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Coronavirus in der Schweiz +++ Kantonsärzte wollen Maskenpflicht auch in Läden +++ BAG meldet 137 Neuinfektionen

Dem oberste Kantonsarzt der Schweiz geht Maskenpflicht im ÖV zu wenig weit. Die nationalen News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Bundesrat hat beschlossen, dass ab dem 6. Juli im öffentlichen Verkehr eine Maskenpflicht für Personen ab 12 Jahren gilt.
  • Die Schweizer Regierung führt ein strengeres Einreise-Regime an den Grenzen ein.
  • Personen aus Risikoländern müssen 10 Tage in Quarantäne.
  • Die Landesregierung verlängert die Kurzarbeitsentschädigung von 12 auf 18 Monate.
  • Die «SwissCovid»-App für Mobiltelefone ist seit dem 25. Juni verfügbar.

Wann und wie stark die «Lockdown»-Massnahmen wirken, zeigt der Vergleich des Schweizer Covid-19-Ausbruchs mit anderen Ländern.

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Bundesrat lehnt Steuerabzug für Ferien in der Schweiz ab

Zwei Motionen aus den Reihen der SVP fordern einen Steuerabzug für Ferien in der Schweiz. Der Bundesrat ist zwar ebenfalls für eine Förderung des Inlandtourismus, lehnt aber die vorgeschlagenen fiskalischen Massnahmen ab.

Der Oberwalliser SVP-Nationalrat Franz Ruppen möchte, dass Schweizer Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, die ihre Ferien in der Schweiz verbringen, die Kosten für touristische Aufenthalte in der Schweiz während einer befristeten Zeit von den Steuern abziehen können. Der Tessiner SVP-Ständerat Marco Chiesa will, dass Steuerzahlende ihre in der Schweiz anfallenden Hotelkosten von den Steuern abziehen können.

Beide begründen ihre Vorstösse damit, dass mit den steuerlichen Anreizen die arg gebeutelte Tourismusbranche gestützt werden könnte. Damit würden Ferien in der Schweiz für Einheimische attraktiver gemacht, ohne dass staatliche Subventionen gesprochen werden müssten.

Dem Tourismus wird geholfen

Die Steuerausfälle würden sich in ihren Augen in Grenzen halten, da die Betriebe ihrerseits aufgrund einer besseren wirtschaftlichen Situation in der Lage sein werden, mehr Steuern zu zahlen. Zudem würden Arbeitsplätze erhalten, weil die Massnahme die Binnennachfrage ankurble.

Der Bundesrat lehnt die Vorstösse ab, wie er in seiner am Donnerstag publizierten Antwort schreibt. Die Regierung und das Parlament hätten in den vergangenen Monaten bereits gehandelt und verschiedene Notmassnahmen verabschiedet. Dazu gehört auch ein von den eidgenössischen Räten genehmigter Kredit von 40 Millionen Franken zur Förderung des Tourismusangebots. Ein weiterer Anreiz sei nicht notwendig.

Zudem käme der vorgeschlagene Steuerabzug insbesondere Familien mit hohen Einkommen entgegen. Diese hätten aber keine Förderung nötig. Zusammenfassend hält der Bundesrat in seiner Antwort fest, «dass ein neuer Steuerabzug für Ferien in der Schweiz keine zielführende Massnahme zur Bewältigung der Corona-Krise darstellt».

Emmi will zusätzliche Lehrstellen anbieten

Emmi will mehr Lehrstellen anbieten. Trotz oder gerade wegen der teils schwierigen Situation auf dem Schweizer Ausbildungsmarkt will die Milchverarbeiterin Jugendlichen zusätzliche Perspektiven bieten.

Zudem soll Absolventen mit guten Leistungen nach Abschluss ihrer Ausbildung zumindest eine befristete Stelle bei Emmi angeboten werden, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Emmi bietet bereits ab diesem Sommer zusätzliche Ausbildungsplätze an und plant dies auch für das kommende Jahr. Die Zahl der Lehrstellen könne wenn erforderlich um bis zu 10 erhöht werden. Auch Lehrlingen, die ihre Stelle aufgrund der Corona-Krise verloren hätten, könne eine Perspektive geboten werden um ihre Ausbildung abzuschliessen.

Für das Unternehmen biete sich durch die Krise aber auch die Chance, das Interesse auf interessante Stellen in der Lebensmittelindustrie zu lenken – gerade auch durch den demographischen Wandel sei die Suche nach passenden Auszubildenden immer schwieriger geworden.

Das Logo von Emmi beim Emmi Produktionsstandort Emmen.
Das Logo von Emmi beim Emmi Produktionsstandort Emmen.
Foto: Urs Flueeler/Keystone

Kantonsärzte befürworten Maskenpflicht im öffentlichen Raum

Den Kantonsärztinnen und -ärzten geht die Schutzmaskenpflicht im öffentlichen Verkehr zu wenig weit. Rudolf Hauri, der Präsident ihrer Vereinigung, erklärte, er würde eine Pflicht zum Tragen der Schutzmaske im ganzen öffentlichen Raum begrüssen.

Aus epidemiologischer Sicht würde sich eine Schutzmaske in allen Geschäften und allen anderen Orten mit Menschenansammlungen empfehlen, sagte Hauri am Donnerstag in der Sendung «Heute morgen» von Radio SRF.

Im weiteren begrüsste der Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und -ärzte der Schweiz (VKS) die Quarantäne für Eingereiste aus Risikoländern, wie sie der Bundesrat am Mittwoch verordnet hatte. Eine Quarantäne sei allerdings kein Gefängnisaufenthalt, sondern beinhalte ein Element der Freiwilligkeit.

Kantonsärzte kontrollieren Quarantäne

Die Kantonsärzte seien dabei Kontrollorgan, aber auch Anlaufstelle. Wichtig seien Einsicht und Verständnis für die Notwendigkeit der Quarantäne, erklärte der Zuger Kantonsarzt weiter. Das komme vor der Kontrolle.

Der Quarantäne-Vollzug sei eine Zusatzaufgabe zur Rückverfolgung der Ansteckungswege. Die Kantonsärztinnen und -ärzte seien indessen gerüstet und könnten hierzu Dritte wie etwa die Lungenliga oder andere Behördenstellen beiziehen.

Stadt Bern will illegale Partys unterbinden

Die Polizei soll in der Stadt Bern illegale Partys im öffentlichen Raum frühzeitig unterbinden. Mit dieser Massnahme reagiert die Stadtregierung auf eine illegale Rave-Party vor der Berner Reitschule.

Hunderte feierten in der Nach auf vergangenen Sonntag auf der Berner Schützenmatte an einer lautstarken Party ohne jegliche Schutzmassnahmen gegen das Coronavirus. Über hundert Lärmklagen aus der Stadt Bern und sogar aus umliegenden Gemeinden gingen bei der Polizei ein.

Diese löste den Rave zunächst nicht auf, weil ein Eingreifen zu einer Eskalation hätte führen können. In Anbetracht der vielen Nachtschwärmer hätte dies zu gefährlichen Situationen führen können.

Die Berner Stadtregierung will darum, dass solche unerlaubten Menschenansammlungen schon gar nicht erst entstehen können, wie aus einer Mitteilung vom Donnerstag hervorgeht.

Der Gemeinderat verurteilte das Verhalten der Organisatoren der illegalen Party sowie der Besucherinnen und Besucher auf der Schützenmatte. Die unbewilligte und ohne Schutzkonzept oder andere Schutzmassnahmen durchgeführte Party erachtet er «als verantwortungslos».

Eine solche Veranstaltung widerspreche dem Gebot der Solidarität während der aktuellen Corona-Pandemie und verstosse gegen die Verordnung des Bundes zur Bekämpfung des Corona-Virus. Der Gemeinderat appelliert zudem an das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung, die Distanz- und Hygienemassnahmen weiterhin strikte einzuhalten.

Coronakrise könnte Schweizer Tourismus 30 Milliarden kosten

Falls die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie ein Jahr andauern, könnte dem Schweizer Tourismus laut der UNO mehr als 31 Milliarden Franken entgehen. Weltweit geht die Uno für den Tourismus von einem 3-Billionen-Loch aus.

Die 31 Milliarden Franken entsprechen 5 Prozent des schweizerischen Bruttoinlandproduktes (BIP), wie aus den am Mittwoch von der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) publizierten Schätzungen hervorgeht. Weltweit würde der Ausfall 4 Prozent des BIP ausmachen.

Untersucht wurden drei Szenarien: eine Dauer der Einschränkungen von vier, acht oder zwölf Monaten. Für den Schweizer Tourismus ergibt das im besten Fall mindestens 11 Milliarden weniger Einkünfte bei vier Monaten und schlimmstenfalls bis zu 31 Milliarden weniger bei 12 Monaten.

Massnahmen vor der Sommerpause

Ab nächstem Montag gilt im öffentlichen Verkehr eine Maskentragpflicht. Das hat der Bundesrat am Mittwoch beschlossen. Er reagiert damit auf die steigenden Corona-Fallzahlen. Die Maskenpflicht gilt für Personen ab zwölf Jahren. Sie gilt in Zügen, Trams und Bussen, Bergbahnen, Seilbahnen und auf Schiffen.

Laut dem Direktor des Bundesamtes für Verkehr (BAV), Peter Füglistaler, handelt es sich bei der Maskenpflicht um eine Verhaltensanordnung. Wer sich nicht daran halte, werde vom Personal ermahnt. Zeige sich ein Passagier renitent, könne gegen diesen im Extremfall ein ordentliches Bussenverfahren eingeleitet werden.

Der Bundesrat will auch der erneuten Einschleppung des Virus aus dem Ausland Einhalt gebieten: Ab Montag muss sich für zehn Tage in Quarantäne begeben, wer aus gewissen Gebieten in die Schweiz einreist. Gleichzeitig mit der erneuten Verschärfung der Massnahmen stellt der Bundesrat eine Lockerung des Grenzregimes in Aussicht. Parallel zur EU will er die Einreisebeschränkungen für ein gutes Dutzend Drittstaaten aufheben.

Wichtige Beschlüsse gefasst: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (M.) spricht an der Seite der Magistraten Ueli Maurer, Guy Parmelin, Alain Berset und Vizekanzler Andre Simonazzi (v. l.) an der Medienkonferenz in Bern.
Wichtige Beschlüsse gefasst: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (M.) spricht an der Seite der Magistraten Ueli Maurer, Guy Parmelin, Alain Berset und Vizekanzler Andre Simonazzi (v. l.) an der Medienkonferenz in Bern.
(Keystone/1. Juli 2020)

Lesen Sie auch dazu: Was Sie zur Maskenpflicht ab Montag wissen müssen

Die Sache mit dem Mieterlass

Das Parlament hat im Juni eine Aufteilung des Zinses zwischen Mieter und Vermieter beschlossen für Geschäfte, die während der Corona-Krise schliessen mussten. Der Bundesrat hat nun eine entsprechende Vorlage in die Vernehmlassung geschickt. Bis am 4. August können Kantone, Parteien und weitere interessierte Organisationen zum Gesetzesentwurf Stellung beziehen.

Bis Mitte September will der Bundesrat eine Botschaft an das Parlament verabschieden, wie er schreibt. Die Vorlage soll danach – voraussichtlich in der ausserordentlichen Session Ende Oktober oder an der Wintersession – von beiden Räten parallel beraten werden. Für die Periode der angeordneten Schliessung oder Einschränkung der Tätigkeit sollen Mieterinnen und Mieter 40 Prozent bezahlen, Vermieterinnen und Vermieter 60 Prozent des Mietzinses tragen.

Hohe Covid-19-Sterblichkeit in Altersheimen soll untersucht werden

Mehr als die Hälfte der Todesopfer im Zusammenhang mit dem Coronavirus in der Schweiz haben sich in Alters- und Pflegeheimen ereignet. Deshalb fordern nun über 100 Medizinethikerinnen und -ethiker in einem Appel eine wissenschaftliche Untersuchung dieser hohen Sterblichkeitsrate in den Langzeitinstitutionen.

Die Corona-Pandemie habe die hohe Verletzlichkeit von Menschen in Pflegeeinrichtungen gezeigt, schrieben die Medizinethikerinnen und -ethiker am Mittwoch in dem gemeinsamen Aufruf, der in der Schweizerischen Ärztezeitung veröffentlicht wurde.

Die einschneidenden Einschränkungen hätten für viele Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen, von Heimen für psychisch Erkrankte oder Behinderte und von Alterssiedlungen zu grossen Einbussen an Lebensqualität und gesundheitlichen Verschlechterungen geführt.

Vor allem für Demenzbetroffene habe die räumliche und soziale Isolation von der Familie und wichtigen Bezugspersonen zu einem raschen kognitiven Abbau und köperlichem Zerfall geführt – nicht selten mit Folgeerkrankungen, die tödlich enden konnten.

Die Abschottung habe aber nicht verhindern können, dass sich über die Hälfte der Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 in Alters- und Pflegeheimen ereigneten. Die Gründe dafür seien nur zum Teil bekannt: Dazu gehörten die erhöhte Infektionsgefahr für Menschen in grossen Haushalten und zum Teil fehlende oder zu spät bereit gestellte Schutzausrüstung für das Pflegepersonal.

Deshalb müssten Mittel für eine unabhängige, wissenschaftliche Untersuchung gesprochen werde, damit die Zusammenhänge der hohen Sterblichkeit in Alters- und Pflegeheimen erklärt werden könnten. Auch die Auswirkungen der Pandemie auf Heimbewohner, ihre Angehörigen und die Fachpersonen müssten erforscht werden.

137 Neu-Infektionen

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 137 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Insgesamt gab es bisher 31'851 laborbestätigte Covid-19-Fälle, wie das BAG mitteilt.

Die 137 Fälle stellen mehr als eine Verdoppelung der am Dienstag gemeldeten 62 Neuinfektionen dar. Am Montag waren dem BAG noch 35 neue Ansteckungen gemeldet worden.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Zahl der bestätigten Neuinfektionen von Tag zu Tag zugenommen. In der gesamten letzten Woche erhielt das BAG die Bestätigung von 325 Fällen, im Vergleich zu 125 in Woche zuvor.

Insgesamt 1685 Todesfälle

Bisher starben gemäss Angaben von Mittwoch 1685 Menschen (+ 1 gegenüber Vortag), die positiv auf Covid-19 getestet worden waren. Das Bundesamt bezieht sich auf die Meldungen, die die Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Meldepflicht bis am Mittwochmorgen übermittelt hatten. In Spitalpflege befinden sich 4042 Personen, sechs mehr als am Vortag.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 583'928. Bei 6,5 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. Von Dienstag auf Mittwoch wurden dem BAG 11'264 neue Tests gemeldet.

Reproduktionszahl weiterhin über 1

Grund zur Sorge gibt weiterhin die Reproduktionszahl R, also die Anzahl Personen, die ein mit dem Coronavirus Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Diese liegt nach Angaben der Swiss National Covid-19 Science Task Force seit Mitte Juni wieder signifikant über 1. Das heisst, dass eine infizierte Person im Durchschnitt mehr als eine weitere Person ansteckt.

Lesen Sie auch: Bundesrat Berset will sofortige Maskenpflicht im ganzen ÖV

Olten: 300 Personen müssen in Quarantäne

Eine nachträglich auf Covid-19 positiv getestete Person hat an diesem Wochenende im Kanton Solothurn mehrere Bars und Clubs besucht. Das Contact-Tracing-Team bearbeitet den Fall und identifiziert alle engen Kontaktpersonen. Für rund 300 Personen wurde eine zehntägige Quarantäne angeordnet.

Die am Dienstagabend positiv getestete Person hatte über das Wochenende verschiedene Bars, Restaurants und Clubs in Olten besucht, wie die Staatskanzlei Solothurn am Mittwoch mitteilte. Die Person habe sich über eine Drittperson angesteckt, deren Infektion bis zum Fall Spreitenbach AG zurückverfolgt werden könne.

Nach dem Corona-Fall im «Terminus» in Olten müssen 300 Personen in die Quarantäne.
Nach dem Corona-Fall im «Terminus» in Olten müssen 300 Personen in die Quarantäne.
Bild: Google Street View

Der «Terminus»-Club in Olten SO habe sich kooperativ gezeigt und zeitnah eine umfassende Präsenzliste mit den Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung eingereicht. Bei den restlichen betroffenen Restaurations- und Barbetrieben im Kanton laufen gemäss Behördenangaben die Abklärungen.

Das Contact-Tracing-Team des Kantons bearbeitet den Fall und setzt sich mit den engen Kontakten der neu infizierten Person in Verbindung. Insgesamt sind bisher im Umfeld des «Terminus»-Clubs rund 300 Kontaktpersonen identifiziert worden. Sie sind bisher nicht positiv auf Covid-19 getestet worden. Ihnen wird jetzt als Vorsichtsmassnahme eine zehntägige Quarantäne angeordnet.

350 Schüler vorzeitig in den Sommerferien wegen Ansteckungen

Für 240 Schüler der Sekundarschule in Bassecourt (JU) haben die Sommerferien vorzeitig begonnen. Ein Lehrer ist positiv auf Covid-19 getestet worden. Auch in Les Breuleux (JU) war am Vortag das gleiche passiert.

Der betroffene Lehrer ist in Quarantäne und die Nachverfolgung der Infektion sei in Arbeit, sagte der jurassische Regierungspräsident und Erziehungsdirektor Martial Courtet gegenüber den lokalen Radiosender Radio Fréquence Jura (RFJ). Schülerinnen und Schüler seien nicht betroffen. Alle Eltern seien informiert worden.

Vorsichtshalber seien auch mehrere andere Lehrkräfte in Quarantäne geschickt worden. Angesicht der Umstände sei der Ferienbeginn zwei Tage vor dem offiziellen Beginn logisch, erklärte Courtet.

Gleiches Szenario einen Tag zuvor in Les Breuleux in den Freibergen. Auch dort wurde ein Lehrer der Sekundarschule positiv auf das Coronavirus getestet. Alle Lehrerinnen und Lehrer wurden in Quarantäne geschickt. Die 112 Schülerinnen und Schüler konnten frühzeitig in die Sommerferien.

Lokal in Olten meldet infizierten Gast

Ein Lokal im solothurnischen Olten hat am Dienstagabend bekanntgegeben, dass ein Gast, der die Gaststätte besucht hatte, positiv auf das Virus getestet worden sei. Die Betreiber baten daher alle Personen, die am 27. Juni im Lokal waren, sich in Quarantäne zu begeben.

Die Verantwortlichen wollen nun die Anwesenheitsliste bei den Behörden einreichen, wie sie am Dienstagabend auf Facebook mitteilten. Sie stellten zudem für Mittwoch weitere Informationen in Aussicht. Es handelt sich um den Terminus Club, der auch ein Restaurant und eine Bar betreibt.

Eine Bar in Olten meldet einen infizierten Gast.
Eine Bar in Olten meldet einen infizierten Gast.
(Keystone/Symbolbild)
Schweizer Industrie nimmt nach Corona-Einbruch nur langsam Fahrt auf

Die Schweizer Industrie kommt nach dem Einbruch infolge der massiven Einschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie nur zögerlich wieder in Schwung. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) sank im Juni gegenüber dem Vormonatswert um 0,2 auf 41,9 Punkte, wie die Credit Suisse (CS) am Mittwoch mitteilte. Ökonomen dagegen hatten mit einer Erholung auf 48,3 Zähler gerechnet. «Der Produktionsrückgang hat sich aber zumindest verlangsamt und die Lieferfristen normalisieren sich», erklärte die CS, die den PMI zusammen mit dem Einkäuferverband erhebt.

Dagegen hat sich der Service-PMI im Juni mit einem kräftigen Anstieg von 12,9 auf 49,1 Punkte nahezu von seinem Einbruch im Sog der Covid-19-Krise erholt.

Das Konjunkturbarometer des KOF-Prognoseinstituts der ETH Zürich war im Juni kräftig gestiegen.

Covid-App-Nutzung im Ausland absehbar

Rein technisch könnte die Swiss-Covid-App bereits im August auch in Deutschland, Österreich und Italien eingesetzt werden – wenn rechtzeitig eine Einigung mit der EU zustande kommt. Das sagte der Leiter Abteilung Digitale Transformation im BAG, Sang-Il Kim.

Geplant sei das grössere Update der App für August, sagte Kim vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Dann könnten die Userinnen und User im Ausland wählen, in welchem der drei Länder sie bei Kontakten mit Covid-19-Infizierten gewarnt werden wollten. Mit Frankreich werde der Austausch nicht funktionieren, weil das Land eine andere Schnittstelle benutze.

Ein «Stolperstein» im Zeitplan könnte sein, dass die Schweiz noch kein ein institutionelles Rahmenabkommen mit der EU hat und damit bei rechtlichen Übereinkommen der EU aussen vor gelassen werde. Doch der Bundesrat – unter anderem Innenminister Alain Berset – setze sich auf den diplomatischen Kanälen für eine schnelle Lösung ein.

Zufrieden mit der Rate

Mit der Downloadrate zeigte sich Kim bisher zufrieden. Sein Angaben zufolge wurde die App bereits bis zu 1,2 Millionen mal heruntergeladen. Aktiv genutzt wird sie gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) bisher von 920'000 Userinnen und Usern.

Gehe man von rund 6,4 Millionen Handys in der Schweiz aus, die mit der App kompatibel sind, so hätten in den ersten sechs Tag bereits jeder Sechste die Anwendung heruntergeladen, sagte Kim. Er persönlich wäre froh, wenn am Ende zwei Millionen Menschen die App nutzen würden.

Findet die Schweiz mit der EU eine rechtliche Lösung, so könnten Reisende bereits im August die Swiss-Covid-App auch in Deutschland, Österreich und Italien benutzen.
Findet die Schweiz mit der EU eine rechtliche Lösung, so könnten Reisende bereits im August die Swiss-Covid-App auch in Deutschland, Österreich und Italien benutzen.
(Kexstne/Archiv)

Doch viel wichtiger als die Nutzerzahlen seien die Nutzergruppen: Denn vor allem bei jüngeren Menschen, die viel unterwegs seien und mit vielen anderen Menschen Kontakt hätten, wäre die App ein wichtiges Hilfsmittel zur Nachverfolgung der Infektionsketten. «Dann haben wir einen Mehrwert», sagte Kim.

Ein erstes Update der App gibt es bereits Mitte Juli mit der Aktualisierung der Betriebssysteme. Dabei könnten einige Bugs, wie zum Beispiel «irritierende Fehlermeldungen von Apple und Google», behoben werden. Ausserdem würden damit die Messungen verbessert und Batterielaufzeit erhöht.

Knecht Reisen baut 20 Prozent der Stellen ab

Der Reiseveranstalter Knecht Reisen wird bis Ende Jahr 20 Prozent der Belegschaft abbauen. Auch das Filialnetz wird, um die Folgen der Coronavirus-Pandemie zu bewältigen, gestrafft.

Der Stellenabbau geschehe über natürliche Abgänge, erklärte Konzernchef Roger Geissberger in einem Interview mit dem Portal «Travelnews.ch». Entlassungen seien dennoch unumgänglich. Der Fernziel-Spezialist ist von der Krise besonders stark betroffen.

Das Zweigstellennetz wird bis Ende Jahr um vier auf 21 Standorte reduziert. Geschlossen würden die Zweigstellen in Ruswil (LU), Allschwil (BL), Reinach (AG) und in Amriswil (TG).

Laut Geissberger werden die Ergebnisse im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang von 70 Prozent «schrecklich» ausfallen. «An Gewinn ist nicht zu denken», warnte er. Schwarze Zahlen will Knecht Reisen erst ab dem Jahr 2021 wieder erzielen – aber mit einem um 25 Prozent tieferen Umsatz als ursprünglich geplant.

Reisebranche im Umbruch

Die Knecht Reisen Gruppe, die im Jahr 2018 einen Umsatz von 210 Millionen Franken erzielte, umfasst 17 Marken.

Die Reisebranche durchlebt aktuell eine grosse Krise. Grosse Anbieter wie Hotelplan und Globetrotter hatten bereits letzte Woche eine Verkleinerung ihres Geschäfts, mit der Reduktion von Personal und Filialen, angekündigt.

Eine Hotelplan-Mitarbeiterin berät eine Kundin.
Eine Hotelplan-Mitarbeiterin berät eine Kundin.
Foto: Martin Ruetschi/Keystone
62 Neuansteckungen innert 24 Stunden

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 62 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Insgesamt gab es bisher 31'714 laborbestätigte Covid-19-Fälle, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag mitteilte.

Am Montag waren dem BAG 35 neue Ansteckungen gemeldet worden, am Sonntag 62 und am Samstag 69. In der vergangenen Woche hatte die Zahl der eingegangenen bestätigten Neuinfektionen von Tag zu Tag zugenommen. In der gesamten letzten Woche erhielt das BAG die Bestätigung von 325 Fällen, im Vergleich zu 125 in der Vorwoche.

Bisher starben in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein gemäss BAG 1684 Menschen, die positiv auf Covid-19 getestet worden waren. Das sind zwei mehr als am Vortag. Das Bundesamt bezieht sich auf die Meldungen, die die Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Meldepflicht bis Dienstagmorgen übermittelt hatten.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 572'664. Bei 6,6 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. Von Montag auf Dienstag wurden dem BAG 6070 neue Tests gemeldet.

2500 Personen kauften illegal im Ausland ein

2448 Personen sind während der ausserordentlichen Lage beim Einkaufstourismus erwischt worden. Insgesamt wiesen die Schweizer Zollbeamten an den Grenzen 112'049 Personen zurück. Gleichzeitig brach der grenzüberschreitende Personenverkehr um bis zu 80 Prozent ein.

Nachdem der Bundesrat am 16. März die ausserordentliche Lage ausgerufen und gleichzeitig auch Einreisebeschränkungen erlassen hatte, schloss die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) 130 kleinere Grenzübergänge. Systematische Binnenkontrollen wurden wieder eingeführt und nur noch systemrelevante Personen durften einreisen.

Das Grenzwachkorps wurde während der ausserordentlichen Lage von Soldaten der Armee bei der Überwachung der Grenzen unterstützt.
Das Grenzwachkorps wurde während der ausserordentlichen Lage von Soldaten der Armee bei der Überwachung der Grenzen unterstützt.
Foto: Keystone

Gleichzeitig wurde 8848 Personen wegen «Verstosses gegen die Covid-Massnahmen» mit einer Geldstrafe von 100 Franken gebüsst. 2458 Fälle davon betrafen den Einkaufstourismus und verbotene Warenübergaben an der Grenze.

SVP fordert Quarantäne bei Einreise aus Corona-Hotspot-Ländern

Angesichts wieder gestiegener Zahlen von Coronavirus-Infektionen hat die SVP den Bundesrat zum Handeln aufgerufen. Die grösste Schweizer Partei verlangte in einer Mitteilung eine zweiwöchige Quarantäne für Einreisende aus Ländern mit hohen Infektionszahlen.

Damit sollen die Menschen in der Schweiz geschützt werden, schrieb die Partei am Dienstag. Unter anderem Einreisen aus Corona-Hotspot-Ländern wie Serbien liessen die Infektionszahlen in der Schweiz wieder rasch ansteigen. Die Quarantäne solle solange gelten, bis sicher sei, dass die Personen das Virus nicht einschleppten.

Weiter ruft die SVP die Regierung dazu auf, «illegale Partys» und Demonstrationen ohne Schutzkonzepte per sofort zu verbieten. Aufgrund des Epidemiengesetzes habe der Bundesrat die dafür nötige Handhabe.

Ein Bundespolizist am Zollamt Konstanz weist Grenzgänger anlässlich der Grenzkontrolle zur Eindämmung des Coronavirus ab. (16. März 2020)
Ein Bundespolizist am Zollamt Konstanz weist Grenzgänger anlässlich der Grenzkontrolle zur Eindämmung des Coronavirus ab. (16. März 2020)
Foto: Ennio Leanza/Keystone

Kritik an «Laissez-faire»-Politik

Die Partei kritisierte eine «Laissez-faire»-Politik von Behörden in gewissen Städten. Sie sorgt sich gemäss Mitteilung vor einer zweiten Ansteckungswelle mit Todesopfern und massiven Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft.

In den vergangenen Tagen sind in der Schweiz mehrere Hotspots mit Coronavirus-Infizierten bekannt geworden. In der Stadt Zürich hatte vor einer Woche in einem Vergnügungsclub ein Partygänger mindestens fünf weitere Personen mit dem Coronavirus angesteckt. Für 300 Gäste und Angestellten des Clubs ordneten die Behörden eine zehntägige Quarantäne an. In Spreitenbach AG wurden in einer Bar über 20 Personen infiziert. Die Ansteckungen hängen den Behörden zufolge wohl mit dem Vorfall in Zürich zusammen.

Im Kanton Graubünden kehrte eine Gruppe junger Männer, die Party in Serbiens Hauptstadt Belgrad gemacht hatte, mit dem Virus nach Hause zurück. Der erste aus der Gruppe der sechs jungen Männer erkrankte drei Tage nach der Rückkehr aus dem Ausland. Seither sind die sechs Partygänger in Isolation.

Armee und Zivilschutz beenden Einsatz

Der vom Bundesrat angeordnete Einsatz der Schweizer Armee im Rahmen der Corona-Pandemie ist am Dienstag beendet worden. Auch das Aufgebot des Zivilschutzes ist zu Ende. Zusammen leisteten Armee- und Zivilschutzangehörige rund 620'000 Diensttage.

Die letzten noch im Einsatz verbliebenen 50 Armeeangehörigen und Berufsmilitärpolizisten, die bei der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) eingesetzt wurden, werden am Dienstag von ihrem Auftrag entbunden, wie die Schweizer Armee gleichentags mitteilte.

Damit ist der vom Bundesrat am 16. März angeordnete Assistenzdienst-Einsatz «Corona 20» der Schweizer Armee offiziell nach 107 Tagen beendet. Armeeangehörige leisteten im Rahmen des Corona-Einsatzes rund 320'000 Diensttage.

Der Bundesrat hatte mit der Auslösung der Mobilmachung am 16. März die Armee beauftragt, bis längstens am 30. Juni 2020 das zivile Gesundheitswesen, die Eidgenössische Zollverwaltung und die kantonalen Polizeikorps mit bis zu maximal 8000 Armeeangehörigen zu unterstützen.

Seither haben zeitweise bis zu rund 6000 Armeeangehörige in allen Schweizer Kantonen in den Bereichen «Helfen» und «Schützen» Assistenzdienst geleistet. Auf Antrag der Kantone wurden mehr als 300 Aufträge er zivilen Behörden erfüllt, wie es weiter heisst.

24'000 Zivilschutzangehörige im Einsatz

Der Zivilschutz leistete seit Mitte Februar in allen 26 Kantonen gegen 300'000 Diensttage im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, vor allem zur Unterstützung des Gesundheitswesens, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz mitteilte.

Am Dienstag endet das vom Bundesrat am 20. März bewilligte gesamtschweizerische Aufgebot des Zivilschutzes. Die meisten Einsatztage leistete der Zivilschutz in den bevölkerungsreichen und von der Coronakrise stark betroffenen Kantonen Waadt, Genf, Zürich und Tessin.

Mitarbeiter des Zivilschutzes verteilten Ende April unentgeltlich Schutzmasken an Unternehmen und Betriebe, die nach den ersten Lockerungen wieder öffnen konnten.
Mitarbeiter des Zivilschutzes verteilten Ende April unentgeltlich Schutzmasken an Unternehmen und Betriebe, die nach den ersten Lockerungen wieder öffnen konnten.
Foto: Keystone

Der Zivilschutz war bereits mit Beginn der Coronakrise im Februar in verschiedenen Kantonen aufgeboten worden. Zivilschutzangehörige verstärkten und entlasteten insbesondere das Gesundheits- und Pflegepersonal in Spitälern und Alters- und Pflegeheimen bei Aufgaben wie der Betreuung, der Triage und Zutrittskontrolle, der Reinigung und Desinfektion sowie dem Nachschub von Schutzmaterial.

Auch Notspitäler, Corona-Abklärungsstationen und Hotlines für die Bevölkerung wurden vom Zivilschutz aufgebaut. Eine weitere Aufgabe waren Personen- und Materialtransporte.

(red/sda/reuters)