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Murdoch-Einstieg bei MesseDank Papas Geld auf neuen, eigenwilligen Wegen

Jetzt will James Murdoch sich bei der Art Basel einkaufen. Was hat der Sprössling des «Grossen Rupert» im Sinn? Neuerdings sind von ihm rebellische Töne zu hören – sehr zum Missfallen des alten Herrn und Donald Trumps.

Greift nach der Art Basel: James Murdoch, der Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch, und seine Frau Kathryn Hufschmid.
Greift nach der Art Basel: James Murdoch, der Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch, und seine Frau Kathryn Hufschmid.
Foto: Emma McIntyre (Getty Images)

Denn «die klassischen Formate von Ausstellungen und Veranstaltungen» sollen, Murdochs Plänen zufolge, zu «zukunftsorientierten Plattformen und Gemeinschaften» von globalem Renommee weiterentwickelt werden. Was das genau bedeutet, hat der US-Finanzier bisher noch nicht erklärt. Nur, dass er dem stolzen «Bürgersinn» und der «innovativen Geschichte» der Messe als eine Art moderner Mäzen zu neuer Blüte verhelfen will.

James Murdochs eigenes «Kunstverständnis», seinen Direktorenposten bei der Dia-Art-Stiftung und seinen früheren Aufsichtsrats-Job beim Londoner Kunstauktionär Sotheby’s suchen nun seine Mitarbeiter herauszustreichen. Der weiteren Welt freilich ist Murdoch junior für seine Tätigkeit im Medienbereich, und vor allem im väterlichen Betrieb, bekannt.

Schillernde Karriere mit dramatischen Tiefpunkten

Eine schillernde Karriere, die ein paar dramatische Tiefpunkte einschloss, hat James vorzuweisen. Neuerdings hat er sich, mit scharfer Absetzung von seinem Vater und überraschenden Eigeninitiativen, erneut ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gedrängt.

Als der Sonderling des Murdoch-Clans, als schwarzes Schaf der Familie, galt James ja schon einmal, in frühen Jahren. Als Filmstudent in Harvard trug er noch Ohrringe, gab Underground-Zeitungen heraus und liebte es, Karikaturen zu zeichnen. Seine damaligen Zeitgenossen erinnern sich an das Mao-Plakat, vor dem er gern sass. Geschäftssinn war nicht unbedingt seine Sache. Ein Hip-Hop-Plattengeschäft, das er in der Folge führte, kollabierte auf spektakuläre Weise. Papa Rupert musste einspringen. Er kaufte den Laden notgedrungen auf.

Nach diesen «unruhigen Jahren» fand sich James bereit, im schnell wachsenden Murdoch-Unternehmen mitzuwirken. Murdoch vertraute ihm erst sein asiatisches Satelliten-TV-Geschäft Star Television an und ernannte ihn dann zum Chef von BSkyB (heute Sky). Damals war James gerade 30 Jahre alt. Auf dem BSkyB-Posten gelang es ihm, zur Zufriedenheit des Vaters, die Abonnentenbasis des Senders zu stärken und dessen Angebot internetmässig auszuweiten.

Gründlich schief lief die Sache allerdings, als Rupert Murdoch seinen Sohn auch zum Boss seines florierenden britischen Zeitungs-Imperiums – und zum offenkundigen Favoriten für die Konzernübernahme – machte. Mit scharfen Ellbogen und der aggressiven Marktideologie seines Vaters suchte James den alten Herrn zu beeindrucken. An der Themse war er als der politisch perfekt vernetzte «Mann mit der randlosen Brille und dem schwarzen Karategürtel» bekannt.

Nach Hacking-Skandal musste Murdoch «News of the World» schliessen

Der enorme «Hacking-Skandal», der vor zehn Jahren in London über die Murdochs hereinbrach, drohte damals freilich den Ruf von James Murdoch vollständig zu zerstören. Wie sich zeigte, waren von Murdochs Leuten über Jahre hin tausendfach Mobiltelefon-Botschaften abgehört, Informationen gestohlen und gefälscht, Wehrlose durch den Schmutz gezogen und nicht kooperationswillige Personen eingeschüchtert worden. James Murdoch wollte «nichts gewusst» haben von alledem.

Tiefpunkt in der Karriere von James Murdoch: Nach dem Auffliegen eines Hacking-Skandals musste er das hochprofitable britische Revolverblatt «News of the World» schliessen.
Tiefpunkt in der Karriere von James Murdoch: Nach dem Auffliegen eines Hacking-Skandals musste er das hochprofitable britische Revolverblatt «News of the World» schliessen.
Foto: Matt Dunham (Keystone)

Die Enthüllungen hatten zur Folge, dass James sich gezwungen sah, seines Vaters super-profitables Massenblatt «News of the World» zu schliessen. Mehrfach wurden er und Rupert, der zuvor in Downing Street tonangebende Medienmogul, von Parlamentsausschüssen verhört.

In einem demütigenden Urteil sprachen die Abgeordneten den Murdochs alle «verlegerische Eignung» ab. Rupert Murdochs vormalige Hoffnungen, sich des Senders Sky zu 100 Prozent zu bemächtigen, zerschlugen sich über Nacht.

Im Jahr 2012, als sogar von Strafverfolgung die Rede war, zog Rupert Murdoch seinen Sohn eilends ab aus London. Einem Parlamentarier in Westminster kam es so vor, als habe man «den Mann in einen Wagen verfrachtet, um ihn schnell vom Tatort eines Verbrechens wegzuschaffen».

Der Vater überreichte ihm zwei Milliarden Dollar

In den folgenden Jahren suchte sich Murdoch junior «daheim» in New York an der Seite des Vaters und seines Bruders Lachlan zu rehabilitieren. Zuletzt leitete er Murdochs Film- und Fernsehkonzern 21st Century Fox. Als Rupert Murdoch diesen Konzern voriges Jahr aber an Walt Disney verkaufte, hielt James die Zeit für gekommen, sich «selbstständig» zu machen. Mit zwei Milliarden Dollar, die ihm sein Vater bei dieser Gelegenheit überreichte, gründete er unter anderem «Lupa Systems», die Investment-Firma, die nun auch bei der Art Basel einsteigen will.

Generell sucht sich der vormalige Hip-Hop-Experte seitdem ein Portfolio aus Unterhaltungs- und Medienfirmen zusammenzustellen, an denen er Gefallen findet. Er hat bereits in Firmen wie Vice Media, das Tribeca Film Festival und die Artists, Writers & Artisans Studios investiert.

In den letzten Monaten hat James Murdoch freilich auch erkennen lassen, dass er etwas andere Ziele verfolgt als früher. Überraschend offen haben er und seine Frau Kathryn sich geäussert zu ihrer «Frustration» über die hartnäckige Leugnung des globalen Klimawandels in den Medien des Murdoch-Restkonzerns.

Finanzielle Unterstützung für demokratische Kandidaten

Bei Fox News, Donald Trumps Lieblingssender, gebe es «Ansichten, mit denen ich absolut nicht einverstanden bin», hat James erklärt. Im Vorfeld der diesjährigen US-Präsidentschaftswahlen hat er demokratischen Kandidaten finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Für demokratisch-liberale Werte, hat er erklärt, sei die Wahl im November «ein ganz entscheidender Moment».

Gezielt investieren will er über «Lupa» ausserdem in allerlei Technologie-Start-ups, die helfen sollen, das Internet von Lügen und Desinformation zu befreien. Es sei Zeit, gegen das stete «Untergraben» von Wahrheit und Realität anzugehen, hat er gesagt.

Eine solche neu gefundene Mission finden viele, die James Murdoch in einem «anderen Leben» kannten, verwirrend – zumal die Kampagne mit Milliarden aus Murdoch-Pfründen finanziert werden soll. Wer «Lupa»-James beim Wort nimmt, hält es allerdings für möglich, dass er sich diesmal in einer zweiten rebellischen Phase wirklich absetzen will von dem, wofür sein Vater steht.