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GastkommentarDank Corona die Gesundheitskosten in den Griff bekommen

Die Pandemie bekräftigt die Überlegenheit digitaler Marktplätze. Spitäler und Arztpraxen werden über die Krise hinaus davon profitieren.

Schutzmasken für das Spitalpersonal und anderes Gesundheitsmaterial für Spitäler kann auf elektronischen Marktplätzen effizienter eingekauft werden. Maskenfabrik in China.
Schutzmasken für das Spitalpersonal und anderes Gesundheitsmaterial für Spitäler kann auf elektronischen Marktplätzen effizienter eingekauft werden. Maskenfabrik in China.
Foto: Reuters

Während die Digitalisierung im Konsumgüterbereich seit mehr als zehn Jahren blüht, ist sie im Gesundheitswesen noch gar nicht richtig angekommen. Die Corona-Pandemie wird das ändern. Die Nutzung digitaler Daten für Impf- und Medikamentenstudien oder für das Contact-Tracing, um differenzierte Massnahmen zu ergreifen, statt flächendeckende Lockdowns zu verordnen, ist nur ein Aspekt davon. Ein anderer betrifft den Handel mit medizinischen Gütern für Spitäler und Arztpraxen.

Das traditionelle Beschaffungswesen gerät in Krisen schnell an seine Grenzen.

Das traditionelle Beschaffungswesen gerät in Krisen schnell an seine Grenzen. Denn es ist weder transparent noch agil genug, um Angebot und Nachfrage innert Kürze zusammenzubringen. Das schaffen nur digitale Marktplätze, wie wir sie im Konsumgüterbereich bereits länger kennen und schätzen. Mit der Corona-Krise schlägt nun auch die Stunde der Digitalisierung für die Beschaffung von Medizingütern. Und das wird auch nach Corona so bleiben, sofern die relevanten Akteure das wollen. Der Nutzen für das Gesundheitswesen und die, die es finanzieren, ist offensichtlich.

Weil digitale Marktplätze transparent und agil operieren, sind sie in der Lage, viele verschiedene Händler einzubinden und neue Anbieter blitzschnell zu integrieren. Einkäufer haben auf Knopfdruck den Überblick über alle Angebote und Preise. Vorher mussten sie manuell und aufwendig verschiedene Angebote einholen und vergleichen. Der Nutzen ist in der gegenwärtigen Krise besonders deutlich: Bei der dringenden Schutzmaskenbeschaffung konnten die Spitäler täglich die Angebote von Lieferanten weltweit nachverfolgen.

Je schneller und einfacher notwendige Materialien beschafft werden, desto runder läuft der Betrieb in einem Spital.

Je schneller und einfacher notwendige Materialien beschafft werden, desto runder läuft der Betrieb in einem Spital oder einer Arztpraxis. Ärztinnen, Ärzte und das Pflegepersonal sehen auf Knopfdruck das ganze Angebot zu den aktuellen Preisen. Mit dem nächsten Klick können sie die Bestellmodalitäten abschliessen. Die gewonnene Zeit kommt ihrer eigentlichen Arbeit und den Patienten zugute.

Gemäss einer Studie der Ruhr-Universität Bochum können Spitäler so drei Viertel ihrer Prozesskosten einsparen. Nach konservativen Schätzungen lassen sich auch in Schweizer Spitälern dank beschleunigten, digitalisierten Beschaffungsprozessen rund 40 Prozent einsparen. Das sind 365 Millionen Franken, im Schnitt mehr als eine Million pro Spital. Die Kostenvorteile digitaler Marktplätze für Spitalmaterial sind darin noch gar nicht berücksichtigt. Diese belaufen sich laut Wirtschaftsprofessor Mathias Binswanger auf nochmals rund 600 Millionen Franken für die ganze Schweiz . Alle diese Einsparungen gehen nicht auf Kosten der Leistungen unseres Gesundheitssystems.

In Krisen bietet ein Marktplatz mit vielen verschiedenen Lieferanten vor allem auch erhöhte Versorgungssicherheit.

Es geht aber nicht nur um Effizienz und Kosten. In Krisen bietet ein Marktplatz mit vielen verschiedenen Lieferanten vor allem auch erhöhte Versorgungssicherheit. Damit wird Hamsterkäufen vorgebeugt. Das ist nur dank der Transparenz auf einem offenen Marktplatz möglich.

Die Vorteile betreffen aber nicht nur die grossen Player im Gesundheitswesen. Eine einzelne Arztpraxis erreicht nur selten die von Herstellern geforderte Mindestbestellmenge. Erst recht nicht in Zeiten von Krisen, wenn oft höhere Mindestbestellmengen gelten. Ärzte sind also gezwungen, über kostspielige Zwischenhändler einzukaufen. Durch einfache technische Lösungen auf einem digitalen Marktplatz lassen sich jedoch schnell Allianzen bilden, um Bestellmengen zu einem guten Preis zu poolen.

Das Klischee, dass Krisen immer auch Chancen bergen, bestätigt sich also gerade im Gesundheitswesen. Klug vorangetriebene Digitalisierung wird den Anstieg der Kosten dämpfen, ohne dass wir bei der Qualität Abstriche machen müssen.

12 Kommentare
    Loris H.

    Der Artikel zur "Ursache" ist von Grund auf einseitig dargestellt. Auch in der Schweiz wird im Gesundheitswesen seit Jahrzenten auf die Kostenbremse gedrückt. Fazit: Produktionsstandorte wurden nach China verlagert. Die gesetzlichen Limitierungen und Exportverbote wie Deutschland sie verhängte, waren dafür verantwortlich, dass es zu den Engpässen kam. Nebst der Tatsache dass für Masken ect. in den letzten 30 Jahren nie ein Bedarf in diesem Ausmass bestand; welche übrigens ein Verfalldatum haben.Europa hat den Warenaustausch dicht gemacht!

    Die medizinische Versorgung in der Schweiz heute ist völlig ausreichend organisiert. Netzwerk Spital / Arzt / Apotheke. Die Apotheken zB als erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen haben exzellente Arbeit geleistet und verdienen noch aktiver in diesem Auftrag unterstützt zu werden.

    Wittert der Online Händler ein Rosinengeschäft? (was es so nicht mehr geben wird) denn die Preise werden fallen.

    PS: Aktuell gibt es bei diversen Onlinehändler viele out of stock Artikel, was zeigt, dass Onlinehändler schon bei kleinen Bedarfsschwankungen an ihre Grenzen kommen. An der Verfügbarkeit der Pandemie Artikel hätten Online Händler wenig bis nichts geändert genau weil der Bedarf in kürzester Zeit extrem angestiegen ist. Der Bedarf wird sich jetzt einpendeln.

    Zu hoffen ist einzig, dass wir vermehrt wieder auf Produktion Europa/ Schweiz setzen.