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Kolumne von Miklós GimesDas Lächeln der Moderna

Im Familienzoom von Ungarn bis Zürich beschäftigen sich ausbreitende Phänomene: Von der Gentrifizierung bis zum Coronavirus.

Kürzlich sprach ich zum ersten Mal mit Menschen, die schon geimpft sind. Es war am Samstag, in unserem internationalen Familienzoom, wo wir uns alle paar Wochen berichten, wie wir durch die Pandemie kommen. Eine Tante war in Budapest geimpft worden, und sie erzählte, in Ungarn kämen auf Anordnung von Viktor Orban die Mitglieder der Regierung an zweiter Stelle, gleich hinter den Heldinnen in den Gesundheitsberufen. Impfen ist Politik.

Dann schweifte das Gespräch ab, und die Jungen schalteten sich ein. Sie unterhielten sich darüber, wie schwer es ist, eine Wohnung zu finden, ob in Paris, Zürich oder New York. «In Zürich wirst du früh erwachsen», sagte eine meiner Nichten. «Du kannst dir nicht leisten, zu träumen. Du musst planen. Strategisch denken.» Sie erzählte von einer Kollegin, die sich gleich nach der Matura bei verschiedenen Baugenossenschaften angemeldet hatte, damit sie in ein paar Jahren eine zahlbare Wohnung findet. Ihr wäre das nie in den Sinn gekommen, sagte sie, «nach der Matura willst du feiern, die Welt sehen». Sie habe nicht realisiert, «wie strategisch einige Mitschüler ihr Leben in die Hand genommen haben. Diese Stadt», sagte sie, «lässt dir wenig Raum zum Jungsein.»

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