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Millionenverlust aus RechtsstreitCredit Suisse muss 380 Millionen Franken zurückstellen

Wegen US-Hypothekengeschäften während der Finanzkrise ist die Bank gezwungen, ihre Risikovorsorge zu erhöhen. Nun drohen rote Zahlen im vierten Quartal.

In der Finanzkrise konnten viele Menschen ihre Hypotheken nicht mehr bedienen. Die Folgen davon beschäftigen bis heute die Gerichte.
In der Finanzkrise konnten viele Menschen ihre Hypotheken nicht mehr bedienen. Die Folgen davon beschäftigen bis heute die Gerichte.
Foto: Jeff Kowalsky (Keystone) 

Der Hinweis findet sich auf Seite 379 im Geschäftsbericht der Credit Suisse: Dort beschreibt die Grossbank den jahrelangen Rechtsstreit mit dem US-Versicherer MBIA um Schadenersatz aus Geschäften mit verbrieften US-Hypotheken. Dieser Streit holt die Bank nun ein, sie muss hierfür ihre Risikovorsorge erhöhen. Das dürfte dazu führen, dass Credit Suisse im vierten Quartal rote Zahlen schreiben wird.

Bei dem Streit geht es um Wertpapiere, die auf US-Hypotheken basieren. MBIA versicherte das Ausfallrisiko dieser Wertpapiere. Nach der Finanzkrise versucht MBIA, die erlittenen Verluste wieder hereinzuholen und argumentiert, bei der Transaktion getäuscht worden zu sein. In der Nacht auf Dienstag stellte nun ein New Yorker Gericht den möglichen Schadenersatz fest und taxierte diesen mit 680 Millionen Dollar.

Credit Suisse glaubt, den Prozess gewinnen zu können. Doch für das Risiko aus diesem Prozess hat die Grossbank bisher nur 300 Millionen Dollar in der Bilanz zurückgestellt. Nun muss die Grossbank ihre Risikovorsorge erhöhen, kündigte sie an. Den Betrag nannte sie nicht, will sie das gesamte Prozessrisiko absichern, müsste Credit Suisse 380 Millionen Dollar zusätzlich zurückstellen – der Betrag drückt dann den Gewinn der Bank.

Neue Risikovorsorge drückt Gewinn

Es ist die zweite Hiobsbotschaft innerhalb einer Woche. Dienstag vor einer Woche hatte die Grossbank angekündigt, 450 Millionen Dollar abschreiben zu müssen als Folge einer fehlgeschlagenen Beteiligung am US-Hedgefonds York Capital Management.

Die Grossbank hatte 2010 für 425 Millionen Dollar einen Anteil von 30 Prozent an der Fondsgesellschaft gekauft, in der Hoffnung, auf diese Weise am Boom der Hedgefonds mitzuverdienen. Hedgefonds sind wenig regulierte Anlagen für Profi-Investoren, bei denen die Fondsmanager grosse Freiheiten geniessen.

Doch wegen der Geldmarktschwemme der Notenbanken steigen die Aktienmärkte immer weiter. Hedgefonds gelingt es immer weniger, eine Mehrrendite zu erwirtschaften. Daher stellt York sein Geschäftsmodell radikal um und will sich im Geschäft mit Beteiligungen an nicht kotierten Unternehmen (Private Equity) versuchen. Als Folge musste Credit Suisse den Wert ihrer Beteiligung an York massiv korrigieren.

Die Nachreservierung für den Hypothekenstreit sowie der Abschreiber auf York führen dazu, dass Credit Suisse voraussichtlich im vierten Quartal einen Verlust ausweisen wird, schätzt Analyst Andreas Venditti von Vontobel. Anleger sind offenbar Kummer gewohnt, die Aktie der Bank reagierte kaum. Im Fokus stand die Benennung des neuen Bankpräsidenten, António Horta-Osório.