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Fussball-Dilemma wegen Corona«Das ist absurd – wir fühlen uns übergangen»

Amateurclub Rapperswil-Jona darf seine Meisterschaft nicht zu Ende spielen – soll im Schweizer Cup aber noch gegen Sion antreten. Der Präsident kritisiert den Verband.

Fühlt sich übergangen: Rocco Delli Colli, Präsident des FC Rapperswil-Jona.
Fühlt sich übergangen: Rocco Delli Colli, Präsident des FC Rapperswil-Jona.
Urs Jaudas

Eine Menge Frust hat sich angesammelt. Die Ratlosigkeit ist Rocco Delli Colli am Telefon deutlich anzuhören. Wie geht es weiter beim FC Rapperswil-Jona? Beim Club aus der Promotion League, der nach dem Entscheid des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) den Meisterschaftsbetrieb definitiv einstellen muss. Die Promotion League gehöre nicht zu den «Ligen mit übermässig professionellem Spielbetrieb», wie ihn der Bundesrat verlangen würde, begründet der SFV in der Medienmitteilung vom Donnerstag den Entscheid. Nur die Super League, die Challenge League und der Schweizer Cup könnten ab 8. Juni den Betrieb wieder aufnehmen.

Aber eben: Wie geht es nun beim FC Rapperswil weiter? Es ist eine Frage, auf die auch der Präsident des FCRJ – Rocco Delli Colli – keine Antwort kennt. Er kenne sie nicht, weil der SFV ihn «nie zu Rate gezogen» habe. Über den weiteren Verlauf in der Promotion League sei er zuvor nicht unterrichtet worden.

Die Grossen dürfen wohl bald wieder ran, Rapperswil nicht: Nicolas Stettler (links) im Duell mit YBs Pedro Teixeira am Burkhalter-Cup im Juni 2019.
Die Grossen dürfen wohl bald wieder ran, Rapperswil nicht: Nicolas Stettler (links) im Duell mit YBs Pedro Teixeira am Burkhalter-Cup im Juni 2019.
KEYSTONE

Auch deshalb wirft Delli Colli dem Verband Willkür vor und fühlt sich übergangen. Ihm leuchtet das Argument des Verbandes nicht ein: «80 Prozent unserer Spieler haben einen Profivertrag. Der FC Rapperswil-Jona trainiert nach professionellen Standards.»

Für Delli Colli widerspricht die Entscheidung dem Sportsgeist: «Clubs, die eine schlechte Saison gespielt haben, werden durch den Saisonabbruch belohnt, indem sie nicht absteigen.» Delli Colli verweist dabei auf den FC Chiasso, den Tabellenletzten aus der Challenge League. Indes werde seinem eigenen Verein die Chance auf den Aufstieg in die Challenge League verbaut. Rapperswil hatte vor dem Saisonabbruch nach 17 von 30 Runden als Zweitplatzierter 7 Punkte Rückstand auf Yverdon Sport.

Der SFV bleibt hart

Beim SFV reagiert man auf die Empörung einerseits mit Verständnis. Generalsekretär Robert Breiter sagt andererseits aber auch: «In dieser ausserordentlichen Situation können wir nicht auf Partikularinteressen eingehen.» Er wolle dem FC Rapperswil-Jona die Professionalität nicht absprechen. Doch die Promotion League bestehe nicht nur aus einem Team: «Wir müssen die Liga ganzheitlich betrachten. Bei den Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte fehlt schlichtweg die Professionalität. Dazu gehört nicht nur das Training. Fernsehrechte und Sponsoring spielen dabei eine wichtige Rolle», so Breiter.

Für Delli Colli bleiben trotzdem «einfach zu viele Fragen offen». Brisant ist die Lage insbesondere wegen des Schweizer Cups, wo mit Rapperswil-Jona und Bavois gleich zwei Promotion-League-Vereine im Viertelfinal stehen. «Einerseits sollen wir im Cup gegen den FC Sion antreten, auf der anderen Seite dürfen wir die eigene Saison nicht zu Ende spielen. Das ist schlichtweg absurd», so Delli Colli.

Summa summarum: Der FC Rapperswil-Jona will den Entscheid des SFV anfechten. Wie und wann das geschehen soll, lässt Delli Colli offen.