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Coronavirus weltweit +++ Boeing kündigt 6770 US-Mitarbeitern +++ EU-Kommission fordert weitere zwei Billionen Euro

Die EU-Kommission will die Folgen der Corona-Krise mit einem Milliarden schweren Wiederaufbauprogramm bewältigen. Internationale News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Weltweit haben sich mehr als 5 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Rund 328'000 Menschen sind bislang daran gestorben. Am stärksten betroffen von der Pandemie sind die USA.
  • Zahlreiche Länder lockern mittlerweile ihre Einschränkungen oder Ausgangsbeschränkungen wieder.
  • Die Wirtschaft wird vielerorts langsam wieder hochgefahren. Die EU hat ein 500-Milliarden-Hilfspaket für die von der Coronakrise besonders betroffenen Staaten geschnürt.
  • Ein Impfstoff gegen den Erreger ist noch nicht in Sicht.

Hier sehen Sie, wie die Massnahmen in der Schweiz wirken: Der Ausbruch im Vergleich mit anderen Ländern.

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Boeing kündigt 6770 US-Mitarbeitern

Der angeschlagene Flugzeugbauer Boeing macht in der Corona-Krise mit seinem grossen Stellenabbau ernst. Rund 6770 Mitarbeiter in den USA erhalten diese Woche ihre Entlassungsschreiben, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte.

Die Kündigungen kommen demnach zusätzlich zu etwa 5520 Angestellten, die Abfindungsangebote angenommen haben und den Konzern in den nächsten Wochen verlassen. In den kommenden Monaten werde es Tausende weitere Abgänge geben, erklärte Boeing-Chef Dave Calhoun in einem Memo an die Mitarbeiter.

Die Entlassungswelle kommt nicht überraschend: Boeing hatte bereits Ende April angekündigt, seine Beschäftigtenzahl von rund 160 000 um etwa zehn Prozent zu reduzieren. Dieser Plan wurde nun lediglich konkretisiert. Der Konzern steckt aufgrund des Problemfliegers 737 Max, der nach zwei verheerenden Abstürzen seit mehr als einem Jahr weltweit mit Startverboten belegt ist, schon länger tief in der Krise. Die Corona-Pandemie, die den Luftverkehr nahezu zum Erliegen gebracht hat, hat das Unternehmen noch stärker unter Druck gebracht.

EU-Kommission will weitere knapp zwei Billionen Euro gegen Corona-Krise

Die EU-Kommission will im Kampf gegen die Coronavirus-Krise knapp zwei Billionen Euro einsetzen. Sie stellte am Mittwoch nach monatelangem Zwist ihren Vorschlag für den Haushalt für die Jahre 2021 bis 2027 vor. Dieser soll ein Volumen von 1,1 Billionen Euro haben. Er soll die Folgen der Pandemie abmildern, aber auch Impulse für mehr Klimaschutz und Digitalisierung setzen. Die Kommission macht sich zudem für einen 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds stark, von dem Italien und Spanien am stärksten profitieren würden.

«Das ist Europas Moment», sagte Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen im EU-Parlament. «Unsere Bereitschaft zum Handeln muss mit den Herausforderungen Schritt halten, mit denen wir alle konfrontiert sind.» Weil der Kampf gegen die Krise viel Geld kostet und die Verschuldung nach oben treibt, forderte von der Leyen neue Einnahmequellen für die EU. Als Beispiele nannte sie einen Ausbau von Emissionshandelssystemen, eine Digitalsteuer oder eine CO2-Grenzsteuer.

Die EU hatte zuletzt bereits Kredithilfen im Umfang von 540 Milliarden Euro beschlossen – etwa für Unternehmen über die Förderbank EIB oder für Staaten über den Rettungsfonds ESM. Damit zusammen mobilisiert Europa 2,4 Billionen Euro gegen die Krise, was aber immer noch vergleichsweise wenig ist. Teilweise wird befürchtet, dass die USA und China wirtschaftlich stärker aus der Krise hervorkommen.

Johnson will Anstrengungen für Neustart der Wirtschaft verdoppeln

Der britische Premierminister Boris Johnson verspricht, die von ihm angekündigten Massnahmen zur Stützung der Konjunktur zu verdoppeln. Dies betrifft nach seinen Worten unter anderem Infrastruktur und Bildung. Er kündigt an, kommenden Monat oder Anfang Juli neue Details zum Neustart der Wirtschaft bekannt zu geben.

Zehntägige Staatstrauer für Corona-Opfer in Spanien begonnen

Im von der Corona-Pandemie schwer betroffenen Spanien hat eine zehntägige Staatstrauer für die gut 27'000 Todesopfer der Pandemie begonnen.

Der Beginn der Ehrung wurde am Mittwoch um zwölf Uhr mittags von einer Schweigeminute im ganzen Land begleitet. Überall wurden die Landesfahnen auf Halbmast gesetzt. Im Madrider Regierungssitz Palacio de la Moncloa stand Ministerpräsident Pedro Sánchez der Zeremonie vor. Es handelt sich um die längste Staatstrauer in Spanien seit dem Ende der Diktatur von Francisco Franco (1939-1975).

Mit mehr als 235'000 Infektionsfällen und über 27 000 Toten ist Spanien eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder der Welt. Seit Mitte März gelten im Rahmen eines mehrfach vom Parlament verlängerten Alarmzustandes strenge Ausgehbeschränkungen und Regelungen, die erst seit kurzer Zeit schrittweise gelockert werden. Sánchez betonte mehrfach, diese Massnahmen seien dafür verantwortlich, dass die Zahlen seit Wochen immer besser werden.

Mitarbeiter des Krankenhauses Virgen de la Victoria in Malaga legen eine Schweigeminute ein.
Mitarbeiter des Krankenhauses Virgen de la Victoria in Malaga legen eine Schweigeminute ein.
Foto: Álex Zea/EUROPA PRESS/dpa via Keystone

Vermutlich Tausende Tote mehr als bekannt durch Pandemie in Spanien

In Spanien sind vermutlich Tausende Menschen mehr mit Covid-19 gestorben als die offizielle Statistik bisher ausweist.

Zwischen dem 1. März und dem 12. Mai seien landesweit insgesamt 43'295 Menschen mehr gestorben als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, schrieb die Zeitung «El País» am Mittwoch in einer Auswertung offizieller Sterbedaten. Die sogenannte Übersterblichkeit habe damit bei 52 Prozent gelegen, in etwa so hoch wie im ebenfalls schwer getroffenen Italien. Zum Vergleich: In Deutschland lag sie Ende April bei rund 13 Prozent.

In der Gesamtzahl der Toten in Spanien seien die 27 302 Fälle enthalten, bei denen es einen positiven Test auf das Coronavirus Sars-CoV-2 gegeben habe. Die anderen zusätzlichen 15 993 Toten seien offiziell nicht als Covid-19-Fälle ausgewiesen. Ein grosser Teil von ihnen sei aber vermutlich auf die Pandemie zurückzuführen, schrieb die Zeitung weiter.

Südkorea meldet deutlichen Anstieg bei Corona-Infektionen

Die Zahl der täglich erfassten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Südkorea ist wieder deutlich gestiegen. Wie die Gesundheitsbehörden am Mittwoch mitteilten, wurden am Dienstag 40 weitere Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet.

Das war der höchste Anstieg seit sieben Wochen. Die Gesamtzahl kletterte demnach auf 11 265. Bisher wurden 269 Todesopfer in Verbindung mit dem Virus gebracht.

Neue Sorgen bereitet den Behörden eine Häufung von Infektionen in einem Logistikzentrum eines Online-Versandhändlers in der westlich von Seoul gelegenen Stadt Bucheon. Bis zum Mittwochmorgen wurden den Angaben zufolge 36 Fälle unter den mehr als 4000 Beschäftigten oder bei Kontaktpersonen bestätigt. Sämtliche Mitarbeiter sollten sich einem Virustest unterziehen.

Menschen mit Mundschutz gehen am Flughafen Gimpo durch die Gänge des Inlandsterminals. Die Behörden haben alle Flugzeugpassagiere auf Grund der Corona-Pandemie zum Tragen von Gesichtsmasken aufgefordert.
Menschen mit Mundschutz gehen am Flughafen Gimpo durch die Gänge des Inlandsterminals. Die Behörden haben alle Flugzeugpassagiere auf Grund der Corona-Pandemie zum Tragen von Gesichtsmasken aufgefordert.
Foto: Ahn Young-Joon/AP/dpa

Die Behörden vermuten, dass sich der erste Infektionsfall in dem Logistikzentrum auf einen Ausbruch unter Clubgästen in Seoul zurückführen lässt. Dort hatte der Nachweis bei einem 29-jährigen Besucher mehrerer Clubs und Bars in dem beliebten Ausgehviertel Itaewon Anfang des Monats Alarm ausgelöst. Mittlerweile werden mit dem Itaewon-Ausbruch mehr als 250 Infektionsfälle in Verbindung gebracht.

Der jüngste Anstieg der Fallzahlen kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. In einer zweiten Phase der Schulöffnungen wurde am Mittwoch landesweit der Unterricht für weitere etwa 2,4 Millionen Schüler wieder aufgenommen.

Nach dem Höhepunkt des Ausbruchs Ende Februar mit über 900 Fällen innerhalb eines Tages hatte Südkorea im März die Lage weitgehend in den Griff bekommen.

Lufthansa verschiebt Entscheidung über Rettungspaket

Der Lufthansa-Aufsichtsrat hat wegen der Auflagen der EU-Kommission eine Entscheidung über das neun Milliarden Euro schwere staatliche Rettungspaket verschoben. Die von der Wettbewerbsbehörde geforderten Auflagen bedeuteten eine Schwächung der Drehkreuze an den Standorten München und Frankfurt. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Auswirkungen sowie mögliche Alternativszenarien müssten intensiv geprüft werden. «Vor diesem Hintergrund hat der Aufsichtsrat dem Stabilisierungspaket in Zusammenhang mit den EU Auflagen nicht zustimmen können», teilte die Lufthansa am Mittwoch mit. Die Finanzhilfen sähe das Gremium aber weiterhin als einzig gangbare Alternative an.

Zypern öffnet Tourismus – Schweizer müssen Corona-Test vorlegen

Touristen und Reisende aus 19 Staaten werden ab 20. Juni ohne Quarantänepflicht zur Touristeninsel Zypern fliegen können. «Wir starten unseren Tourismus neu», sagte der für den Tourismus zuständige Vizeminister Savvas Perdios am Mittwoch im Staatsfernsehen (RIK). Reisende aus der Schweiz müssen jedoch einen Corona-Test vorlegen.

Reisende aus Deutschland, Österreich, Malta, Griechenland, Israel, Bulgarien, Finnland, der Slowakei, Slowenien, Litauen, Norwegen, Dänemark und Ungarn können dagegen ohne Test in Zypern einreisen. Einen Test vorlegen müssen neben den Schweizern auch Touristen aus Tschechien, Polen, Rumänien sowie Kroatien und Estland.

«Wir werden diese Liste immer wieder ändern, je nachdem wie die Lage in diesen und anderen Ländern ist», fügte der Tourismus-Vizeminister hinzu. Dies betreffe auch die zwei wichtigsten Staaten aus denen Touristen nach Zypern reisen: Grossbritannien und Russland. Reisen aus diesen Ländern sind zunächst nicht erlaubt, teilte Perdios weiter mit.

Frankreich verbietet Einsatz von Malariamittel

Frankreich verbietet das umstrittene Malariamittel Hydroxychloroquin zur Behandlung von Covid-19-Patienten. Die Regierung zog am Mittwoch ein Dekret zurück, das Krankenhausärzten die Verabreichung des Mittels zur Behandlung schwerer Formen der durch das neuartige Coronavirus verursachten Lungenkrankheit Covid-19 erlaubte. Frankreich hatte Ende März entschieden, den Einsatz des Wirkstoffs im Krankenhaus und unter besonderen Umständen zu erlauben.

Erst vor zwei Tagen hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO angekündigt, eine grosse klinische Studie mit dem Malariamittel an Covid-19-Patienten wegen Sicherheitsbedenken zu stoppen. Bis Mitte Juni erwartet sie eine Überprüfung der Daten. Dann soll eine endgültige Entscheidung über den Nutzen von Hydroxychloroquin getroffen werden.

Das renommierte medizinische Fachmagazin «The Lancet» hatte kürzlich berichtet, dass Patienten, die Hydroxychloroquin erhielten, eine erhöhte Sterblichkeitsrate und unregelmässigen Herzschlag hatten (zum Bericht: Donald Trumps Malariamittel erhöht bei Covid-19 die Sterblichkeit) . Zuvor hatte es bereits eine Reihe enttäuschender Ergebnisse mit dem Medikament gegeben. US-Präsident Donald Trump hatte vor kurzem mit Aussagen für Unverständnis gesorgt, täglich einmal Hydroxychloroquin zur Vorbeugung gegen Covid-19 einzunehmen.

Eine Wirksamkeit der Malaria-Arznei gegen das neuartige Coronavirus ist EU-Experten zufolge nicht nachgewiesen, gegenwärtig laufen mehrere Studien. Die US-Arzneimittelaufsicht FDA hat bereits vor schweren Nebenwirkungen beim Einsatz von Hydroxychloroquin bei Covid-19-Patienten gewarnt.

EU-Kommission: 750 Milliarden Euro für Wiederaufbauprogramm

Die EU-Kommission will nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 750 Milliarden Euro für die wirtschaftliche Erholung Europas nach der Corona-Krise mobilisieren.

Davon sollen 500 Milliarden Euro als nicht rückzahlbare Zuwendungen und 250 Milliarden Euro als Kredite fliessen, wie die dpa am Mittwoch aus informierten Kreisen in Brüssel erfuhr. Dafür sollen im Namen der Europäischen Union über Anleihen Kredite am Kapitalmarkt aufgenommen und über Jahrzehnte gemeinsam getilgt werden.

Damit fällt das von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen entworfene Programm noch deutlich grösser aus als eine deutsch-französische Initiative für ein 500-Milliarden-Euro-Paket. Daneben will von der Leyen einen regulären mehrjährigen Finanzrahmen für die Jahre 2021 bis 2027 im Umfang von rund einer Billion Euro vorschlagen. Von der Leyen will den Plan am Nachmittag offiziell in einer Rede im Europaparlament vorstellen.

Mit dem Wiederaufbauplan soll die schlimmste Rezession in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg bewältigt werden. Wegen des zeitweiligen Stillstands während der Pandemie wird die Wirtschaft in der EU nach einer offiziellen Prognose dieses Jahr um 7,4 Prozent schrumpfen. Einige Länder wie Italien, Spanien und Griechenland sind besonders hart getroffen. Die EU-Staaten haben bereits ein gemeinsames Sicherheitsnetz mit Kredithilfen von bis zu 540 Milliarden Euro gespannt.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will den Plan am Nachmittag offiziell in einer Rede im Europaparlament vorstellen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will den Plan am Nachmittag offiziell in einer Rede im Europaparlament vorstellen.
Foto: Reuters

Das Programm zur wirtschaftlichen Erholung im Rahmen des Haushaltsplans ist nun der nächste Schritt. Das Neue: Die über Kredite finanzierten Mittel sollen überwiegend als Zuwendungen vergeben an die EU-Staaten werden, die nicht die Empfänger, sondern alle gemeinsam zurückzahlen.

Vorige Woche hatten Deutschland und Frankreich vorgeschlagen, die EU-Kommission solle mit Hilfe von Garantien der EU-Staaten 500 Milliarden Euro Kredit aufnehmen und als Zuwendungen an Krisenstaaten und -branchen vergeben. Die deutsche Position wird besonders aufmerksam beobachtet, weil das Land die stärkste Volkswirtschaft und der grösste Nettozahler der EU ist. Darüber hinaus übernimmt Deutschland zum 1. Juli für sechs Monate den Vorsitz der EU-Länder. Damit kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel eine besondere Rolle bei der Bewältigung der Krise zu.

Von der Leyens Wiederaufbauplan ähnelt dem deutsch-französischen Konzept. Auch von der Leyen will das Programm mit Krediten finanzieren. Dafür sollen die EU-Staaten mit Beitragszusagen zum Haushalt garantieren. Im Fachjargon: Die Eigenmittelobergrenze soll drastisch erhöht werden.

Die «Sparsamen Vier» erheben Einspruch

Die Schulden sollen dann über Jahrzehnte aus dem EU-Budget abgestottert werden. Dabei sollen nach dem Willen der EU-Kommission neue eigene Einnahmen für die EU aus Steuern und Abgaben helfen. Im Gespräch ist eine Ausweitung des Europäischen Emissionshandels sowie eine Digitalsteuer oder eine Plastikabgabe.

Dass aus Krediten stammendes Geld als Zuwendung und nicht nur als rückzahlbares Darlehen an Krisenstaaten fliessen soll, stösst bei einigen EU-Ländern auf Widerstand. Österreich, die Niederlande, Schweden und Dänemark – die «Sparsamen Vier» – haben gemeinsam Einspruch erhoben.

Ungarn will Sondervollmacht beenden

Die ungarische Regierung hat die Aufhebung der Sondervollmachten eingeleitet, die sie während der Coronavirus-Pandemie erhalten hatte. Einen entsprechenden Gesetzesvorschlag reichte der Vize-Ministerpräsident Zsolt Semjen am Dienstag kurz vor Mitternacht ein.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban.
Foto: Keystone

Nach Behandlung der Vorlage im Parlament und ihrer Billigung würden Gefahrennotstand und Sondervollmachten voraussichtlich am 20. Juni enden, schrieb zudem Justizministerin Judit Varga in der Nacht auf Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite.

Der rechts-nationale Ministerpräsident Viktor Orban hatte sich Ende März vom Parlament mit umfassenden Vollmachten ausstatten lassen, um die Corona-Pandemie bekämpfen zu können. Der Schritt war international und von der heimischen Opposition heftig kritisiert worden, weil das zugrunde liegende Gesetz keine zeitliche Befristung vorsieht.

Weltweit über 5,5 Millionen Menschen infiziert

Nach einer Reuters-Zählung haben sich mittlerweile über 5,5 Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt. Knapp 347.000 Erkrankte sind an Covid-19 gestorben. Die USA führen mit rund 98.000 die Liste der Coronavirus-Todesfälle vor Brasilien (knapp 23.500 Fälle) an.

Japans zweites Rettungspaket

Japans Regierung wird neue Hilfen in Höhe von rund 1,3 Billionen Dollar zur Finanzierung japanischer Unternehmen zur Verfügung stellen. In einem zweiten zusätzlichen Nachtragshaushalt soll der Rettungsschirm für die von den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie betroffen Unternehmen am Mittwoch verabschiedet werden, sagt Premierminister Shinzo Abe.

Disney öffnet Vergnügungsparks

Der Unterhaltungskonzern Walt Disney will seine Vergnügungsparks wieder öffnen. Den Behörden in Orlando in Florida werde am Mittwoch ein Plan zur schrittweisen Aktivierung der dortigen Parks gemacht, kündigte der US-Konzern am Dienstag an.

Disney hatte seine Themenparks auf der ganzen Welt im Januar geschlossen. Damit sollte die Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie vermindert werden. Nunmehr sollen schrittweise die Freizeitparks wieder für Publikum zugänglich gemacht werden, hiess es weiter.

US-Einreisestopp bleibt bestehen

US-Präsident Donald Trump lässt weiter offen, wie lange er das Einreiseverbot aus dem Schengenraum in die Vereinigten Staaten aufrechterhalten will. Auf eine entsprechende Nachfrage sagte Trump am Dienstag im Weissen Haus in Washington, seine Regierung werde bestimmte Ankündigungen mit Blick auf Länder in Europa zu gegebener Zeit machen. «Wenn sie Fortschritte machen, werden wir anfangen, es wieder zu öffnen – aber nur, wenn sie Fortschritte machen.»

Trump hatte Mitte März wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus in mehreren europäischen Staaten einen Einreisestopp für Ausländer aus Europa verhängt. Derzeit dürfen Reisende aus dem Schengenraum, Grossbritannien und Irland bis auf Ausnahmen nicht in die USA einreisen. Bei der Ankündigung im März hatte Trump gesagt, dass die Regelung auf 30 Tage begrenzt sei. Mitte April machte er klar: Sie bleibt in Kraft, bis es den vom Coronavirus stark betroffenen Ländern in Europa besser gehe.

Kaliforniern lockert die Auflagen

In Kalifornien werden die Corona-Auflagen schrittweise weiter gelockert. Gouverneur Gavin Newsom gab am Dienstag (Ortszeit) bekannt, dass nun in den meisten Bezirken des Westküstenstaates Friseursalons wieder öffnen dürfen, unter Beachtung von Abstandsregeln und Hygienevorschriften. Ein Handvoll Bezirke mit höheren Corona-Fallzahlen, darunter Los Angeles County, sind allerdings ausgenommen.

Ja, wir haben geöffnet! In Kalifornien ist wieder mehr erlaubt als in den letzten Wochen.
Ja, wir haben geöffnet! In Kalifornien ist wieder mehr erlaubt als in den letzten Wochen.
(Keystone/AP/26. Mai 2020)

Im Rahmen der langsamen Öffnung des bevölkerungsreichsten US-Staates mit knapp 40 Millionen Einwohnern dürfen auch wieder Geschäfte, Shopping-Malls und Kirchen mit Beschränkungen wie Maskentragen den Betrieb aufnehmen. Kinos und andere Veranstaltungsorte bleiben in Kalifornien aber weiterhin zu. Er berate derzeit mit Vertretern der Unterhaltungsindustrie über die nächsten Schritte, das Film- und Fernsehgeschäft in Hollywood wieder in Gang zu bringen, sagte Newsom. In Kürze wollen er für diesen Sektor Richtlinien verkünden.

In dem Westküstenstaat sind nach Informationen vom Dienstag über 96'000 Infektionen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen, es starben bislang in Kalifornien mehr als 3800 Menschen.

Deutschland will Kontaktbeschränkungen verlängern

Die Kontaktbeschränkungen in Deutschland werden Regierungskreisen zufolge bis zum 29. Juni verlängert. Bund und Länder einigten sich am Dienstag auch darauf, dass die Länder den Aufenthalt im öffentlichen Raum ab dem 6. Juni mit bis zu zehn Personen oder den Angehörigen zweier Hausstände gestatten können, wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr.

Den Ländern solle mit diesem Beschluss auch die Möglichkeit gegeben werden, je nach Infektionsgeschehen bei der bestehenden restriktiveren Regelung zu bleiben, hiess es in den Regierungskreisen. Allerdings scherte Thüringen aus: Das Bundesland, das eine Aufhebung der allgemeinen Kontaktbeschränkungen ab dem 6. Juni bekanntgegeben hatte, unterstrich seine abweichende Meinung in einer umfassenden Protokollerklärung. Thüringen will dann anders als die anderen Bundesländer nur noch regional gültige Vorschriften machen.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hatte für seinen Vorstoss Kritik geerntet. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich für eine Verlängerung aus. Fortschritte sollten nicht gefährdet werden. Die Kontaktbeschränkungen gelten bislang bis zum 5. Juni.

So langsam kehrt der normale Alltag zurück: Ein Bad in Berlin ist wieder geöffnet worden.
So langsam kehrt der normale Alltag zurück: Ein Bad in Berlin ist wieder geöffnet worden.
(Keystone/25. Mai 2020)

Viele russische Ärzte sterben wegen Virus

Nach massiver Kritik russischer Ärzte an den Arbeitsbedingungen in der Corona-Krise gibt es nun eine offizielle Statistik über die Todesfälle beim medizinischen Personal. Demnach starben bislang mindestens 101 Ärzte, Krankenschwester, Pfleger und Fahrer von Rettungswagen. Das sagte die zuständige Expertin im Gesundheitsministerium, Ljudmila Letnikowa, am Dienstag der Staatsagentur Tass zufolge. Inoffizielle Zählungen gehen aber von mindestens dreimal so vielen Todesfällen aus.

Aktivisten haben bei Google eine «Liste des Gedenkens» angelegt. Darauf standen am Dienstagnachmittag 305 Namen von infizierten Klinikmitarbeitern, die in der Corona-Pandemie gestorben sind. Ärzte beklagen immer wieder fehlende Schutzausrüstung, die Behörden widersprachen solchen Berichten. Viele Mediziner werden dennoch krank. Die Behörden in St. Petersburg sprachen von bislang mehr 3000 Infektionsfällen beim medizinischen Personal.

Am Dienstag wurden in Russland mit 174 Toten so viele Sterbefälle wie bisher noch nie an einem Tag gezählt. Nach offiziellen Angaben haben sich landesweit mehr als 362 000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. 3807 Menschen starben. Es gab Kritik, dass diese Zahl bewusst geschönt sei. Die Behörden wiesen das vehement zurück.

Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes führt Tests bei Autolenkern in Moskau durch.
Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes führt Tests bei Autolenkern in Moskau durch.
(Keystone/25. Mai 2020)

Medien berichteten zudem in den vergangenen Wochen von mehreren mysteriösen Todesfällen, bei denen sich Mediziner aus Fenstern gestürzt haben sollen und gestorben waren. Sie sollen zuvor Kritik an dem Arbeitsumständen geübt haben.

Spanien gedenkt Opfer mit langer Staatstrauer

Mit einer ungewöhnlich langen, zehntägigen Staatstrauer wird Spanien der gut 27'000 Todesopfer der Pandemie gedenken. Die Trauer werde am Mittwoch um 12.00 Uhr mit einer Schweigeminute im ganzen Land beginnen, teilte die linke Regierung am Dienstag mit. Ministerpräsident Pedro Sánchez werde der Zeremonie im Regierungssitz Palacio de la Moncloa in Madrid vorstehen, sagte Regierungssprecherin María Jesús Montero.

Anschliessend sollen die Landesfahnen im ganzen Land auf Halbmast gesetzt werden. Es wird die längste Staatstrauer in Spanien seit dem Ende der Diktatur von Francisco Franco (1939-1975) sein. Regierungssprecherin Montero wies darauf hin, dass acht von zehn Menschen, die in Spanien an Covid-19 starben, älter als 70 gewesen seien. Sie hätten dabei geholfen, das Land beim Übergang in die Demokratie in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre aufzubauen.

Mit mehr als 235'000 Infektionsfällen und über 27'000 Toten ist Spanien eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder der Welt. Seit Mitte März gelten im Rahmen eines mehrfach vom Parlament verlängerten Alarmzustandes strenge Ausgehbeschränkungen und Regelungen, die erst seit kurzer Zeit schrittweise gelockert werden. Sánchez betonte mehrfach, diese Massnahmen seien dafür verantwortlich, dass die Zahlen seit Wochen immer besser werden.

Fahnen auf Halbmast in Spanien.
Fahnen auf Halbmast in Spanien.
(Keystone/26. Mai 2020)
Ryanair will Lufthansa-Rettungspaket anfechten

Der Billigflieger Ryanair will gegen das vereinbarte neun Milliarden Euro schwere staatliche Rettungspaket für die Lufthansa rechtlich vorgehen. «Ryanair wird gegen das jüngste Beispiel illegaler staatlicher Beihilfen an die Lufthansa Beschwerde einlegen», erklärte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Dienstag. Die Finanzhilfe werde der Lufthansa Preise unter Kosten ermöglichen und den Billigairlines Ryanair aus Irland oder Easyjet aus Grossbritannien den Wettbewerb erschweren. Der Wettbewerb werde massiv verzerrt.

Die Bundesregierung und die Lufthansa hatten sich am Montag nach wochenlangen Verhandlungen auf die Staatshilfe in Form von Krediten, stillen Einlagen und einem Einstieg des Staates bei der Lufthansa in Höhe von 20 Prozent geeinigt. Die EU-Kommission muss für eine Genehmigung prüfen, ob die Beihilfe den Wettbewerb im europäischen Luftverkehr beschränkt.

(red/sda/reuters)