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Wissenschaftler dürfen Haltung zeigen

Wenn es die wissenschaftliche Sachlage erlaubt, soll ein Forscher pointierte Statements machen.

Wissenschaftler, deren Forschung Politik und Gesellschaft ­direkt beeinflusst, stehen oft vor einem Dilemma. Wie weit dürfen sie mit ihrer Botschaft gehen? Ist eine Empfehlung bereits ein politisches Statement? Verlieren sie als unabhängige Köpfe an Glaubwürdigkeit, wenn sie Forderungen stellen?

Zum Beispiel die 166 Persönlichkeiten, die meisten Professorinnen und Professoren der ETH Zürich und der EPFL Lausanne: Sie fordern in einem Brief an die Pensionskasse des Bundes, Publica, dass sie sämtliche Investitionen in klimaschädliche Unternehmen abziehen soll.

Diese Aufforderung erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem es wissenschaftlich keine Zweifel mehr daran gibt, dass der Mensch die Hauptverantwortung für den ­Klimawandel trägt. Studien von ETH-Forschern bestätigen immer wieder, dass dies längst keine These mehr ist, sondern Realität.

Die Öffentlichkeit spricht einem Forscher schnell die Glaubwürdigkeit ab, wenn seine Ergebnisse nicht dem Konsens entsprechen.

Es ist vor diesem Hintergrund nur folgerichtig, wenn die Wissenschaftler der Pensionskasse die Konsequenzen daraus aufzeigen. Auch der bekannte Berner Klimaforscher Thomas Stocker erlaubt sich heute pointiertere Aussagen in der Öffentlichkeit als noch vor zehn Jahren.

Die meisten ETH-Professoren haben den Brief an die Publica jedoch nicht unterzeichnet. Auch das ist verständlich. Die Erfahrung zeigt: Die Öffentlichkeit spricht einem Forscher schnell einmal die Glaubwürdigkeit ab, wenn seine Ergebnisse nicht dem Konsens entsprechen. Dem Weltklimarat wurden jahrelang eine zu grosse Nähe zur Politik und fehlende ­Unabhängigkeit nachgesagt. Selbst dann noch, als Studien die Kritik als haltlos entlarvten.

Wissenschaftler beschaffen in erster Linie Daten für die Entscheidungsfindung der Politik. Aber wenn die Resultate unabhängiger Forschung eindeutig sind, ist für einen Forscher eine klare Haltung zulässig.

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