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Sonntags auf – für mehr UmsatzDas bringen die Sonntagsverkäufe dem Detailhandel

Gleich 12 Sonntagsverkäufe sollen helfen, die Einbussen durch Corona auszugleichen. Darüber diskutiert der Ständerat heute. Was das bringen soll.

Mehr verkaufsoffene Sonntage sollen dem angeschlagenen Detailhandel wieder auf die Beine helfen.
Mehr verkaufsoffene Sonntage sollen dem angeschlagenen Detailhandel wieder auf die Beine helfen.
Foto: Walter Bieri (Keystone)

Was steckt dahinter?

Schon einmal sollten Sonntagsverkäufe dem Handel in einer Krise helfen: So waren während der Finanzkrise verkaufsoffene Läden am Sonntag ein Thema. Auch wurde in verschiedenen Kantonen in der Vergangenheit öfter über eine Erhöhung der Anzahl Sonntagsverkäufe diskutiert. Jetzt kommt die Debatte erneut aufs politische Parkett.

Die Idee: Damit die Geschäfte die Verluste aus den zwei Lockdowns kompensieren können, sollen die Kantone 2021 und 2022 je bis zu zwölf verkaufsoffene Sonntage vorsehen dürfen. Den Antrag eingebracht hat FDP-Ständerat Ruedi Noser. Am Donnerstag entscheidet der Ständerat im Rahmen der Diskussionen zum Covid-19-Gesetz über das Thema.

Was bringen Sonntagsverkäufe?

Die alles entscheidende Frage bei der Diskussion über zusätzliche Sonntagsverkäufe: Lohnt es sich überhaupt? Einige Male im Jahr gibt es sie bereits, im Kanton Zürich beispielsweise können die Gemeinden im Jahr bewilligungsfrei von maximal vier verkaufsoffenen Sonntagen Gebrauch machen. Im Kanton Bern sind es zwei. Vor allem in den Wochen vor Weihnachten ermöglichen sie jenen, die unter der Woche keine Zeit finden, den Kauf der Geschenke – auch mal auf den letzten Drücker. Im Detailhandel gilt das Weihnachtsgeschäft als wichtigste Zeit im Jahr, manch ein Händler macht dann gut ein Drittel seines Jahresumsatzes.

Ein Blick auf die Weihnachtswochen im Dezember 2019 zeigt: Besonders unter der Woche und an Samstagen gaben mehr Menschen ihr Geld aus als an den verkaufsoffenen Sonntagen. Das zeigen Zahlen von Monitoring Consumption Switzerland. Gemessen an den Debitkarten-Transaktionen in Schweizer Innenstädten, waren die Sonntage die schwächsten Tage des Weihnachtsmonats. Aktuelle Zahlen zum vergangenen Dezember sind nicht repräsentativ, da die verkaufsoffenen Sonntage ab dem 13.12. durch den Bundesrat abgesagt wurden.

Wer befürwortet die Sonntagsverkäufe?

Der Detailhandelsverband Swiss Retail Federation hat den Vorstoss von Beginn an unterstützt. «Wir sehen den Vorstoss in übergeordnetem Zusammenhang, sozusagen fast ein bisschen als ‹Mini-Impulsprogramm›», sagt Geschäftsführerin Dagmar Jenni. Die Sonntagsverkäufe sollen den Branchen, die wiederholt von den Schliessungen betroffen waren, die Möglichkeit geben, den verlorenen Umsatz etwas zu kompensieren. Die Ausweitung des Sonntagsverkaufs helfe zudem nicht nur dem Detailhandel, sondern auch allen sich gegenseitig befruchtenden Branchen wie der Gastronomie und dem Tourismus, sagt Jenni.

Gerade in einer Öffnungsphase könnten Sonntagsverkäufe eine wichtige Rolle in verschiedener Hinsicht einnehmen, sagt Patrick Kessler, Geschäftsführer vom Handelsverband.swiss. So könnten die hohen Frequenzen an den Samstagen abgeschwächt werden, die Gastronomie hingegen könnte von der Wiederbelebung der Einkaufsstrassen an den Sonntagen profitieren.

«Man hat dem Handel in den letzten 12 Monaten über 80 Verkaufstage ‹weggenommen›, es wäre nicht mehr als gerecht und angebracht, dem Handel ein paar Verkaufstage zurückzugeben.»

Patrick Kessler, Geschäftsführer Handelsverband.swiss

Wie sich die Sonntagsverkäufe allgemein auf den Umsatz niederschlügen, sei schwer zu beziffern, sagt Kessler. Er könne sich aber vorstellen, dass in gewissen Regionen mit viel Sommertourismus oder speziellen Events solche Öffnungen sehr gute Umsätze und Kompensationen möglich wären. Natürlich liege es letztendlich an den Unternehmen, die gewonnenen Sonntage auch zu nutzen. «Man hat dem Handel in den letzten 12 Monaten über 80 Verkaufstage ‹weggenommen›, es wäre nicht mehr als gerecht und angebracht, dem Handel ein paar Verkaufstage zurückzugeben», sagt Kessler.

Wer wehrt sich gegen offene Läden am Sonntag?

Bereits kurz nach dem Bekanntwerden der Idee übte die Gewerkschaft Unia Kritik: Noch mehr Sonntagsarbeit führe zu noch mehr Stress, schade der Gesundheit und mache der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben einen dicken Strich durch die Rechnung, hiess es in einem Communiqué. Besonders Frauen seien vom Antrag betroffen. Eine 24-Stunden-Gesellschaft im Verkauf schade zudem sowohl den Angestellten als auch kleinen Läden. Denn, so die Sorge der Gewerkschaft: Von noch mehr offenen Sonntagen profitierten höchstens die grossen Player.

«Die Sonntagsverkäufe nun während der Pandemie quasi durch die Hintertür ins Gesetz zu giessen, geht einfach nicht.»

Roberto Zanetti, SP-Ständerat

Im Ständerat gibt es neben einer mehrheitlichen Zustimmung in der zuständigen Kommission Kritik. Ein Gegner ist SP-Ständerat Roberto Zanetti: «Die Sonntagsverkäufe nun während der Pandemie quasi durch die Hintertür ins Gesetz zu giessen, geht einfach nicht.» In der ersten Welle habe man noch für das Personal im Detailhandel geklatscht und nun bürde man ihm unter dem Titel «Massnahmen im Bereich des Arbeitnehmerschutzes» zusätzliche Sonntagsarbeit auf, so Zanetti weiter. Er stellt auch grundsätzlich infrage, ob Sonntagsverkäufe den gewünschten Effekt, nämlich mehr Umsatz für die Händler, bringen.

24 Kommentare
    wuju

    Die Geschäfte sollen rund um die Uhr offen sein.

    Was in anderen Länder schon lange Praxis ist, dort richtet man sich nach den neuen Bedürfnissen des Konsumenten.

    Hier muss sich der Kunde den Bedürfnissen des Anbieters anpassen.

    Kein Wunder verschwinden die Läden! Sie sind ja konkurrenzlos dem Interneteinkauf ausgesetzt.

    Übrigens die Leute die am Sonntag oder in der Nacht arbeiten , machen das gerne. Gibt auch Vorteile. Andere Zeiten eben.