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«Verseckelt!» Diesem 70-Jährigen geht es ums Prinzip

Eine fehlende Bewilligung für das Flussschwimmen im Rhein sorgt für Ärger.

Öffentliche Veranstaltungen wie das Flussschwimmen im Rhein müssen von der Seepolizei bewilligt werden. Foto: Balz Murer
Öffentliche Veranstaltungen wie das Flussschwimmen im Rhein müssen von der Seepolizei bewilligt werden. Foto: Balz Murer

«Das Gericht macht Ihnen keinen Vorwurf. Es stellt nur fest, dass es eine Bewilligung gebraucht hätte.» Der Satz ist der x-te Versuch von Gerichtspräsident Lorenz Schreiber, dem in Kürze 70 Jahre alt werdenden Hans-Rudolf Alder zu erklären, warum er schuldig gesprochen wurde.

Dass Alder wegen dieser laut dem Richter «bürokratischen Bagatelle» zwar verurteilt, aber gar nicht bestraft wird, ja dass sämtliche Kosten auch noch auf die Staatskasse genommen werden – all das bringt den ehemaligen Turnlehrer nicht von seinem Urteil über das Urteil ab: «Das ist eine Katastrophe. Mir ging es doch nicht ums Geld.»

Nein. Alder ging es um etwas Grundsätzliches, nämlich darum, dass die Zürcher Seepolizei ihre Arbeit korrekt tut und einem «nicht mit einer Busse in den ­Rücken fällt».

Und worum ging es in der Sache? Im Sommer 2017 hatte ­Alder, Betreiber des Eglisauer «Sportegge», im Auftrag der Standortförderung Zürcher Unterland zwischen Ellikon am Rhein und Rüdlingen ein etwa vier Kilometer langes, öffentliches Flussschwimmen mit rund 50 Teilnehmenden organisiert.

Nautische Veranstaltung

Kurz vor dem erstmals durchgeführten Anlass, der zur Attraktivitätssteigerung des Zürcher Unterlandes beitragen sollte, meldete sich die Seepolizei mit dem Hinweis, dass nautische Veranstaltungen wie das Flussschwimmen eine Bewilligung benötigen.

Die Verordnung über die Schifffahrt auf schweizerischen Gewässern erklärt den Sinn einer Bewilligung. Auf diese Weise kann beispielsweise geprüft ­werden, ob die Sicherheit der Teilnehmenden gewährleistet ist und die nötige Versicherung ­abgeschlossen wurde.

Das alles wäre für Hans-Rudolf Alder, der seit 30 Jahren Aktivitäten auf dem Wasser anbietet, kein Problem gewesen. Er hätte, so Richter Schreiber, «die Voraussetzungen für die Bewilligung mit Sicherheit erfüllt».

«Gar nichts ist passiert»

Alder bestritt den Sinn der Bewilligung nicht. Bloss sei die Sache in seinem Fall halt eben die folgende: Zwei Verantwortliche des Unterländer Standortförderungsvereins hätten sich getrennt voneinander an die gleiche Person bei der Seepolizei gewandt. Die Kernbotschaft, die sie an Alder weitergaben: Die Seepolizei verwarnt den Verein. Aber für einmal könne man quasi ein Auge zudrücken. Jetzt wird klar, warum Alder sich «verseckelt» fühlt: Er glaubt, die Seepolizei gestatte eine Veranstaltung, nur um ihm dann mit einer Busse wegen der fehlenden Bewilligung in den Rücken zu fallen.

Wenn es so wäre, müsste das Gericht sich überlegen, Alder wegen Rechtsirrtums freizusprechen. Doch die Sache ist eben nicht so klar: Aus dem Rapport, den die Seepolizei über die Telefongespräche verfasste, lässt sich nicht schliessen, dass die Beamten bereit waren, ein Auge zuzudrücken. Auch Richter Schreiber konnte kein Auge zudrücken. Aber: Es sei «gar nichts passiert». Es wäre wünschenswert gewesen, wenn man das Verfahren früher eingestellt hätte. Viel ­Bürokratie habe es verursacht, «viel Aufwand wegen einer absoluten Kleinigkeit».

Und dann fallen sie noch, die zwei richterlichen Wörter: «Augenmass» und «Vernunft».

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