Zum Hauptinhalt springen

Saisonstart beim FC ZürichDa schaltet der FCZ-Präsident auf Gegenangriff um

Zum Trainingsauftakt erklärt Ancillo Canepa die neue Strategie seines Vereins, mit der er auf wegbrechende Einnahmen reagieren will. Und er erklärt, warum sein FCZ immer noch ein Spitzenclub ist.

Sieht seinen Club mindestens da oben: Ancillo Canepa, Präsident des FC Zürich.
Sieht seinen Club mindestens da oben: Ancillo Canepa, Präsident des FC Zürich.
Foto: Claudio Thoma / Freshfocus
Sucht mehr Spieler mit «Grinta»: Marinko Jurendic, seit Anfang August Sportchef des FC Zürich.
Sucht mehr Spieler mit «Grinta»: Marinko Jurendic, seit Anfang August Sportchef des FC Zürich.
Foto: Claudio Thoma / Freshfocus
Kümmert sich künftig unter anderem um an andere Clubs ausgeliehene FCZ-Talente: Alain Nef (l.), einstiger Fanliebling in der Zürcher Innenverteidigung.
Kümmert sich künftig unter anderem um an andere Clubs ausgeliehene FCZ-Talente: Alain Nef (l.), einstiger Fanliebling in der Zürcher Innenverteidigung.
Foto: Claudio Thoma / Freshfocus
1 / 4

Ancillo Canepa ist ein Meister des schnellen Umschaltspiels. Wird der Präsident gefragt, ob er seinen FC Zürich noch immer als Spitzenclub sieht, braucht er nur ein paar Sekunden für den Gegenangriff: «Wo waren Sie in den letzten 15 Jahren? Hatten Sie einen anderen Beruf?»

Will heissen: Natürlich sieht Canepa den FCZ beim Trainingsauftakt zur neuen Spielzeit weiterhin als Spitzenclub. Dass es zuletzt zum zweiten Mal in Serie nur für Rang sieben gereicht hat, ficht ihn nicht an. Weil Canepa nicht bloss auf jene Tabelle schaut, die Trainer Ludovic Magnin «am liebsten aus dem Teletext löschen» würde.

Das Prädikat Spitze verleiht Canepa seinem Club mit einem Blick auf «Kontinuität, Führung, Strukturen». Wobei – gerade da hat das Präsidenten-Ehepaar Canepa dann doch Änderungsbedarf ausgemacht. Darum steigt der FCZ mit einer neu aufgestellten sportlichen Leitung in die neue Saison. Was damit zu tun hat, dass sich der Club als Gesamtes etwas anders ausrichten will.

Der FCZ braucht eine neue Strategie

Es wird Canepa immer wieder vorgeworfen, er leite den FCZ zu sehr von Emotionen bestimmt, er sei manchmal zu euphorisch. Aber der 67-Jährige verschliesst die Augen nicht vor der Realität. Diese besagt, dass alle Schweizer Clubs finanziell unter Druck geraten.

Sicher durch das Loch bei den Zuschauereinnahmen, das laut Canepa auch nicht wettgemacht wird, wenn trotz Coronavirus immerhin die Hälfte des Letzigrunds gefüllt werden kann. Und dann ist da noch die Uefa, die die Kleinen von ihren Honigtöpfen verscheucht.

Ab Sommer 2021 ist es realistisch, dass die Schweizer Vertreter höchstens noch in der neuen, drittklassigen Conference League spielen. «Es wird viel schwieriger für Schweizer Clubs, in die Europacup-Gruppenphasen zu kommen», stellt Canepa fest. Und sagt mit Blick auf diese zweite versiegende Einnahmequelle: «Entsprechend wollen wir uns noch stärker als Ausbildungsclub positionieren.»

Wechselt mit erst 16 Jahren von Inter Mailand zum FCZ: Wilfried Gnonto (r.), Offensivspieler mit Einsätzen in Italiens U-17-Nationalteam.
Wechselt mit erst 16 Jahren von Inter Mailand zum FCZ: Wilfried Gnonto (r.), Offensivspieler mit Einsätzen in Italiens U-17-Nationalteam.
Foto: Claudio Thoma / Freshfocus

Deswegen hat Canepa den bisherigen Sportchef Thomas Bickel zum Chefscout umfunktioniert. Und stattdessen mit Marinko Jurendic einem Mann die sportliche Führung übergeben, der für alle Sparten verantwortlich ist: Profis, Frauen, Junioren. Es geht für Canepa um «Kommunikation, Koordination, das Nutzen von Synergien».

Mag abstrakt klingen. Aber drei Spieler stehen sinnbildlich für die künftige Strategie des FCZ. Er will ein Club werden, der Talente aus dem In- und Ausland anlockt, noch bevor sie Thema für die erste Mannschaft sind.

Omeragic, das leuchtende Beispiel

So wie Becir Omeragic (18), der von der U-18 von Servette nach Zürich gezogen und jetzt auf dem Weg zum Abwehrchef ist. Oder wie Stürmer Wilfried Gnonto (16), der aus der U-19 von Inter Mailand zum FCZ stösst.

Packt ein Talent nicht den direkten Weg in die erste Mannschaft, soll eine eng begleitete Leihe in die Challenge League den Weg frei machen. Wie bei Fabian Rohner, der nach einer Saison in Wil nun zum Kader des ersten Teams gehört.

Ganz ohne Transfers kommt der FCZ trotzdem nicht über die Runden. Bald werden die Zürcher einen Linksverteidiger verpflichten. Die Position bereitet dem FCZ seit Jahren Probleme. Jetzt sagt Sportchef Jurendic: «Wir werden vermehrt Spieler mit ‹Grinta› suchen.» Grinta – das Wort steht für jenen Biss, den der FC Zürich zuletzt zu oft hat vermissen lassen.

Die bisherigen Sommer-Transfers des FCZ

Zugänge: Gnonto (Inter Mailand U-19), Kostadinovic (Wil), Ceesay (Leih-Ende Osnabrück), Khelifi (Leih-Ende Kiel), Rohner (Leih-Ende Wil), Koide (U-21), Seiler (U-21), Frei (Leih-Ende Ajax Amsterdam).

Abgänge: Mahi (Utrecht), Kharabadze (Dinamo Tiflis), Pa Modou (?), Vanins (?), Pedersen (Leih-Ende Augsburg), Kempter (?), Krasniqi (Leihe Wil), Sauter (Leihe Wil).

Werden erneut ausgeliehen: Aliu (Leih-Ende Chiasso), M. Haile-Selassie (Leih-Ende Xamax), Kamberi (Leih-Ende Wil), Sadrijaj (Leih-Ende Kriens).