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Zürich sagte Ja zu einem anderen Zentrum

Das Staatssekretariat für Migration übermarcht im Sicherheitsdispositiv des neuen Bundesasylzentrums.

Der Betrieb des Bundesasylzentrums auf dem Zürcher Duttweiler-Areal erinnert an eine Kaserne. Foto: Christian Beutler (Keystone)
Der Betrieb des Bundesasylzentrums auf dem Zürcher Duttweiler-Areal erinnert an eine Kaserne. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Schulkinder werden beim Heimkommen gefilzt, spontane Zimmerkontrollen können jederzeit stattfinden, für sämtliche Einkäufe sind Quittungen vorzuweisen. Kaugummi, Schminke und Kugelschreiber sind verboten. Im Bundesasylzentrum auf dem Zürcher Duttweiler-Areal sind vor zwei Wochen die ersten Asylsuchenden eingezogen.

Als «nicht menschenwürdig» kriti­sierte Stadtrat Raphael Golta die Umsetzung der Hausordnung und des Sicherheitsdispositivs des Staatssekretariats für Migration (SEM) im Bundesasylzentrum. «In der Stadt Zürich muss ein solches Zentrum anders geführt werden.» Raphael Golta geht auf die Barrikaden. Und Golta hat recht.

Raphael Golta geht auf die Barrikaden. Und Golta hat recht.

Am 24. September 2017 sagte die Zürcher Stimmbevölkerung mit überwältigenden 70 Prozent Ja zum Bau des Bundesasylzentrums. In der Abstimmungszeitung klang es aber nach einem anderen Zentrum. Die Zürcherinnen und Zürcher sagten Ja zu einem «zwei- bis dreigeschossigen Gebäude mit einem grossen Innenhof, das Zweckmässigkeit, Schutz und Wohnlichkeit vereint». Zu einer «Loge» im Eingangsbereich und zu einem «halböffentlichen Begegnungsraum, wo der Austausch mit dem Quartier und die Realisierung von privat initiierten Projekten möglich sind».

Das Bundesasylzentrum, wie es heute in Betrieb ist, erinnert an eine Kaserne (lesen Sie hier mehr über die Zustände im Asylzentrum). Im Innenhof dürfen die Kinder keinen Fussball spielen, damit die Scheiben nicht kaputtgehen. Kinderwagen in den Gängen und Milchprodukte insgesamt sind verboten. Der Begegnungsraum ist bloss für drei Stunden an Werktagen geöffnet. Ab 20 Uhr müssen alle drin, um 22 Uhr auf dem Zimmer sein. Wer zu spät kommt, schläft in der «Loge» im Eingang.

Das SEM lässt die Kritik aus Zürich abprallen. Es gebe Kinderkrankheiten, das Zentrum entspreche jedoch den gängigen Standards. Um das Leben auf dem Duttweiler-Areal zeichnet sich also ein Powerplay zwischen Stadt und Bund ab. Am Ende wird sich zeigen, wer mehr zu sagen hat: die Stadt, in der es steht, oder der Bund, der es bezahlt.

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