baurechts könnte ein solcher Investor die Wohnsiedlung kapitalisieren, ohne dass sich die Stadt weiter verschulden müsste. Laut Götzl geht es darum, eine «unverantwortbare Finanz- und Wachstumspolitik» zu verhindern, die bei steigenden Zinsen eine «enorme Herausforderung» und für kommende Generationen grosse Altlasten darstelle.

Gleich daneben soll die Siedlung entstehen: Das Fernsehstudio Leutschenbach. Foto: Keystone
Gleich daneben soll die Siedlung entstehen: Das Fernsehstudio Leutschenbach. Foto: Keystone

FDP-Gemeinderat Urs Egger beklagt das «grundsätzliche Misstrauen» der rot-grünen Rat­sseite gegenüber privaten Bauherren. Er ist überzeugt, dass Private eine solche Wohnsiedlung günstiger bauen könnten als die Stadt und die Mieten dennoch nicht teurer würden.

«Die Stadt baut viel zu teuer»

Bestärkt sehen sich die Bürgerlichen durch Aussagen von Markus Mettler, CEO der Halter AG, einer der grössten Bau- und Immobilienfirmen der Schweiz. «Die Stadt baut viel zu teuer», ­erklärte Mettler im letzten Oktober in der NZZ im Zusammenhang mit der Siedlung Leutschenbach. «Wir würden dieses Projekt für 120 Millionen Franken realisieren.»

Laut Markus Mettler entwickelt, plant und baut die öffentliche Hand 20 bis 40 Prozent teurer, als dies für die primär anvisierte Funktion nötig wäre – weil Politiker, Ämter und ihnen nahestehende Organisationen in ein Projekt ihre jeweiligen Partikularinteressen und Maximalforderungen hineinpackten. Dies im Wissen, am Ende nicht selber dafür bezahlen zu müssen.

Hochbauvorsteher André Odermattt (SP) liess solche Kritik nicht auf sich sitzen und wehrte sich – unter anderem in einem Beitrag im Halter-Firmenmagazin. Dabei verwies er einmal mehr auf das von ihm lancierte Projekt «Kostenklarheit». Dank diesem Programm sollen bei städtischen Neubauten jeweils 10 Prozent der Kosten eingespart werden – auch bei der Wohnsiedlung Leutschenbach seien diese Vorgaben eingeflossen, betonte Odermatt.

«Keineswegs überrissen»

Die links-grüne Ratsmehrheit zeigt wenig Verständnis für die Kritik der Bürgerlichen. «Es ist keineswegs ein überrissenes Projekt, und wir sind klar der Meinung, dass die Stadt mehr preisgünstige Wohnungen bauen soll», sagt AL-Gemeinderätin Christina Schiller. Es sei «richtig und nötig», dass die Stadt einen aktiven Part in der Wohnbaupolitik übernehme, immerhin sei in der Gemeindeordnung das Ziel festgeschrieben, bis ins Jahr 2050 ein Drittel aller Wohnungen gemeinnützig zu vermieten. Das bereits weit fortgeschrittene Projekt in Leutschenbach völlig neu aufzugleisen, sei «widersinnig», findet Schiller.

Das letzte Wort in der Sache haben die Stadtzürcher Stimmberechtigten – voraussichtlich im kommenden Mai. Bei einem Ja will die Stadt 2020 mit dem Bau beginnen, dann könnte die Siedlung Ende 2023 bereitstehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch