Viola Amherd, ein Medienopfer?

Der «Walliser Bote» berichtet über ein Gerichtsurteil gegen die CVP-Frau – und wird dafür angeprangert.

Soll zu viel Gebäudemiete eingenommen haben: CVP-Nationalrätin Viola Amherd. Bild: Keystone

Soll zu viel Gebäudemiete eingenommen haben: CVP-Nationalrätin Viola Amherd. Bild: Keystone

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Hat ein Gericht Sie verurteilt, jemandem 250'000 Franken zurückzuzahlen? Ist das Gericht zum Schluss gekommen, dass Sie sich die Viertelmillion unrechtmässig angeeignet haben? Fänden Sie es normal, alltäglich und keines Aufhebens wert, wenn gegen Sie ein solches Urteil vorläge?

Die Unterstützer von Viola Amherd, möglicher CVP-Bundesratskandidatin, finden: Ja, so ist es. Darauf lassen die Reaktionen schliessen, nachdem der «Walliser Bote» am Mittwoch ein Verdikt des Briger Bezirksgerichts publik gemacht hat. Laut dem Gericht hat Amherd von einer Firma 250'000 Franken zu viel Gebäudemiete eingesackt. Die Walliser CVP-Nationalrätin ficht das Urteil vor Kantonsgericht an. Doch statt dass über die Affäre und ihre Folgen für die Bundesratswahl diskutiert wird, gerät die Zeitung ins Visier, die als erste darüber schrieb.

Die simplere Betrachtungsweise

So etwa beim «Echo der Zeit» von Radio SRF, das am Mittwochabend über den Fall berichtete. Das Urteil gegen Amherd war der Sendung kaum drei Sätze wert. Dafür beklagte der Berichterstatter ausführlich die Verschwörung durch Gegner, der die «hervorragende» Politikerin nun zum Opfer falle. Andere Medien nahmen das Narrativ auf. Die «Aargauer Zeitung» etwa konstatierte ein «Kesseltreiben» durch den «Walliser Boten» und verwies auf ein kritisches Porträt, das dort kurz zuvor erschienen war. Dass auch die CVP Oberwallis und weitere Verbündete von «tendenziöser Verunglimpfung» Amherds sprachen, überrascht da kaum noch.

Vielleicht drängt sich eine simplere Betrachungsweise auf. Der «Walliser Bote» hat im Fall Amherd schlicht seinen Job gemacht. Gute Regionaljournalisten sind nicht Claqueure ihrer Obrigkeiten. Sie decken auf, was die (Lokal-)Mächtigen verstecken wollen. Wer einer Zeitung eine Information zuträgt, das kann natürlich ebenfalls von Bedeutung sein – im Fall Amherd allerdings von nachgelagerter. Bundesrat ist das höchste politische Amt der Schweiz. Wenn eine potenzielle Kandidatin in Rechtshändel verstrickt ist, muss das thematisiert werden. Der «Walliser Bote» hat es sauber und fair getan. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 12.10.2018, 19:57 Uhr

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