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Da bleibt nur noch Kopfschütteln

Es ist schwer erträglich, dass einem Mann wegen angeblich «gehässiger» Medienberichte Schmerzensgeld nachgeschmissen wird.

Das Obergericht hat die Verurteilung des Mannes aufgehoben, nachdem seine Ehefrau in der gleichen Sache freigesprochen worden war. Der Entscheid ist richtig, denn es kann in der gleichen Sache nicht zwei sich widersprechende Urteile geben.

Es ist aber schlichtweg schwer erträglich, dass dem Mann wegen angeblich «gehässiger» Medienberichterstattung noch Schmerzensgeld von 1000 Franken nachgeschmissen wird. Hier muss noch einmal an die Fakten erinnert werden: Es war der Ehemann, der gegen seine Frau Strafanzeige mit teils abstrusen Vorwürfen einreichte. Es muss erwähnt werden, dass dies just zu dem Zeitpunkt erfolgte, als es ihm nicht gelungen war, die alleinige Obhut über seine Tochter zu erhalten. Es war der die Frau freisprechende Richter, der darauf hinwies, die Vorwürfe des Mannes seien vor dem Hintergrund einer zerrütteten Beziehung und eines erbitterten Trennungsstreits erhoben worden. Es war der Richter, der «erhebliche Zweifel» äusserte, ob das vom Mann Behauptete überhaupt stattgefunden hat.

Eines ist offensichtlich: In allererster Linie war die Ehefrau die Leidtragende. Letztlich initiiert durch das Vorgehen ihres Mannes, war sie längere Zeit mit Medienberichten konfrontiert. Diese befassten sich zwar durchaus legitim mit der Frage, wie lange ein Kind gestillt werden darf. Dabei wurde aber in vorverurteilender Weise stillschweigend vorausgesetzt, dass die harten Vorwürfe des Mannes zutreffen.

Ein Mann, der seine Frau in einem erbitterten Trennungsstreit an den Pranger stellt, sich dann über eine «gehässige» Medienberichterstattung beschwert, die sich vor allem gegen seine Frau richtet, und der schliesslich die Chuzpe besitzt, für sich Schmerzensgeld zu fordern – und zu erhalten: Da bleibt nur noch Kopfschütteln.

Und das Obergericht darf darauf hinweisen, dass es von alldem gar nichts gewusst hat. Denn die Gründe für den Freispruch der Frau und die Würdigung der Aussagen des Mannes durch das Bezirksgericht fanden nie den Weg ans Obergericht: Das Urteil musste nicht schriftlich begründet werden.

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