Wo ist der Kopf der Mumie?

Im irischen Dublin haben Grabschänder einen 800 Jahre alten Kopf geraubt. Das könnte ihnen Probleme einbringen.

Brutal geköpft: Diebe raubten den Kopf des mumifizierten Kreuzfahrers aus dem 13. Jahrhundert. Bild: Kim Haughton / Alamy Stock Photo

Brutal geköpft: Diebe raubten den Kopf des mumifizierten Kreuzfahrers aus dem 13. Jahrhundert. Bild: Kim Haughton / Alamy Stock Photo

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Die Diebe kamen gerüstet, brachten Brechstangen und Werkzeug mit. Sie rissen die schwere Stahltür aus den Angeln und verschafften sich Zutritt zur Krypta unter der Kirche St. Michan’s mitten in Dublin. «Ich kann einfach nicht begreifen, dass jemand so etwas Wahnsinniges tun sollte», sagte Pfarrer David Pierpoint diese Woche sichtlich erschüttert vor der Presse.

Gestohlen wurde weder Gold noch Grabschmuck, sondern der Kopf der Kreuzfahrer-Mumie, 800 Jahre alt. «Der Kopf ist weg», bestätigte Pier-point, und die übrigen Überreste des Mannes seien schlimm beschädigt worden, die Beine in den Brustkorb hochgedrückt, die Arme verdreht. Eine weitere, nur etwa 300 Jahre alte Mumie namens «Die Nonne» sei bewegt und die Inhalte eines Sarges im Keller verstreut worden, die Polizei ermittelt, die Gruft bleibt geschlossen. «Unser grösstes Anliegen ist es, den abgetrennten Kopf in irgendeiner Form zurückzuerhalten, sodass wir den Kreuzfahrer in Frieden ruhen lassen können», sagte der Pfarrer. Die Mumie mag ein berühmtes Exponat sein, aber doch zuallererst der Überrest eines Menschen.

Die St.-Michan’s-Kirche ist ein viel besuchter Ort in Dublin, und sie zieht nicht nur Liebhaber des Morbiden und infantile Ghost-Tour-Touristen an. Sie besteht seit 1095, auch wenn die Hauptmauern jünger sind. Auf ihrer Orgel soll Georg Friedrich Händel seinen «Messias» geübt haben, vor der Uraufführung im April 1742. In den engen, unterirdischen Grabkammern liegen die Gebeine vieler bekannter Dubliner Familien. Auch die Totenmaske des Nationalistenführers Wolfe Tone (1763–1798) ist hier ausgestellt, ernst und weiss.

Ein Kirchgänger aus der Nachbarschaft

Das Spektakulärste aber sind die Mumien: Weil der Kalkstein der Kellerwände der Luft Feuchtigkeit entzieht und der besondere Boden den Sauerstoffgehalt in den Räumen offenbar zusätzlich verringert, sind einige der hier aufbewahrten Körper auf natürliche Weise mumifiziert.

Über den Kreuzfahrer ist so gut wie nichts bekannt. Er war für das 13. Jahrhundert unfassbar gross, 1,98 Meter. Seinen martialischen Übernamen verdankt er wahrscheinlich seinen gekreuzt platzierten, im Sarg absichtlich gebrochenen Beinen. Ob es banal darum ging, den langen Mann in den Sarg zu bekommen, ist umstritten. Von bewaffneten Reisen nach Jerusalem aber scheint nichts bekannt. Auch wo der Leichnam vor der Konstruktion der heutigen Keller im 17. Jahrhundert lagerte, ist unbekannt. Die Kirche geht selbstbewusst davon aus, dass der Mann ein Kirchgänger aus der Nachbarschaft war.

Diebe sollen «ihr Gewissen prüfen»

Sicher ist eins. Viele Jahre lag er friedlich und ungestört im offenen Sarg neben weiteren Mumien. Als 1996 einmal Teenager in die Krypta von St. Michan’s eindrangen und Fussball mit dem Schädel eines toten Mädchens spielten, blieb er verschont. Nun ist der Kreuzfahrer brutal geköpft worden. «Ich muss sagen, ich bin angewidert», sagte Pfarrer Pierpoint.

Dublins Erzbischof Michael Jackson hat die Diebe aufgefordert, «ihr Gewissen zu prüfen» und den Kopf zurückzubringen. Auch weil dieser an der Luft wohl schnell verwesen wird. Einen Markt für derlei Reliquien gebe es kaum, schreibt die Polizei.

Update vom 6. März 2019: Die irische Polizei hat den Kopf der Mumie wiedergefunden. Erzbischof Jackson zeigte sich «erfreut». Ein weiterer gestohlener Schädel blieb jedoch weiterhin unauffindbar. Die Ermittlungen dauerten an. (sda)

Erstellt: 28.02.2019, 21:38 Uhr

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