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Filmfestival VenedigCoppola, die Nächste bitte!

Sie ist die Enkelin des Kino-Godfathers Francis Ford Coppola. In «Mainstream» beleuchtet Gia Coppola den Aufstieg und Fall von zwei fiktiven Youtube-Stars. Wie zeitgemäss ist das denn?

Hauptdarstellerin Maya Hawke und Regisseurin Gia Coppola in Venedig.
Hauptdarstellerin Maya Hawke und Regisseurin Gia Coppola in Venedig.
Foto: Andrea Avezzu

Ihr Grossvater heisst Francis Ford, ihre Tante Sofia, ihr Onkel Roman. Und ja, das «Familienbusiness» Coppola verpflichtet: Gia Coppola, die ursprünglich Fotografie studierte, debütierte 2013 mit der melancholischen Coming-of-Age-Collage «Palo Alto». Jetzt, sieben Jahre später, schlägt die 33-jährige Regisseurin ungleich drastischere Töne an.

«Mainstream» ist ein Film über den Aufstieg und Fall von Social-Media-Stars, welche mit Youtube-Clips die anonymen Massen bespassen. Als Inspiration diente eine Freundin von Coppola. «Ich war verdutzt und verstand überhaupt nicht, was sie da machte», erklärt die Regisseurin in einem Interview. «Aber meine Freundin sagte: ‹Das ist Mainstream, so Mainstream, dass es der Mainstream gar nicht kapiert.›»

Die Hauptrolle spielt nun Maya Hawke – Tochter von Ethan Hawke und Uma Thurman –, die als Frankie in ihrer Freizeit eben solche Youtube-Filmchen dreht, weil sie von ihrem Kellnerinnendasein im miesen Comedyclub angeödet ist. Und irgendwas mit Kunst machen will.

Andrew Garfield und Maya Hawke im Film «Mainstream».
Andrew Garfield und Maya Hawke im Film «Mainstream».
Foto: PD

Aber siehe da: Bald läuft Frankie ein Sonderling im Mauskostüm über den Weg, der sich als No One Special (Andrew Garfield) vorstellt und vor ihrer Kamera immer durchgeknalltere Acts liefert. Der Youtube-Gemeinde gefällts, das Duo (bald um einen Schreiber zum Trio ergänzt) bekommt eine eigene Show. Doch da sind die Dinge längst aus dem Ruder gelaufen, weil No One Special mit immer grossspurigerem Gebahren Gäste und Gleichgesinnte erniedrigt und verhöhnt, um mehr und mehr Likes zu bekommen.

Ein aufgepepptes Handyfeuerwerk im Leinwandformat

Das alles ist von Coppola betont flashy inszeniert, mit dröhnendem Elektropop unterlegt, ein aufgepepptes Handyfeuerwerk im Leinwandformat, sozusagen. Aber darum gehts ja auch in der Show: Will man lieber sein Phone oder seine Würde behalten? Frankie, von der Eigendynamik ihres Partners je länger je befremdeter, kotzt schliesslich Emojis in ein Waschbecken – eine Verschmelzung von Inhalt und Form, ein zweifelhaftes Bild aber auch, was die Abgrenzung zwischen Erzähltem und Erzählendem betrifft. Was wird da eigentlich gezeigt?

«Mainstream» hat ja mit Zwischentiteln begonnen, wie sie in der Stummfilmzeit üblich waren, um die Gedankenwelt der Heldin wiederzugeben. Auf einer der Tafeln liest man: «Vielleicht ist Frankie nur ein old-fashioned girl in einer modernen Welt.»

Das ist eine nicht ganz stubenreine Fährte, denn Coppola will auf einen viel jüngeren Referenzpunkt verweisen: Elia Kazans «A Face in the Crowd» (1957). Darin ebnet eine Radioreporterin einem Nobody die Karriere zum Fernsehstar. «Mir schwebte für ‹Mainstream› ähnliches vor», sagt die Regisseurin, «der Übergang vom Fernsehen zum Internet.»

Fernsehen? Ein Echo auf jenes klassische Medium ist zwar vernehmbar, aber die Film-Zwischentitel sind irgendwann weg, die Helden crazy, hohl, enttäuscht oder alles aufs Mal. Und man könnte sagen: «Mainstream» ist eine symbolische Fackellampe, die mit Retrochic-Häppchen der Influencer-Moderne beizukommen versucht, sich irgendwann aber selber ankokelt. Die Message ist verloren gegangen, was bleibt, ist der Schein. Schade, eigentlich. Am Filmfestival Venedig ist der Film auf enorme Resonanz gestossen – jede einzelne Vorführung war ausverkauft.