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Neue ForschungsergebnisseCovid-19 kostet etliche Jahre Lebenszeit

Wer an Covid-19 stirbt, hätte nicht mehr lange zu leben gehabt? Berechnungen zeigen nun, wie falsch diese Vermutung ist: Männer verlieren durchschnittlich 13 Jahre Lebenszeit, Frauen elf.

Das durchschnittliche Alter, in dem Menschen am Coronavirus sterben, liegt aktuell bei 81 Jahren:  Zwei Senioren sitzen in einem Tram in Zürich.
Das durchschnittliche Alter, in dem Menschen am Coronavirus sterben, liegt aktuell bei 81 Jahren: Zwei Senioren sitzen in einem Tram in Zürich.
Bild: Christian Beutler/Keystone

Die Meinung hält sich hartnäckig: Wer infolge einer Coronavirus-Infektion stirbt, hätte meist sowieso nicht mehr lange zu leben gehabt. Sei es aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder diverser schwerer Vorerkrankungen.

Forscher der Universität im schottischen Glasgow haben gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde des Landes diese Annahmen in einer Studie überprüft – und kommen zu ganz anderen Zahlen: Demnach verlieren männliche Coronavirus-Opfer im Schnitt 13 Jahre Lebenszeit, bei Frauen sind es elf Jahre. Dabei betrachteten die Wissenschaftler explizit die Auswirkungen von Leiden, die Betroffene schon vor ihrer Covid-19-Infektion hatten. Selbst alte Menschen oder Vorerkrankte hätten ihren Ergebnissen zufolge häufig noch mehrere Jahre zu leben gehabt, wenn sie sich nicht mit dem Coronavirus infiziert hätten.

Einfluss der Vorerkrankungen

Die Wissenschaftler verglichen dazu die allgemeinen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Lebenserwartung verschiedener Altersgruppen mit den Erkenntnissen zu Corona-Todesfällen in Italien. Um ein genaueres Bild davon zu bekommen, wie Vorerkrankungen die Lebenserwartung von Menschen beeinflussen, liessen die schottischen Wissenschaftler zudem aktuelle Daten zu Corona-Infizierten in Grossbritannien in ihre Studie einfliessen.

Dabei konzentrierten sich die Forscher bei ihren Modellrechnungen auf Menschen mit Herzerkrankungen wie Rhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz sowie Patienten mit Schlaganfall, Bluthochdruck, Diabetes, Demenz, COPD, Krebs, Leberversagen und Nierenerkrankungen.

Daten zu Corona-Todesfällen aus Italien hatten gezeigt, dass dort die häufigste Vorerkrankung Bluthochdruck war. 73 Prozent aller Verstorbenen waren davon betroffen, gefolgt von Diabetes (31,3 Prozent) und Herzerkrankungen (27, 8 Prozent).

Auch junge Menschen sterben an Infektion

Einschränkend weisen die Studienautoren darauf hin, dass es auch von weiteren Umständen wie zum Beispiel der Versorgungskapazität in bestimmten Regionen abhängt, wie hoch die Überlebenschancen eines einzelnen Covid-19-Patienten sind. Gerade in Italien wird vermutet, dass die Todeszahlen auch deshalb so hoch sind, weil nicht alle Erkrankten die bestmögliche Behandlung erhalten konnten. Auch wurde nicht erfasst, ob die Betroffenen Raucher waren oder übergewichtig.

«Die meisten Menschen verlieren durch eine Infektion mit Covid-19 deutlich mehr Lebenszeit als die oft kommentierten ein oder zwei Jahre.»

Studienautoren, Universität Glasgow

Das durchschnittliche Alter, in dem Menschen am Coronavirus sterben, liegt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Deutschland aktuell bei 81 Jahren. In die Studie aus Schottland flossen ähnliche Zahlen aus Grossbritannien ein.

Trotz dieses hohen Alters der Verstorbenen warnen die Forscher davor, voreilige Schlüsse zu ziehen: Zum einen sterben auch jüngere, bis dato gesunde Menschen an der Infektion, zum anderen bedeutet eine Vorerkrankung nicht automatisch einen frühen Tod. «Die meisten Menschen verlieren durch eine Infektion mit Covid-19 deutlich mehr Lebenszeit als die oft kommentierten ein oder zwei Jahre», resümieren die Wissenschaftler. Zwar nehme diese Zahl ab, je älter ein Betroffener sei und wie zahlreich seine Vorerkrankungen sind. Doch verliere ein fitter 80-Jähriger durch das Coronavirus im Schnitt elf Jahre Lebenszeit.