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FCZ-Trainer Magnin verärgert«Das ist doch der Wahnsinn!»

Die Zürcher verlieren in Luzern 1:2 und schleppen sich trotzdem zum Ligaerhalt. Der Coach will sich bei der Aufarbeitung der Saison nicht hinter Ausreden verstecken.

Ludovic Magnin schafft mit dem FCZ den Ligaerhalt. Mit den Leistungen der letzten Partien kann er nicht zufrieden sein.
Ludovic Magnin schafft mit dem FCZ den Ligaerhalt. Mit den Leistungen der letzten Partien kann er nicht zufrieden sein.
Getty Images

Nach 79 Minuten ist Ludovic Magnin bedient. Aus der Ferne sieht der FCZ-Trainer, wie Lino Lang zum Schuss ansetzt. Lang ist ein 20-jähriger Luzerner, der in seinem zweiten Super-League-Einsatz die paar hundert Zuschauer mit einem sehenswerten Schlenzer zum 2:1 jubeln lässt. Eigentlich spielt Lang in der U-21, und vor kurzem weilte er noch in den Ferien auf Mallorca. Aber weil die Personalnot der Zentrlschweizer gross ist, meldete sich Luzerns Trainer Fabio Celestini bei ihm, bot den Stürmer auf - und nun also rückt dieser Lang in den Mittelpunkt.

Dafür leidet Magnin, das ist unschwer erkennbar. Der FCZ verliert erneut, zum sechsten Mal in Serie bereits. Ein halbes Dutzend Niederlagen, das gab es für ihn letztmals im Frühjahr 2001.

Magnin: «Froh, dass wir durch sind»

Es ist sein Glück an diesem Abend, dass ihm trotz dieser trostlosen Bilanz ein Zittern vor der Barrage erspart bleibt. Der Ligaerhalt steht fest, weil Thun (gegen Basel) und Sion (gegen YB) nicht gewinnen. Magnin sagt: «Ich weiss nicht, ob es Sinn macht, den Match lange zu analysieren. Eines aber ist klar: Wir müssen froh sein, dass wir durch sind.»

Hinter ihm liegt eine Partie, in der Luzern anfänglich frischer wirkt. Und in der sich der FCZ von seiner spendablen Seite zeigt. Nach 21 Minuten fälscht Nathan eine Hereingabe von Schürpf ins eigene Tor ab. Aber auch die Gastgeber können grosszügig sein, das beweisen sie in der 32. Minute. Grether leistet sich einen Ballverlust, und für einmal reagieren die Zürcher schnörkellos. Kramer steht nach Doppelpass mit Marchesano vor dem Luzerner Tor, behält die Übersicht und gleicht aus.

Der Treffer tut dem FCZ gut. Aber er reicht nicht für den ersten Punkt seit dem 1:1 am 7. Juli bei Xamax. Weil eben Lang trifft. Für Magnins Team ist es das 69. Gegentor im 35. Spiel der Saison. Eine schlechtere Bilanz hat niemand in der Liga. Diese Anzahl gibt Magnin enorm zu denken, erst recht, wenn er an eine andere Statistik denkt: «Wir haben zehn Mal keinen Treffer zugelassen. Das heisst also, dass wir in 25 Runden diese 69 Tore erhielten. Das ist doch der Wahnsinn!»

Keine Ausreden geduldet

Das beschäftigt ihn, und darum will er die Begegnung in Luzern gar nicht erst detailliert aufarbeiten. Eine Auslegeordnung ist für die nächsten Tage vorgesehen, und beinhalten wird sie die vergangenen zwölf Monate. Eine «knallharte Analyse» werde es geben, versichert er, «wir dürfen und werden uns nicht hinter irgendwelchen Ausreden verstecken». Was er damit meint? «Ich lasse nicht zu, dass man vieles mit der schwierigen Situation nach den positiven Coronafällen erklärt. Das wäre nicht richtig.» Und: «Ich war schon immer jemand, der sich nicht davor scheute, Verantwortung zu übernehmen. Ich stelle mich auch jetzt.»

Zum Schluss erinnert er aber dann doch noch daran, dass nicht alles miserabel war in dieser Spielzeit. «Wir haben uns 42 Punkte erarbeitet, das bedeutet: Alles haben wir nicht falsch gemacht. Leider bleibt der letzte Eindruck nun haften», sagt er, bevor er noch einmal betont: «Wir sind glücklich, dass wir um ein entscheidendes Spiel gegen Thun am Montag herumgekommen sind.»

Telegramm:

Luzern – Zürich 2:1 (1:1)

1000 Zuschauer. – SR Schärer. – Tore: 21. Nathan (Eigentor) 1:0. 32. Kramer (Marchesano) 1:1. 79. Lang (Schürpf) 2:1.

Luzern: Müller; Kakabadse (68. Lang), Schulz, Knezevic, Sidler; Grether, Voca (92. Zivkovic), Mistrafovic; Marleku (93. Jashari), Margiotta, Schürpf.

Zürich: Brecher; Omeragic, Nathan, Mirlind Kryeziu; Seiler (61. Kempter), Rüegg (46. Sohm), Hekuran Kryeziu (40. Domgjoni), Pa Modou (82. Koide); Marchesano; Kramer, Kololli.

Bemerkungen: Luzern ohne Bürki (gesperrt), Matos, Schwegler, Ndenge, Burch, Ndiaye, Lucas, Eleke, Males, Emini und Binous (alle verletzt). Zürich ohne Schönbächler (gesperrt), Tosin, Winter, Janjicic und Mahi (alle verletzt). Verwarnungen: 25. Pa Modou (Foul), 52. Kakabadse (Foul), 58. Schürpf (Foul), 81. Sohm (Foul). 84. Kempter (Foul), 89. Lang (Foul).

Rangliste: 1. Young Boys 35/73 (77:40). 2. St. Gallen 35/68 (78:53). 3. Basel 35/61 (74:38). 4. Servette 35/49 (56:45). 5. Luzern 35/45 (43:50). 6. Lugano 35/44 (44:46). 7. Zürich 35/42 (42:70). 8. Thun 35/37 (42:64). 9. Sion 35/36 (38:54). 10. Neuchâtel Xamax FCS 35/27 (33:67).

6 Kommentare
    Ralph Geh

    Keine Angst. Jetzt kommt noch der FC Thun, der sozialste Verein der Liga. Der hilft mit einer unnötigen Niederlagen immer wieder gestrauchelten Vereinen auf die Beine und zu neuem Selbstvertrauen.