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Kommentar zu Trump und Social MediaDas Ende der Twitter-Präsidentschaft

Donald Trump wird von mehreren Social-Media-Diensten gesperrt. Das ist nicht nur erfreulich.

Ein Meister der Provokation: Warnhinweise von Twitter bei Tweets von Donald Trump.
Ein Meister der Provokation: Warnhinweise von Twitter bei Tweets von Donald Trump.
Foto: Robyn Beck (AFP)

Twitter, Facebook und andere Social-Media-Kanäle haben «@realDonaldTrump» vorübergehend verbannt. Ein paar wenige seiner anstössigsten Posts wurden gelöscht.

Man ist geneigt aufzuatmen. Dem Scharfmacher-in-Chief wurde sein Megafon entzogen. Er kann seine Zündeleien nun wenigstens in diesen aufgeladenen Stunden und Tagen nicht weiter in die Welt setzen und in die Echokammern seiner glühenden Anhänger posaunen.

Trump nutzt das neue Medium geschickter als die meisten Social-Media-Sternchen.

Trump hat das junge Medium im Rentenalter entdeckt. Und er nutzt es geschickter als die meisten Social-Media-Sternchen. Der einstige Reality-TV-Star setzt auch hier die Pointen meisterhaft. Er hat Kabinettsmitglieder per Tweet gefeuert, seinen eigenen Vizepräsidenten und andere Staatschefs beleidigt, seine Fans mit Lügen und Verschwörungstheorien aufgestachelt.

Mit seinen Tweets hat der Social-Media-Zampano den US-Regierungsapparat umgangen, um Politik zu machen. Der direkte Draht zu seinen Anhängern ist für den Noch-Präsidenten eine zweite Machtbasis, mit der er Feinde und (Partei-)Freunde gefügig macht.

Social Media sind heute Plattformen der demokratischen Debatte und der Meinungsfreiheit.

Als Ex-Präsident wird Trump diese Bühne benutzen, um auch fern vom Weissen Haus eine politische Rolle zu spielen. Sich als Störfaktor einzumischen, wird für ihn aber in Zukunft schwieriger. Die Chefs von Twitter und Facebook haben schon angekündigt, dass Trump Privilegien verlieren wird, die er als Präsident noch hat. Er soll denselben Regeln unterliegen wie alle anderen Nutzer.

Über den Spezialfall «@realDonaldTrump» hinaus gibt es da aber ein weit grösseres Problem: Twitter und Facebook berufen sich bei ihren Entscheiden gegen Trump auf die Nutzungsbedingungen ihrer Firmen. Social Media sind aber keine Webshops oder Datingsites. Sie sind heute – ob man das nun gut findet oder nicht – Plattformen der demokratischen Debatte und der Meinungsfreiheit. Und diese dürfen nicht einfach durch Kleingedrucktes in Anwaltsenglisch aus dem Silicon Valley reguliert werden.

25 Kommentare
    urs m. widmer

    ja, wirklich schade, dass dies erst jetzt passiert ist...aber zuerst müssen Tote her, bevor jemand genügend aufschreckt und dem Feuerwehrkommandanten, der zum Feuerteufel geworden ist, den Hahn abdreht...