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Coronavirus weltweit+++ Britische «Pandemie-Helden» fühlen sich abgespeist +++ Deutsche Polizei löst diverse Partys auf

Bei dem britischen Projekt wurden junge, gesunde Menschen ausgewählt. Internationale News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In einer Trendwende hat die Zahl der neuen Fälle von Covid-19 jüngst weltweit wieder zugenommen.

  • Die Lockerung von Gesundheitsmassnahmen, Corona-Müdigkeit und die Verbreitung mutierter Viren dürften damit zu tun haben.

  • Weltweit laufen gigantische Impfprogramme (Zum Vergleich).

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Britische «Corona-Helden» fühlen sich abgespeist

Die Helden sind empört. «Schlag ins Gesicht», «erbärmlich», «schlimmstmögliche Beleidigung»: Fassungslos und gekränkt reagieren Verbände, Gewerkschaften und Opposition in Grossbritannien, seitdem bekannt wurde, dass die hoch gelobten Pflegekräfte des Nationalen Gesundheitsdiensts NHS nur eine Lohnerhöhung um 1 Prozent erhalten. Die «Schutzengel der Nation" sehen sich mit Brotkrumen abgespeist. Die Regierung habe ihnen eine lange versprochene Lohnerhöhung entrissen – schon ist die Rede von Streik.

Gewerkschaften warnten vor einem «Exodus» von Fachkräften. Angesichts einer erwarteten Inflation von 1,5 Prozent handele es sich um eine Reallohnkürzung, betonte die Oppositionspartei Labour. Unterm Strich hätten neu eingestellte Pflegekräfte gut 300 Pfund (rund 350 Euro) weniger im Portemonnaie in den kommenden Jahren. Am Sonntag wollten NHS-Mitarbeiter in London und Manchester demonstrieren.

Für die Regierung ist es ein Streit zur Unzeit. Noch immer kämpft das Land mit der Corona-Pandemie, liegen Tausende Corona-Patienten in Kliniken. Zwar hat Premierminister Boris Johnson einen durchaus realistischen Stufenplan zum Ende der Corona-Massnahmen angekündigt. Doch dass der Regierungschef, der sich oft kumpelhaft mit NHS-Kräften gezeigt hat und selbst wegen einer Covid-Erkrankung tagelang im Krankenhaus behandelt wurde, nun den Einsatz der «Frontkämpfer» nicht belohnt, nagt am mühsam aufgebauten Image des Krisenmanagers.

Deutsche Polizei löst diverse Partys auf

Die Polizei hat am Wochenende wieder diverse grössere Coronapartys und ähnliche Veranstaltungen aufgelöst. Im niedersächsischen Westergellersen beendeten Beamte am Samstag einen illegalen Boxkampf mit dutzenden Zuschauern, wie die Polizei in Lüneburg am Sonntag mitteilte. Demnach war in einer Scheune ein Ring aufgebaut, in dem gekämpft wurde. Bis zu 40 Menschen beobachteten den Kampf teils ohne Gesichtsmasken.

Aber auch in Saarbrücken, Frankfurt am Main, München, Freibiurg i. B. und in Stöttwang im Allgäu musste die Polizei wegen grösseren Menschenansammlungen ausrücken.

Grossbritannien infiziert Freiwillige

In Grossbritannien sind die ersten Freiwilligen im Zuge einer Studie mit Corona infiziert worden. Die sogenannten Human-Challenge-Analysen hätten am Samstag begonnen, bestätigte das britische Gesundheitsministerium der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Nach früheren Angaben der britischen Regierung handelt es sich um die erste Studie weltweit, bei der Menschen gezielt mit Sars-CoV-2 infiziert werden.

«Das Human-Challenge-Programm wird die Entwicklung von Impfstoffen und Behandlungen gegen Covid-19 verbessern und beschleunigen», sagte eine Sprecherin des Ministeriums. «Die erste Gruppe von Freiwilligen hat nun am Royal Free Hospital in London mit der Virus-Charakterisierungs-Studie begonnen.» Die Probanden würden «in einer sicheren und kontrollierten Umgebung dem Virus ausgesetzt, rund um die Uhr überwacht von Medizinern und Wissenschaftlern», hiess es.

Human Challenge Trials, bei denen gesunde Menschen einem Erreger ausgesetzt werden, kamen in der Vergangenheit zum Beispiel bei der Entwicklung von Grippe- oder Malaria-Impfstoffen zum Einsatz. Allerdings wurde den Probanden dabei – anders als nun bei der britischen Studie – zunächst ein potenzieller Wirkstoff verabreicht.

CDU-Abgeordneter zieht sich nach Masken-Skandal zurück

Für die Vermittlung von Corona-Schutzmasken hatte der CDU-Politiker Nikolas Löbel etwa 250'000 Euro (zirka 277'000 Franken) kassiert. Jetzt zieht er die Konsequenzen aus der Affäre und tritt aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion aus, wie Spiegel online meldet. Sein Abgeordnetenmandat will er Ende August niederlegen und auch nicht mehr bei der Bundestagswahl kandidieren. Parteikollegen forderten Löbel auf, sein Mandat unverzüglich niederzulegen.

In einem Schreiben seines Büros heisst es: «Mitglied des Deutschen Bundestages zu sein und meine Heimatstadt Mannheim dort vertreten zu dürfen, ist eine grosse Ehre und besondere moralische Verpflichtung. Diese Ansprüche habe ich mit meinem Handeln verletzt. Dafür möchte ich mich bei allen Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes entschuldigen.»

Über Maskenaffäre gestolpert: CDU-Abgeordneter Nikolas Löbel.
Über Maskenaffäre gestolpert: CDU-Abgeordneter Nikolas Löbel.
Foto: Jörg Castensen (DPA/Keystone/Archiv)

Löbel hatte bestätigt, Provisionen in Höhe von 277'000 Franken bei Bestellungen von Schutzmasken kassiert zu haben. Demnach bot der 34-Jährige Unternehmen aus dem Gesundheitssektor an, ihnen Schutzmasken einer Firma aus dem Bundesland Baden-Württemberg zu vermitteln.

Chile spendet Impfstoff-Dosen an andere Länder

Chile hat eine Solidaritätslieferung von 40'000 Impfstoff-Dosen gegen das Coronavirus an Ecuador und Paraguay geliefert. Das Vakzin des chinesischen Herstellers Sinovac soll dem medizinischen Personal in beiden Ländern verabreicht werden, wie die Regierung in Santiago mitteilte. Die Spende habe «keinen Einfluss» auf den Impfstoff-Bestand oder den Impfplan in Chile, betonte Innenminister Rodrigo Delgado.

Experten fordern Verschärfungen in Italien

Wegen steigenden Corona-Werte in Italien fordern Experten von der Regierung eine Verschärfung der Schutzmassnahmen. Der Wissenschaftlich-Technische-Aussschuss, der das Kabinett von Ministerpräsident Mario Draghi unterstützt, rät Rom zu erhöhten Schutzmassnahmen, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Samstagabend schrieb. Der Ausschuss hatte zuvor in seinem Wochenbericht gewarnt, das Corona-Risiko habe sich das fünfte Mal in Folge verschlechtert.

In Italien war erst am Samstag ein neues Dekret in Kraft getreten, in dem inländische Reisesperren bis 27. März verlängert worden waren. Eine nächtliche Ausgangssperre gilt weiter. Italienische Medien gingen am Sonntag davon aus, dass Premier Draghi das Regelwerk in Kürze verschärfen dürfte.

Ein fast leerer Platz am Sonntag mitten in Neapel.
Ein fast leerer Platz am Sonntag mitten in Neapel.
Ein fast leerer Platz am Sonntag mitten in Neapel.
Foto: Cesare Abbate (Keystone/6. März 2021)

Nach Angaben der Gesundheitsexperten stieg die Anzahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) in dem Mittelmeerland für die Woche vom 22. bis 28. Februar deutlich auf rund 195 Fälle. In Deutschland lag der Wert am Sonntagmorgen bundesweit bei rund 66.

Daimler will Mitarbeiter von Werksärzten impfen lassen

Der deutsche Automobilkonzern Daimler will seine Mitarbeiter von Betriebsärzten gegen das Coronavirus impfen lassen. «Unsere Werksärzte sind vorbereitet, und wir würden gerne die Impf-Kampagne unterstützen», sagte der Konzernchef Ola Källenius der «Bild am Sonntag».

«Sobald es erlaubt ist, dass in Betrieben geimpft wird und die Mitarbeiter an der Reihe sind, können wir loslegen und all unseren Beschäftigten eine Impfung im Werk anbieten.» Das Unternehmen stehe dazu in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden, hiess es.

Angesichts des schleppenden Fortgangs der Impfkampagne in Deutschland sollen ab Ende März auch Hausärzte in ihren Praxen Impfungen vornehmen. Von der Einbindung der Hausärzte und auch der Betriebsärzte in die Impfstrategie erwarten die Gesundheitsbehörden eine Beschleunigung. Bisher werden die Coronavirus-Impfstoffe in Deutschland in erster Linie in den Impfzentren oder durch mobile Teams in Altenheimen verabreicht.

Dalai Lama erhält Erstimpfung

Der Dalai Lama ist gegen das Coronavirus geimpft worden und hat mehr Menschen dazu aufgerufen, es ihm gleichzutun. Das geistige Oberhaupt der Tibeter erhielt am Samstag in einem Krankenhaus der nordindischen Stadt Dharamsala die erste Dosis einer Covid-19-Impfung, wie sein Büro auf seinem offiziellen Twitterkonto mitteilte. Ein Video zeigte, wie der 85-Jährigen eine Spritze in den rechten Oberarm bekam. «Mehr Menschen sollten den Mut haben, sich für die Injektion zu entscheiden», sagte der Dalai Lama. Das sei sehr wichtig, deshalb teile er das.

«Um ernsthafte Probleme zu verhindern ist diese Injektion sehr, sehr hilfreich und sehr gut»: Der Dalai Lama bei seiner Impfung gegen das Coronavirus.
«Um ernsthafte Probleme zu verhindern ist diese Injektion sehr, sehr hilfreich und sehr gut»: Der Dalai Lama bei seiner Impfung gegen das Coronavirus.
KEYSTONE

Angaben dazu, welchen Impfstoff er erhielt, enthielt der Tweet nicht. In Indien wird neben dem heimischen Impfstoff Covaxin vor allem der Impfstoff von Astrazeneca genutzt, der unter dem Namen Covishield zu günstigen Preisen in dem Land hergestellt und auch exportiert wird.

Der Dalai Lama wirbt für die Rechte der Tibeter und will für sie im Dialog mit China kulturelle und religiöse Freiheiten innerhalb der Volksrepublik erreichen. Für seinen Einsatz wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Die chinesischen Behörden sehen ihn als Separatisten und verbieten ihm die Heimkehr. Er lebt in Indien.

Auckland lockert Corona-Massnahmen wieder

Nach einwöchigem Lockdown sind am Sonntag in der neuseeländischen Millionenstadt Auckland die Corona-Beschränkungen gelockert worden. In der grössten Stadt des Landes durften Schulen und Geschäfte wieder öffnen. Zudem sind Versammlungen von bis zu 100 Menschen unter Einhaltung von Abstandsregeln wieder erlaubt. Im Rest des Landes wurden die Corona-Massnahmen bis auf eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr ganz aufgehoben.

Nach der Meldung einer einzigen Corona-Neuinfektion war in Auckland am vergangenen Sonntag ein Lockdown verhängt worden. Die neuen Regelungen in der 1,6 Millionen-Einwohner-Stadt sollen zunächst mindestens fünf Tage lang gelten.

Das Land meldete am Sonntag nur einen neuen Fall von Covid-19, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Neuseeland gilt als Musterland in der Corona-Pandemie. In dem Land mit 4,8 Millionen Einwohnern wurden bisher 2043 Infektionsfälle nachgewiesen, 26 Menschen sind nach einer bestätigten Corona-Infektion gestorben.

Gilt als Musterland in der Corona-Pandemie: Neuseeland.
Gilt als Musterland in der Corona-Pandemie: Neuseeland.
KEYSTONE
Ermutigende Testergebnisse für Covid-19-Medikament

Der deutsche Pharmakonzern Merck und sein US-Partner berichten von ermutigenden ersten Ergebnissen bei der Entwicklung ihres Covid-19-Medikaments Molnupiravir. Das Medikament habe bei Testpersonen nach fünftägiger Behandlung deren Virenlast erheblich reduziert.

Dies teilten Merck und sein US-Partner Ridgeback Biotherapeutics am Samstag (Ortszeit) in den USA mit. «Diese vorläufigen Ergebnisse ermutigen uns», erklärte Ridgeback-Arzneimittelchefin Wendy Painter.

Merck hatte im Januar seine Arbeit an der Herstellung von Coronavirus-Impfstoffen eingestellt, aber treibt die Entwicklung von zwei Covid-19-Medikamenten voran. Sowohl Molnupiravir als auch das zweite Präparat, MK-711, können eingenommen werden.

Die vorläufigen Ergebnisse basieren auf der 2a-Test-Phase, bei der 202 Covid-19-Patienten, die sich nicht im Krankenhaus befanden, das Medikament verabreicht wurde. In vier Fällen habe es starke Nebenwirkungen gegeben, doch hätten diese nicht mit dem Medikament in Zusammenhang gestanden, teilten die Unternehmen weiter mit.

Der Leiter der Studie, William Fischer von der Universität North Carolina, sprach von vielversprechenden Resultaten. Sollten diese in weiteren Studien bestätigt werden, könne dies «bedeutsame Folgen für die öffentliche Gesundheit haben».

Schulen in England öffnen wieder

Vor der Wiedereröffnung der Schulen in England hat Premierminister Boris Johnson die «nationale Kraftanstrengung» im Kampf gegen die Corona-Pandemie gewürdigt. «Aufgrund der Entschlossenheit jedes Menschen in diesem Land können wir uns einem Gefühl der Normalität nähern. Und es ist richtig, dass es der erste Schritt ist, unsere jungen Leute wieder in den Unterricht zu bringen», sagte der britische Regierungschef einer Mitteilung vom Sonntag zufolge.

An diesem Montag öffnen in England alle Schulen nach rund zwei Monaten Lockdown wieder die Türen. Bildungsminister Gavin Williamson sprach von einem «Moment der Freude für Millionen Menschen». Gesundheit ist im Vereinigten Königreich Sache der einzelnen Landesteile, in Schottland etwa sind einige Schüler bereits seit einer Woche wieder im Unterricht.

Lobt die «nationale Kraftanstrengung»: Englands Premierminister Boris Johnson.
Lobt die «nationale Kraftanstrengung»: Englands Premierminister Boris Johnson.
KEYSTONE

Um die Situation unter Kontrolle zu halten, hat die Regierung nach eigenen Angaben knapp 57 Millionen Corona-Schnelltests an Schulen und Colleges geschickt. Ausserdem sollen Familien mit Schulkindern künftig jede Woche pro Person zwei Tests machen können. Die Teststrategie ist ein zentraler Bestandteil von Johnsons Plan für einen Ausstieg aus den Corona-Massnahmen. Dabei sind die Schulöffnungen der erste Schritt. Für den 21. Juni peilt die Regierung das Ende aller Restriktionen an.

Ein weiterer Grundpfeiler der Strategie ist die Impfkampagne. Bisher haben etwa 21,5 Millionen Menschen landesweit eine erste Dosis erhalten. Bis Ende Juli will die Regierung allen Erwachsenen eine erste Impfung anbieten. Als nächstes sind nun die 56- bis 59-Jährigen an der Reihe, wie der nationale Gesundheitsdienst NHS ankündigte.

FDA skeptisch über Einmal-Impfungen

US-Wissenschaftler haben sich skeptisch gezeigt, dass eine einmalige Coronavirus-Impfung mit den Stoffen von Pfizer/BioNTech und Moderna ausreichen könnte. Dies geht aus einem Zeitungsbericht vom Samstag hervor.

Es sei wichtig, dass die Coronavirus-Impfstoffe nur so angewandt würden, wie sie von der Arzneimittelbehörde FDA zugelassen worden seien, sagte der hochrangige FDA-Vertreter Peter Marks dem «Wall Street Journal». Es gebe nicht genug Belege, dass durch eine einzige Coronavirus-Impfung mit diesen Mitteln ein langfristiger Schutz aufgebaut werde, hiess es weiter. Derzeit müssen zwei Dosen im Abstand von mehreren Wochen verabreicht werden.

Polizisten räumen volle Seine-Quais in Paris

Aufgrund des erneut grossen Andrangs bei schönem Wetter an den Ufern der Seine ist die Pariser Polizei am Samstagnachmittag eingeschritten. Da sich die meisten Menschen nicht an die Corona-Abstandsregeln hielten, mussten sie die Seine-Quais in der französischen Hauptstadt verlassen. Die Zugänge zum Ufer wurden nach der Räumung blockiert, so dass niemand mehr vor der ab 18 Uhr geltenden Ausgangssperre dorthin konnte.

Bereits an den vorangegangenen Wochenenden hatten sich zehntausende Menschen bei strahlender Sonne auf den Seine-Quais gedrängt. Daraufhin wurde am Freitag ein Alkoholverbot für die Uferpromenanden verhängt, um den Andrang an diesem Wochenende zu begrenzen. Doch auch wenn sich die meisten Menschen an das Alkoholverbot hielten, zog es sie dennoch an die Ufer der Seine.

Mehrere Demos gegen Corona-Massnahmen in Europa

In Wien haben am Samstag Tausende Menschen gegen Corona-Einschränkungen protestiert. Darunter waren nach einem Bericht des Senders ORF Leute, die mit Reisebussen aus der österreichischen Provinz gekommen waren sowie Rechtsextreme und Gruppen aus Deutschland.

Ein Transparent richtete sich gegen Bundeskanzler Sebastian Kurz. «Kurz muss weg», stand darauf. Rund 200 Gegendemonstranten kamen zu einer Fahrradrallye zusammen und fuhren mit lautem Geklingel durch die Strassen. Weil sich viele Teilnehmer der Demonstration nicht an das Abstandhalten und Masketragen hielten, wurden nach Polizeiangaben zahlreiche Anzeigen erstattet und einige Menschen festgenommen.

Unter anderem hatte die rechte Oppositionspartei FPÖ zu einer Kundgebung unter dem Motto «Demokratie, Grundrechte und Freiheit» aufgerufen. Der ehemalige Innenminister und Fraktionschef der FPÖ, Herbert Kickl, sprach von «Corona-Stahlhelmen in den Regierungsbüros». Die Regierung sei im Machtrausch und die EU-Gesundheitspolitik ein «gleichgeschaltetes Machtspiel».

Sechs Polizisten in Stockholm verletzt

Auch in der schwedischen Hauptstadt Stockholm haben Hunderte Menschen am Samstag gegen Corona-Massnahmen demonstriert. Nach Angaben der Polizei wurden sechs Polizisten im Zusammenhang mit der Demonstration verletzt, von denen einer in Krankenhaus behandelt wurde. Einer Person werde das Organisieren des ungenehmigten Protests vorgeworfen, zwei Menschen seien wegen anderer Verstösse festgenommen worden.

Die Polizei forderte die Menschen mehrmals zum Auflösen der Demonstration auf, da Zusammenkünfte von mehr als acht Menschen nicht erlaubt seien. Organisiert hatte den Protest eine Gruppe, die die Beschränkungen als unbegründet bezeichnete.

Hunderte demonstrieren in irischer Stadt Cork

Dicht gedrängt und zumeist ohne Mund-Nasen-Masken haben in der irischen Stadt Cork mehrere Hundert Menschen gegen die Lockdown-Regeln in dem EU-Staat demonstriert.

Anders als bei einem Protest in der Hauptstadt Dublin vor einer Woche habe es keine Zwischenfälle gegeben, berichtete der Sender RTÉ am Samstag. Ein Sprecher der Anti-Lockdown-Initiative sagte, zahlreiche Menschen seien von der Polizei abgewiesen worden. In Irland sind wegen der Corona-Pandemie derzeit keine Massenversammlungen erlaubt.

Ansturm auf Corona-Selbsttests in Deutschland

Der Verkaufsstart von Corona-Tests für den privaten Gebrauch bei den Discountern Aldi und Lidl ist bei Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland auf enormes Interesse gestossen. «Die Selbsttests waren aufgrund der hohen Nachfrage in vielen unserer Filialen bereits nach kurzer Zeit ausverkauft», teilte ein Sprecher von Aldi Nord mit. Von Aldi Süd hiess es ebenfalls, dass die Tests bereits am Vormittag in den meisten Filialen «erwartungsgemäss ausverkauft» gewesen seien. Bei Lidl, das die Schnelltests zunächst über seinen Onlineshop verkaufte, war die Website bereits kurz nach Verkaufsstart nicht mehr erreichbar – wohl wegen der hohen Nachfrage.

Aldi und Lidl verkaufen Corona-Schnelltests zum Selbertesten
In Deutschland sind bei den beiden Discountern die Schnelltests für Privatpersonen ab Samstag erhältlich. Auch Drogerien bieten die Selbsttests bald an.
Grosskonzert in Barcelona innert Stunden ausverkauft

Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie soll es in Barcelona wieder ein grosses Popkonzert mit 5000 Zuschauern geben. Die Eintrittskarten für den Auftritt der spanischen Indie Popband Love of Lesbian am 27. März waren binnen Stunden ausverkauft, wie die Veranstalter auf Twitter mitteilten. «Vielen Dank für die unglaubliche Antwort auf dieses Vorhaben. Die Kultur ist sicher und jetzt mehr denn je notwendig», schrieben die Verantwortlichen beim Festivals per la Cultura Segura am Samstag.

Bei dem Konzert in der für bis zu 24 000 Gästen ausgelegten Mehrzweckhalle «Palau de Sant Jordi» müssen die Fans erstmals keinen Sicherheitsabstand mehr halten. Allerdings gelten strenge Schutzmassnahmen.

So müssen alle, die überhaupt eine Eintrittskarte ergattert haben, am Tag des Konzerts in einem von drei speziellen Testzentren zwischen 08.00 Uhr und 16.00 Uhr einen Schnelltest machen, der negativ sein muss. Eingelassen werden nach Angaben der Veranstalter zudem nur registrierte Besucher im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, die ein Smartphone mit mindestens IOS 11 oder Android 7 besitzen, um ein Programm für den Corona-Schnelltest herunterladen zu können.

Beim Eintritt in den Palau wird die Körpertemperatur gemessen und es werden FFP2-Masken verteilt werden, die während des Konzerts zu tragen sind. Für den Zuschauerbereich, der in drei Zonen unterteilt ist, soll es je eigene Eingänge, Barbereiche und Sanitäranlagen geben. Die Zuschauer dürfen dabei nicht von ihrer Zone in eine andere wechseln. Für eine besonders starke Belüftung solle gesorgt werden, betonten die Veranstalter.

Das Konzert findet im Palau Sant Jordi statt - im Bild die italienische Sängerin Laura Pausini bei einem früheren Auftritt an gleicher Stätte
Das Konzert findet im Palau Sant Jordi statt - im Bild die italienische Sängerin Laura Pausini bei einem früheren Auftritt an gleicher Stätte
Foto: Keystone
Konzert mit Geimpften in Tel Aviv

Dank der Massenimpfungen gegen das neuartige Coronavirus hat in Israel ein Konzert mit hunderten Zuschauern stattgefunden. Rund 500 gegen Covid-19 geimpfte Menschen mit Masken kamen am Freitag in Tel Aviv in einem Stadion zusammen, das Platz für bis zu 30'000 Zuschauer bietet. Sie durften sich ein Konzert des israelischen Popsängers Ivri Lider anhören.

«Das ist echt cool. Ich bin so froh», sagte Konzertbesucherin Reut Gofer bei ihrer Ankunft im Stadion. «Ich hoffe, das ist der Beginn einer Zeit, in der wir zu unserem normalen Leben zurückkehren.» Das Konzert am Freitag war das erste von vier derartigen Musik-Veranstaltungen, die die Stadtverwaltung von Tel Aviv organisiert hat.

Erfolgreiche Impfkampagne

Nach einem dritten Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie hatte Israel im Februar mit schrittweisen Lockerungen der Restriktionen begonnen. So durften bereits Einkaufszentren, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Hotels und einige kulturelle Einrichtungen wieder öffnen. In den meisten Fällen ist der Besuch aber Menschen vorbehalten, die gegen das neuartige Coronavirus immunisiert sind und daher ihre Einstufung in die Kategorie «grün» nachweisen können.

Israels Impfkampagne ist äusserst erfolgreich. Schon mehr als die Hälfte der neun Millionen Einwohner haben bereits beide Dosen des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer erhalten.

Verschärfte Wochenend-Regelungen in Frankreich

Ab Samstag treten in weiteren französischen Corona-Hotspots Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Betroffen sind nun auch rund 1,5 Millionen Bürger im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais mit der Hafenstadt Calais. Sie dürfen ihre Häuser am Wochenende nur noch aus triftigem Grund verlassen, etwa zum Einkaufen oder Joggen. Auch sehr grosse Geschäfte müssen schliessen.

In der Region am Ärmelkanal breitet sich die britische Coronavirus-Variante rapide aus. Im benachbarten Dünkirchen und an Teilen der Côte d’Azur gelten bereits Ausgangssperren an Wochenenden. Zudem gilt landesweit eine nächtliche Sperrstunde ab 18 Uhr. In anderen Risikogebieten wie dem Pariser Grossraum oder im Mosel-Gebiet an der deutschen Grenze sollen ab diesem Wochenende stark frequentierte Zonen gesperrt werden.

Arras im Norden Frankreichs.
Arras im Norden Frankreichs.
AFP
Italiens Region Kampanien wird Rote Zone

Die italienische Region Kampanien wird zur Roten Zone mit verschärften Corona-Sperren. Das teilte das Gesundheitsministerium in Rom am Freitagabend mit. In den Gebiet, zu dem Neapel und die Amalfiküste gehören, gelten nach der Anordnung von Gesundheitsminister Roberto Speranza wegen der erhöhten Infektionswerte ab Montag (8. März) die strengsten Corona- Schutzregeln. Bisher sind schon die Basilikata im Süden und die kleine Adria-Region Molise solche Roten Zonen. In diese Gebieten müssen alle Schulen zu sein, die Menschen sollen ihre Wohnungen möglichst selten verlassen.

Italiens Regierung kämpft seit Herbst 2020 mit dem Instrument einer regionalen Einteilung in mehrere Risikozonen gegen die Pandemie. Am Montag werden in diesem System weitere Gebiete wegen steigender Werte hochgestuft zu Orangen Zonen. Darunter ist Venetien im Norden. Die benachbarte, wirtschaftsstarke Lombardei, wo rund zehn Millionen Menschen leben, gehört ohnehin schon zu der mittleren Risikozone. Dort führte die Regionalregierung in Mailand von sich aus am Freitag noch weiterreichende Sperren ein.

Belgien kündigt Lockerungen an

Belgien stellt seinem Volk spürbare Lockerungen der Virus-Massnahmen in Aussicht. Schritt für Schritt sollen von März bis Mai Kontaktbeschränkungen gelockert, Aktivitäten im Freien zugelassen und Gaststätten sowie Hotels wieder geöffnet werden. Konkret sollen sich von Montag an zehn statt bislang vier Menschen treffen dürfen, kündigte Ministerpräsident Alexander De Croo nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga am Freitag an. Ab April könnten dann Kulturveranstaltungen und Gottesdienste mit bis zu 50 Menschen zugelassen werden, vorausgesetzt es werden Masken getragen und es wird Abstand gehalten.

Belgiens Premierminister Alexander De Croo bei einer Medienkonferenz in der Haupstadt Brüssel.
Belgiens Premierminister Alexander De Croo bei einer Medienkonferenz in der Haupstadt Brüssel.
Foto: Olivier Matthys (Keystone/5. Februar 2021)

Wenn alle vorher und nachher getestet werden, können über die Osterferien auch Ferienlager für Kinder und Jugendliche mit bis zu 25 Teilnehmern organisiert werden, wie De Croo weiter ausführte. Sollte es das Infektionsgeschehen zulassen, werden ab Mai auch Gaststätten und Hotels wieder Kunden begrüssen dürfen.

Zahl der Neuinfektion hat sich erhöht

Allerdings wird das Verbot von Auslandsreisen bis über die Osterferien hinaus verlängert. Statt bis zum 1. April gelte das Verbot nicht notwendiger Reisen ins Ausland nun vorerst bis zum 18. April, teilte De Croo weiter mit. Für Berufspendler gilt das Verbot nicht. Die EU-Kommission hatte die Massnahme als «unverhältnismässig» kritisiert.

Das verhältnismässig kleine Belgien mit seinen rund 11,5 Millionen Einwohnern hatte die vergangenen Monate einigermassen stabile Infektionszahlen trotz weitgehend geöffneter Geschäfte. Die Zahl der Neuinfektionen hat sich seit zwei Wochen jedoch um knapp 20 Prozent erhöht auf rund 2330 täglich. Die Todesrate sank im gleichen Zeitraum um 35 Prozent auf gut 27 Fälle. Im Herbst verzeichnete Belgien zeitweise pro Kopf die höchsten Corona-Infektionszahlen in Europa. Täglich kamen 15'000 neue Infektionen oder mehr hinzu. Strikte Beschränkungen hatten die Ausbreitung gebremst.

SDA/AFP/red

4037 Kommentare
    Jo Moser

    Die Politik muss sich bewusst sein, dass die Geduld der Bevölkerung nicht unendlich ist. Es ist wie bei einem Dampfkessel, zuerst geht das Sicherheitsventil ab, wird dann fleissig weiter Kohle ins Feuer geschaufelt, explodiert der Kessel. Die Demos wären dann das erste Ansprechen des Sicherheitsventils.... Die Politik muss jetzt zwei Dinge tun: Impfstoff so schnell als möglich beschaffen und nachvollziehbar und glaubhaft aufzeigen, wie und wann der Lockdown beendet werden kann.