Ein ostdeutsches Dorf nimmt es mit Mr. Adlon auf

Auf der Halbinsel Wustrow an der Ostsee soll ein Ferienresort entstehen. Die Anwohner wollen aber ihre Ruhe. Über einen Kampf, den bisher die Natur gewinnt.

Umwuchert von Wildnis und Geheimnissen: Die ehemaligen Unterkünfte russischer und deutscher Soldaten auf der Halbinsel Wustrow sind seit Jahrzehnten für die Bevölkerung tabu. Foto: Berthold Steinhilber (Laif)

Umwuchert von Wildnis und Geheimnissen: Die ehemaligen Unterkünfte russischer und deutscher Soldaten auf der Halbinsel Wustrow sind seit Jahrzehnten für die Bevölkerung tabu. Foto: Berthold Steinhilber (Laif)

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Da stehen sie wieder an diesem Zaun, der ihren Strand zerschneidet. Weisser Sand, blaue Ostsee. Und dann dieses Eisengitter und das Schild: «Betreten strengstens verboten. Munitionsbelastetes Gebiet. Explosionsgefahr».

Hinter der Absperrung beginnt die Halbinsel Wustrow, zwischen Wismar und Rostock. Die vielleicht geheimnisvollste Landzunge Deutschlands. Maria Pinkis und Ulrike Feine kommen oft hierher und schauen rüber. Es sind nur ein paar Minuten von ihren Häusern in Rerik, Mecklenburg-Vorpommern, immer am Ufer entlang. «Das zieht ja auch magisch an», sagt Ulrike Feine, Anfang 50, Heilpraktikerin und Stadtvertreterin für die SPD.

Der Zaun ist eine Art Zonengrenze, drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall.

Ein klarer Spätnachmittag, die Sonne färbt den Himmel rosa. «Die Wolken sehen so toll aus», sagt Ulrike Feine, die kalte Luft riecht nach Meer. ­Wunderbare Küste, aber es geht in dieser ­Geschichte auch um Nazisoldaten, Sowjetarmee, Treuhand, Investor, Sperrbezirk.

Auf der anderen Seite des Gatters sind Dünen zu sehen, Bäume, Ruinen. Eine Geisterstadt, umwuchert von ­Wildnis, abgetrennt vom Rest der Welt. Den Zaun finden auch die Reriker Kommunalpolitikerinnen Pinkis und Feine furchtbar. Noch schlimmer fänden sie es allerdings, wenn da drüben eine Feriensiedlung entstehen würde, wie sie sich der Mann wünscht, den sie Mr. Adlon nennen.

Seit mehr als 86 Jahren ist die Halbinsel Wustrow für die meisten Menschen fast immer Tabuzone gewesen, die Reriker kennen es kaum anders. Erst hatte sich auf den 1000 Hektaren die Wehrmacht einquartiert, sie übte und schoss dort. 1945 übernahm die Rote Armee. «Die Russen», wie sie hier sagen. Und als Mauer und Russen verschwunden waren, «kam dieser neue Zaun», sagt die SPD-Stadträtin Maria Pinkis.

Man könnte es auch so sagen: Dann kam Mr. Adlon.

Spionageposten der UdSSR

Es ist ein schräges europäisches Kapitel. Die Halbinsel Wustrow war Hitlers Flakstellung, sie wurde Militärbasis und Spionageposten der UdSSR. Danach verkaufte das wiedervereinte Deutschland das Gelände 1998 für 12,5 Millionen Mark an die Fundus-Gruppe des Rheinländers Anno August Jagdfeld, die auch mit Geld von Anlegern das Berliner ­Hotel Adlon neu aufgebaut hat. Seither stehen sich gegenüber: eine ostdeutsche Kleinstadt und ihre Bewohner, von denen die meisten ihre Ruhe haben möchten. Und ein westdeutscher Grossunternehmer, der seinen Besitz in ein Resort verwandeln will. Mr. Adlon gegen Rerik. Die bisherigen Sieger der Auseinandersetzung: die Natur – und die SPD.

Die Region Mecklenburg-Vorpommern ist für die Deutschen Feriendestination Nummer drei: Ostseebad Rerik mit Halbinsel Wustrow (hinten). Foto: Reinhard Schmid (Schapowalow)

Auf den Verbotsschildern ist auch der Name von Jagdfelds Ableger ECW (Entwicklungs-Compagnie Wustrow) zu ­lesen. Doch mit der Entwicklung seiner Halbinsel ist Jagdfeld in gut zwei Jahrzehnten praktisch gar nicht voran­gekommen, weil der Gemeinde Rerik sein Konzept missfällt und ohne Rerik nichts geht. Maria Pinkis und Ulrike Feine wollen dazu beitragen, dass es auch so bleibt.

Deshalb haben sie die Bürgerinitiative «Wir für Rerik» mitgegründet. Deshalb sind sie in die in Rerik regierende SPD eingetreten. Deshalb achten sie auf jedes Geräusch, das aus dem eingezäunten Terrain nach draussen dringt.

«Es wird kein Comeback von Mr. Adlon geben», sagt Maria Pinkis, sie hat beim Spaziergang einen leuchtend roten Mantel an und gibt sich kämpferisch. «Die Reriker haben die ­Nazis und die Russen überlebt, wir ­werden auch Jagdfeld überleben.»

Vor kurzem haben sie jenseits des Zauns wieder Sägen gehört, Bäume wurden gefällt. Jetzt plätschern sanft die Wellen, Vögel kreischen. Das verschlossene Areal ist während dieses ganzen Hin und Hers zwischen Stadt und Investor weitgehend zum Biotop verwachsen, voller Pflanzen und Tiere. Aber niemand weiss, ob das so bleibt. «Es geht einfach um unheimlich viel Geld», sagt Ulrike Feine. Und um fünf mal zwei Kilometer Land an Deutschlands Lieblingsküste.

Maria Pinkis (l.) und Ulrike Feine wollen kein Resort hinter dem Zaun. Foto: Peter Burghardt

Dieser Ostseestreifen liesse sich vergolden, siehe Usedom oder Rügen, mit Grundstückspreisen wie auf Sylt. Milliarden Euro setzt die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern um, 34 Millionen Übernachtungen 2019, die Region ist für deutsche Feriengäste die Nummer drei nach Italien und Spanien. Das Ostseebad Rerik hat 2300 Einwohner, eine Kirche mit Turm, rote Dächer, eine Promenade am Wasser. Dem Roman «Sansibar oder der letzte Grund» von Alfred Andersch dient ein verfremdetes Rerik als Bühne.

Granaten im Sandstrand

Zehntausende Gäste kommen Jahr für Jahr vorbei, das genügt vielen Rerikern. Die Besucher schreckt es nicht ab, dass auch zwischen FKK-Strand und Hundestrand Warnschilder auf Altlasten hinweisen: «Leider ist auch dieser Strand nicht von den Folgen des Zweiten Weltkriegs verschont geblieben», schreibt die Kreisverwaltung. Die Gefahr ist sehr gering, der Sand wurde vor Jahren tonnenweise durchsiebt, nachdem alte Granaten angeschwemmt worden waren.

Ginge es nach dem Eigentümer Jagdfeld, so stünden auf dem einstigen Militärgelände der Halbinsel längst teure Ferienquartiere. Auch Golfplatz und Jachthafen hatte er zunächst geplant. Nur: Ohne Reriker Zustimmung darf nicht gebaut werden, so ist das trotz des Verkaufs geregelt. Die einzige Strasse über den schmalen Zugang, den Wustrower Hals, sperrt die Stadt seit 2003 für den Individualverkehr. «Jedes Auto mehr ist eines zu viel für die Stadt», sagt Maria Pinkis. Auf Wegweisern haben die Widerständler den Namen Wustrow in den roten Kreis einer Durchfahrtsbeschränkung gesetzt.

Die Bürgerinitiative «Wir für Rerik» grüsst schon an der Landstrasse. «Kein 2.Heiligendamm auf Wustrow», ist da auf ein Holzschild im Acker gepinselt. Jagdfelds Fundus-Gruppe erwarb bereits 1996 für 18Millionen Mark den historischen Kern von Heiligendamm, Deutschlands erstem Seebad, eine halbe Fahrstunde entfernt. Im schneeweissen Grand Hotel Heiligendamm fand 2007 der G-8-Gipfel statt, mit Merkel, Putin, Bush und Barrikaden bis ins Meer. 2012 meldete Jagdfelds Betreibergesellschaft die Insolvenz des Grandhotels an, derzeit verkauft seine Entwicklungs-Compagnie in Heiligendamm sanierte Villen an Leute, die es sich leisten können. Das alles halten seine Rivalen für abschreckend genug. Maria Pinkis will vor ­Reriks Haustüren keine umzäunte ­Luxusenklave «wie irgendwo in Ägypten».

Stunden vor der Strandbegehung sitzen Maria Pinkis und Ulrike Feine in einer Ferienwohnung von Pinkis, es gibt Grüntee. Auf dem Tisch stapelt sich Material über den Fall Wustrow, darunter die Broschüre «Schwarzbuch. Das System Jagdfeld». Maria Pinkis stammt aus einer alteingesessenen Reriker Fischerfamilie, im Nebenhaus wird Fisch geräuchert, als Kind schipperte sie manchmal mit ihren Eltern an die Halbinsel heran. Sie zog in den Westen und kehrte heim. Sie war KFZ-Mechanikerin und Projektkoordinatorin. An die DDR kann sie sich kaum erinnern, aber an das Feuerwerk bei der Einheitsparty.

Ulrike Feine weiss noch, wie sich einst Moskaus Panzer durch die Gegend wälzten. «Andere Zeiten», sagt sie. «Man konnte ja nichts dagegen unternehmen.» Vor den Stränden wachten DDR-Grenzschützer, Fluchtgefahr. Als die russischen Truppen im Mai 1994 abgezogen waren, ging sie einmal auf die zuvor so abgeschirmte Halbinsel. Das wurde damals eine Zeit lang geduldet, wenn man beim Pförtner seinen Ausweis abgab. Sie sah die leeren Baracken und Wohnungen der Offiziere, niemand passte auf. «Lebe wohl, Ostsee», stand in kyrillischen Buchstaben auf einem Findling. «Russen raus», stand auf Deutsch auf Beton. Das Buch «Die verbotene Halbinsel Wustrow» zeigt Fotos davon.

Viele der auf Wustrow abgeschotteten russischen Soldaten taten den Rerikern trotz aller Parolen eher leid. Und auf der Halbinsel wurde die Wende dann keine richtige Wende. «Die Mauer war offen», sagt Ulrike Feine heute, 30 Jahre später. «Jetzt ist die Mauer wieder zu.» Sie meint den Zaun.

Der Einspruch verhallte

Im Oktober 1996 bot der Staat die Halbinsel Wustrow weltweit zum Verkauf an. «Catch your island» war das Motto der Ausschreibung der Treuhand ­Liegenschaftsgesellschaft (TLG). «Eine Halbinsel zu neuem Leben erwecken», steht über dem Vorwort, alles zweisprachig, auf Deutsch und Englisch. «Nach einer bewegten Vergangenheit beginnt nun eine Zukunft, die geprägt sein soll von Erholung, Freizeit und Wohnen.» Die Einleitung endete so: «Hier legen Sie gut an.»

Drei Bewerber kamen in die Endauswahl, die Stadt Rerik favorisierte den sanften, autofreien Entwurf einer schwäbischen Firma. Treuhand und Bundesfinanzministerium entschieden sich für Jagdfeld, seine Fundus-Gruppe bekam die Halbinsel sogar wie verlangt inklusive Naturschutzgebiet. «Fast verschenkt worden» sei Wustrow, sagt Maria Pinkis. Der Quadratmeterpreis: ungefähr 1.25 Mark. Für die Reriker fühlte es sich an, als sei ihre Nachbarschaft verhökert worden, ihr Einspruch verhallte.

Die Kritiker glauben, es lag an den besten Beziehungen des Käufers. Ganz falsch liegen sie damit wohl nicht. «Wustrow und Heiligendamm wollte keiner machen», sagte Jagdfeld 2018 der «Ostsee-Zeitung». «Ich hätte das nicht gemacht, wenn mich Helmut Kohl und Theo Waigel nach dem Wiederaufbau des Adlon nicht darum gebeten hätten. Die Wiedervereinigung war teuer, man brauchte mutige Unternehmer.» Die Causa Wustrow war auch Thema im Bundestag, mit kritischen Anfragen von PDS und Grünen.

1998 übernahm Jagdfelds Compagnie, mit Wachmann. Ulrike Feine sagt: «Das war so ein Gefühl, dass da wieder dichtgemacht wurde. Neue Mauer, alte Struktur.»

Reicher Wessi sichert sich Schnäppchen im Osten, die alte Leier? Solche Geschichten enden gewöhnlich damit, dass der Reichere gewinnt. Doch Anno ­August Jagdfeld stösst seitdem auf Reriker Gegenwehr. «Er beisst seit 20 Jahren auf Granit», sagt Ulrike Feine. «Das liegt auch ein bisschen an diesem Menschenschlag hier.» Ihr kommt es vor wie ­David gegen Goliath. Oder wie das ­gallische Dorf.

Die Entwicklungs-Compagnie beauftragte Entwickler aus Miami, auf Zeichnungen wurden die verfallenen Gebäude auf der Halbinsel Wustrow zu schicken Landhäusern. «Bürgernahe Projektentwicklung mit renommierten Stadtplanern», stand da zu lesen. In Rerik hielt man vor allem das Verkehrskonzept für dreist. Und der Investor trug auch nicht zur Entspannung bei: «Jeder, der schon einmal Sandburgen am Strand gebaut hat, meint, dass er bei so einem Projekt mitreden kann», sagte Jagdfeld 1998 dem «Spiegel». So herrschte jahrelang Stillstand. Bis Jagdfelds Gegner 2018 Bewegung spürten.

Maria Pinkis entdeckte durch einen Feldstecher, wie sich ein LKW mit Bauschutt näherte. Die Bürgerinitiative blockierte den Weg. Sie zweifelt auch an den Zahlen über den Baumbestand auf Wustrow, Luftaufnahmen zeigen Schneisen, die da vorher nicht waren. Mal stieg Rauch auf – Brandrodungen. Mal waren Schüsse und Explosionen zu hören. Polizeiübungen, meldeten die Behörden. Ulrike Feine sagt, 2018 seien sie richtig aufgewacht.

Vor der Kommunalwahl 2019 traten sie, Maria Pinkis und andere in die SPD ein. Denn Reriks SPD-Bürgermeister Wolfgang Gulbis stemmt sich seit je gegen Jagdfelds Vorstellungen. 59,8 Prozent der Stimmen erreichte die SPD bei der Wahl. Maria Pinkis sitzt seitdem im Reriker Stadtrat und wie Ulrike Feine in Ausschüssen. Der Kampf um Wustrow hat sie zu Rebellinnen mit Mandat gemacht. Die Bürgerinitiative «Wir in Rerik» fordert den Rückkauf der Halbinsel Wustrow durch Stadt oder Land. Einen Naturpark mit freien, ausgewiesenen Wegen. Sie warnt vor Lärm und Blech und Hochpreisen, falls sich Jagdfeld durchsetzt. «Das werden wir nie wieder stoppen können», heisst es auf der Website. «Ausser jetzt.» Mehr als 6000 Unterschriften wurden für die Schliessung der Zufahrt und gegen den Ausbau der Halbinsel gesammelt.

Ein kühler Morgen, ein Eisentor schwingt auf. Edelgard und Klaus ­Feiler betreten die verkaufte Halbinsel Wustrow, hinter sich mehrere Begleiter. Zehn Euro pro Person kostet der Ausflug, man muss auf einer Liste unterschreiben. Begehung auf eigene Verantwortung – stets nahe den Guides. Auch der Hund der Feilers kommt mit. «Wir stehen hier auf Privateigentum», sagt Klaus Feiler. Ein Aufpasser der Entwicklungs-Compagnie fährt im Kleinwagen vorbei und prüft alles durch ein Fernglas, Dünen, Steilküste, Strand, Meer.

Schlaglöcher im Granit

«Gartenstadt» nannten die Nationalsozialisten den Ort zynisch. Man erreicht die frühere Garnison auf Wustrow durch die Ludendorffgasse, russische Panzerketten haben Schlaglöcher in den Granit gerissen. Zwischen Pflastersteinen wächst Gras, der Wind bläst das Laub umher. Von 1933 an hatte die Reichswehr das vormalige Landgut in eine Artillerie-flakschule verwandelt. Adolf Hitler kam mit Benito Mussolini vorbei, 1943 machte Helmut Schmidt hier kurz Dienst. Für die UdSSR war dieser abgeriegelte ­Flecken der DDR später ein praktischer Vorposten, nach Lübeck sind es keine 100 Kilometer.

Edelgard und Klaus Feiler führen vorbei an verwitterten Wänden und hohlen Fenstern. Betreten der Häuser verboten, Einsturzgefahr. Kürzlich wurde eine Szene des Krimis «Polizeiruf 110» hier gedreht. Die Feilers zeigen die Überbleibsel von Kantine, Klinik, Kino, deutscher Schule, nachmals russisches Kulturhaus. Ginge man durch den Wald, käme man zum Tower, vor den die Russen Flugzeugattrappen stellten, um den Klassenfeind zu irritieren.

Das Ehepaar Feiler erzählt solche ­Anekdoten und von Fledermäusen, Kohlsuppe, Veteranen, sie haben das Buch «Die verbotene Halbinsel Wustrow» ­geschrieben. Ihre Führungen dürfen sie seit einigen Monaten wieder anbieten, jahrelang hatte sie Jagdfelds Compagnie untersagt gehabt. Auch Kutschenfahrten finden zuweilen statt. Zeichen des ­guten Willens, sagt Klaus Feiler. Fundus wolle «mit Rerik wieder ins Gespräch kommen», aber der Streit sei Sache «von Fundus und den Stadtverantwortlichen». Maria Pinkis fuhr mal in der Kutsche mit, Ulrike Feine fühlt sich bei solchen Touren nicht willkommen.

Natürlich würde man gerne mit dem Investor Anno August Jagdfeld sprechen. Was sind nach 21 Jahren seine Pläne für die Halbinsel, in Zeiten von Niedrigzins und Bauboom? Nach langem Warten gibt es tatsächlich einen Interview­termin, kurz davor aber wird er wieder abgesagt. Jagdfeld (73) ist wegen eines Dortmunder Milliardenprozesses in ­anderer Sache verhindert. Die Entwicklungs-Compagnie informiert über ihre neue Website, dort erzählt sie seit dem ersten Advent 2019 Stück für Stück ihre Version. Das Duell um Wustrow findet nun auch im Netz statt.

Schliesslich meldet sich der Compa­gnie-Sprecher Birger Birkholz. Das Projekt Wustrow, sagt er, stehe «nicht infrage», aber ja, es sei «lange liegen geblieben». Man wolle «neu aufrollen, wir wollen ja bebauen». Er benutzt Wörter wie «Qualität» und «Nachhaltigkeit». Geplant seien «550 Wohneinheiten» in etwa 90 Häusern, als «Erstwohnsitz, Zweitwohnsitz und Feriendomizil». Ein Hotel mit 60 Zimmern. Kein Golfplatz.

Sein Chef Jagdfeld hatte in einem Interview 2019 angekündigt, das Volumen für Wustrow bewege sich «im Bereich von mehreren Hundert Millionen Euro». Aus seiner Sicht könnten «in vier bis fünf Jahren die ersten Häuser stehen». Birkholz rechnet jetzt erst mal mit jahrelanger Planung und Erschliessung. Mit der Internetsite werbe man bei den Rerikern «um Grundverständnis». Die nächsten Wahlen in Rerik sind 2024.

Maria Pinkis lacht. «Er blendet die Leute», sagt sie.

Die Frauen stehen am verriegelten Compagnie-Tor zur Halbinsel, Aufschrift «Lebensgefahr». Es wird schnell dunkel, hinter dem Zaun ist nirgendwo Licht zu sehen. Es ist zwar das Reich eines Investors, der nicht bauen kann. Aber jetzt ist es vor allem das Reich der Fledermäuse.

Erstellt: 08.02.2020, 13:06 Uhr

In Zahlen

12,5
Millionen Deutsche Mark bezahlte der Unternehmer Anno August Jagdfeld 1998 für die Halbinsel Wustrow. Verkäufer war das wiedervereinte Deutschland.

4 bis 5
Jahre soll es noch dauern, bis die ersten Häuser nun endlich in Wustrow stehen werden. Damit rechnet der Unternehmer Jagdfeld. Es soll ein Volumen von mehreren 100 Millionen Euro investiert werden.

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