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Ansprache zum 1. August Das Eichholz und die Demokratie

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga wendet sich in einer Rede an die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer. Als Sujet wählt sie die eigene kleine Welt der Badewiese an der Aare.

Im Hintergrund das Eichholz in Bern: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.
Im Hintergrund das Eichholz in Bern: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.
Foto: Video-Screenshot/Swissinfo

In ihrer Rede anlässlich des Nationalfeiertags richtet sich Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an die Fünfte Schweiz. Als Hintergrund ihrer rund dreiminütigen Videoansprache wählte die Magistratin die beliebte Berner Badewiese Eichholz – und zieht dabei den Vergleich zwischen der dortigen kleinen Welt an der Aare mit der Demokratie.

Bei schönem Wetter sei die Wiese voller Menschen; es werde gebrätelt, gebadet, und manchmal lande ein Frisbee auf einem Tuch. So umschreibt Sommaruga etwelche sommerliche Szenen des beliebten Badeplatzes an der Aare.

«Eigentlich müsste es dauernd Streit geben. Aber die Menschen im Eichholz kommen miteinander aus, weil sie anerkennen, dass man miteinander reden muss, wenn es Probleme gibt», fährt Sommaruga fort.

Starke Medien

Die Menschen im Eichholz lebten im Kleinen, was man im Grossen Demokratie nennt, sagt die Bundespräsidentin weiter, bevor sie sich mit einer neuen Kameraeinstellung noch näher an die Zuschauer – namentlich Schweizerinnen und Schweizer im Ausland – wendet.

Nicht alle lebten in Ländern mit demokratischen Strukturen, aber «in jeden von Ihren Heimaten repräsentieren Sie die Schweiz und ihren demokratischen Wert», so Sommaruga. Um diese müsse man immer wieder neu ringen. Es brauche Vertrauen, um Auseinandersetzungen führen und aushalten zu können.

Dieses Vertrauen entstehe in einem Umfeld, das Freiheit und Mitsprache der Bevölkerung schütze; durch ein Parlament, das die Kräfte des Landes widerspiegle, und eine Regierung, die sich das Vertrauen der Menschen jeden Tag neu verdienen müsse – und es brauche eine unabhängige Justiz, mahnt Sommaruga.

In ihrer Rede um Vertrauen (und Misstrauen) geht es auch um die Medien. Es brauche starke Medien, betont Sommaruga. «Medien, die von niemandem abhängig sind, die genau hinschauen und die Mächtigen kritisieren», ergänzt Sommaruga.

Abschliessend erinnert die Bundespräsidentin die Auslandschweizerinnen und -schweizer daran, «dass Sie die demokratischen Prinzipien der Schweiz in die Welt tragen: Jede Begegnung mit Ihnen in Ihren neuen Heimaten erinnert daran, dass ein friedliches Zusammenleben in Freiheit, Mitsprache und Verantwortung möglich ist.»

Die diesjährige öffentliche Bundesfeier wird wegen Corona abgesagt. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga wird am 1. August auf der Rütliwiese eine Botschaft an die Menschen in der Schweiz richten. Für die Öffentlichkeit ist das Rütli nicht zugänglich.

nag